Seenotretter: Rückkehr von Einsatz nach Hause ist schwierig

Das Migazin vom 29.11.2019 berichtet: „Bei einem Einsatz sieht man Dinge, die nicht zum normalen Leben gehören, wie im Krieg“, sagt Alessandro Porro. Er ist Seenotretter an Bord der „Ocean Viking“. Man verändere sich, im normalen Leben komme es zu Spannungen.

Der Moment der Rückkehr zu Familie und Freunden nach einem Seenotrettungseinsatz gehört für SOS-Méditerranée-Mitarbeiter Alessandro Porro zu den schwierigsten Aspekten seiner Arbeit. „Bei einem Einsatz sieht man Dinge, die nicht zum normalen Leben gehören, wie im Krieg“, sagte Porro dem „Evangelischen Pressedienst“ an Bord des Rettungsschiffes „Ocean Viking“ im Mittelmeer. „Dadurch verändert man sich. Aber wenn man nach Hause kommt, führen die anderen weiter ihr normales Leben: Arbeit, Ferien, Hochzeiten und so weiter.“

Das Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“

Viele wollten von den schwierigen Erfahrungen nichts wissen, „das erzeugt Spannungen“, sagte Porro. Der 39 Jahre alte Italiener hat seit 2017 fünf Einsätze mit SOS Méditerranée auf dem Mittelmeer abgeschlossen, bei denen Flüchtlinge und Migranten aus Seenot gerettet wurden. Dabei habe er Menschen wiederbeleben und Leichen von Ertrunkenen aus dem Wasser bergen müssen, berichtete der Helfer. Gleich bei seinem ersten Einsatz habe auch eine Frau an Bord eines Schlauchbootes gerade ein Baby zu Welt gebracht.

12-Stunden-Rettung

Nach den Rettungen selbst, die bis zu zwölf Stunden dauern könnten, sei die Zeit mit den Überlebenden an Bord bewegend, erklärte Porro, der zunächst auf der „Aquarius“ im Einsatz war und seit Sommer auf der „Ocean Viking“ mitfährt. „Man teilt mit ihnen denselben Raum, man ist zu gleicher Zeit seekrank“, sagte Porro. „Und wenn sie ihre Geschichten erzählen und ihre Folterspuren am Körper zeigen, kann man dem nicht entkommen.“

Die von SOS Méditerranée und „Ärzte ohne Grenzen“ betriebene „Ocean Viking“ war am Wochenende mit 213 Geretteten in Messina angekommen. Von dort startete das unter norwegischer Flagge fahrende Schiff am Mittwoch wieder in die libysche Such- und Rettungszone.

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