Selbsttötungsversuch an Bord der ALAN KURDI nach zehn Tagen Blockade. Verzweiflung und Ratlosigkeit der geretteten Menschen nimmt dramatisch zu

Sea Eye verichtet am 16.04.2020: Am Mittwoch kam es an Bord der ALAN KURDI zu einem Selbsttötungsversuch eines 24-jährigen Mannes. In ihrem medizinischen Bericht schreibt die Schiffsärztin von Angstzuständen, Gewalterfahrungen in einem libyschen Gefängnis und einem konfliktbehafteten Verhältnis zu anderen geretteten Personen an Bord. Die Verzweiflung war in der Nacht zum Mittwoch so groß geworden, dass der Mann keinen anderen Ausweg mehr für sich selbst sah, als sich durch Selbsttötung der Situation zu entziehen. „Der Patient ist eine Gefahr für sich selbst und andere. Wir sind sicher, dass sich der Zustand weiter verschlechtern wird„, schreibt Schiffsärztin Dr. Caterina Ciufegni in ihrem medizinischen Bericht an die italienische Küstenwache.

Die Verzweiflung und Ratlosigkeit einiger Personen erreicht ein bisher unbekanntes Ausmaß. Einem anderen jungen Mann macht der Stress so sehr zu schaffen, dass er sich seit Tagen immer stärker selbst verletzt. Am Mittwochnachmittag hat Kapitänin Bärbel Beuse um die Evakuierung von drei Personen gebeten. Die Antwort der italienischen Küstenwache erfolgte prompt. Ein Offizier des MRCC ROM teilte der Kapitänin über Funk die Koordinaten für einen Treffpunkt mit einem Schiff der Küstenwache mit. „Wir sind froh und dankbar, dass Rom die Gefahr für die geretteten Menschen und uns genauso einschätzte und sofort ein Schiff schickte„, sagt Kapitänin Bärbel Beuse.

Die Evakuierung verlief sehr schwierig. Die drei Boote der italienischen Küstenwache konnten sich kaum annähern, ohne dramatische Szenen auf der ALAN KURDI zu verursachen. „Die Menschen sind total verzweifelt und werden seit 10 Tagen auf der ALAN KURDI festgehalten. Sie deuteten an, ins Wasser springen zu wollen, um die italienischen Boote zu erreichen. Sie ließen sich kaum beruhigen„, sagt Jan Ribbeck, Einsatzleiter von Sea-Eye. Offenbar rechnete die italienische Küstenwache mit solchen Schwierigkeiten, denn sie schickte mehrere Boote für drei zu evakuierende Personen. Die Küstenwache scheint sich über die schwierige Lage auf der ALAN KURDI absolut bewusst zu sein. Nach insgesamt zwei Stunden war die Evakuierung von drei Personen schließlich abgeschlossen.

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