Vereinte Nationen fordern Öffnung von Häfen für Seenotretter

Das Migazin vom 31.08.2020 berichtet: Der Hilferuf der „Louise Michel“ wurde von den Behörden lange ignoriert, doch schließlich erreichten die italienische Küstenwache und auch die „Sea-Watch 4“ das Seenotrettungsschiff. Doch das Bangen ist noch nicht vorbei.

Der Hilferuf des Seenotrettungsschiffs „Louise Michel“ im Mittelmeer wurde erhört: Nachdem die italienische Küstenwache am Samstagabend 49 Menschen von dem Rettungsschiff übernahm, wechselten später rund 150 weitere Gerettete auf die „Sea-Watch 4“. „Wir haben nun rund 350 Personen an Bord, die so schnell wie möglich in einem sicheren Hafen an Land gelassen werden müssen“, twitterte Sea-Watch. Das überwiegend aus kirchlichen Spenden finanzierte Rettungsschiff ist seit Mitte August auf seiner ersten Rettungsmission im Mittelmeer unterwegs. Zum Unterstützerbündnis gehören auch die rheinische, westfälische und lippische Landeskirche sowie einzelne Kirchengemeinden.

UN-Organisationen forderten am Samstag eine sichere Ausschiffung aller auf dem Mittelmeer festsitzenden Flüchtlinge und Migranten. Anrainerstaaten müssten ihre Häfen öffnen und die Menschen an Land gehen lassen, verlangten das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf.

Der humanitäre Imperativ, Leben zu retten, dürfe nicht bestraft werden, hielten die Hilfswerke fest. Das UNHCR und die IOM nannten die „Sea-Watch 4“, die „Louise Michel“ sowie den Tanker „Maersk Etienne“, auf dem sich 27 Hilfsbedürftige befänden, darunter Kinder und eine schwangere Frau. Die Menschen harrten seit dem 5. August auf dem Tanker aus, hieß es. Zum Schutz vor der Corona-Pandemie hatten Anrainerstaaten des Mittelmeers die ohnehin restriktive Flüchtlings- und Migrationspolitik weiter verschärft. Häfen wurden selbst für Seenotrettungsschiffe gesperrt.

Künstler Banksy kauft Schiff für Seenotrettung

Die „Louise Michel“ wird von dem britischen Street-Art-Künstler Banksy unterstützt. Er kaufte das frühere Schiff der französischen Marine für die Seenotrettung im Mittelmeer und bemalte es. Kapitänin der „Louise Michel“ ist Pia Klemp, die auch schon für Sea-Watch im Einsatz war.

Banksy veröffentlichte am Samstag auf Instagram ein kurzes Video, in dem er die Situation der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer anprangert. „Wie die meisten Leute, die es in der Kunstwelt geschafft haben, habe ich eine Yacht gekauft, um auf dem Mittelmeer herumzufahren“, heißt es im Untertitel. Das Schiff sei in eine Rettungsboot umgebaut worden, weil die EU-Behörden die Notrufe von „Nicht-Europäern“ vorsätzlich ignorierten. (epd/mig)

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