Seenotretter fordern deutschen Einsatz während EU-Ratspräsidentschaft

Das Migazin vom 02.07.2020 berichtet: Während wieder Dutzende aus Seenot gerettete Menschen im Mittelmeer auf einen sicheren Hafen warten, sehen Hilfsorganisationen die Chance auf ein politisches Vorankommen. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft könne die Bundesregierung ihren bisherigen Lippenbe-kenntnissen endlich Substanz verleihen.

Zwei Tage nach ihrer Rettung aus Seenot sind am Mittwoch 43 Flüchtlinge von der „Mare Jonio“ in Sizilien an Land gegangen. Nach Angaben der Hilfsorganisation „SOS Mediterranea Saving Humans“ hatte die Seenotrettungsleitstelle Rom dem Schiff am Vorabend das Einlaufen in den Hafen Augusta an der Ostküste der Insel erlaubt. Die „Ocean Viking“ wartete unterdessen mit 180 Menschen an Bord weiter auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Angesichts der deutschen Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft zum 1. Juli forderten Hilfsorganisationen die Bundesregierung nachdrücklich zum Einsatz für ein europäisches Seenotrettungsprogramm auf.

Die „Ocean Viking“ befand sich am Mittwochnachmittag in den Gewässern zwischen Italien und Malta. Die Besatzung des Schiffes hatte in der Nacht auf Mittwoch auf Anweisung der maltesischen Behörden noch einmal 16 Flüchtlinge an Bord genommen, die südlich von Lampedusa in Seenot geraten waren. Bereits zuvor waren in zwei Rettungseinsätzen 164 Menschen aufgenommen worden.

Die Organisation SOS Méditerranée, die die „Ocean Viking“ betreibt, appellierte an Außenminister Heiko Maas (SPD): „Nutzen Sie die heute startende deutsche EU-Ratspräsidentschaft und setzen Sie sich für ein europäisches Seenotrettungsprogramm ein, das alle Geretteten an einen sicheren Ort bringt – so wie es das Seerecht vorschreibt!“ Mit Blick auf Rückführungen von Mittelmeerflüchtlingen nach Nordafrika betonte SOS-Méditerranée-Referentin Jana Ciernioch auf Twitter: „Libyen ist nicht sicher!“

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