Seenotretter finden Eheringe im Meer – nun bekommen Ahmed und Doudou sie wieder

Hier eine weihnächtliche Geschichte (Stern, 30.11.2020):

Eine Hilfsorganisation für Flüchtlinge hat bei einem gekenterten Boot im Mittelmeer einen Rucksack gefunden. Darin waren die Eheringe von Ahmed und Doudou. Daraufhin starteten die Helfer eine Suche – und machten das Paar tatsächlich ausfindig.

Anfang November stieß die Besatzung eines Seenotrettungsschiffes im Mittelmeer auf ein gekentertes Boot. Kleidung, Taschen und Habseligkeiten schwammen im Wasser daneben – Überbleibsel einer Tragödie, die sich bereits Wochen zuvor, am 21. Oktober dort abgespielt hatte. Dann nämlich war das kleine Boot mit 20 Menschen an Bord auf dem Weg von Libyen nach Italien auf hoher See gekentert, fünf Passagiere kamen ums Leben.

Die Besatzung des Seenotrettungsschiffes fischte die Gegenstände aus dem Wasser und stieß in einem Rucksack auf ein Paar Eheringe. „Ahmed“ und „Doudou“ stand in ihnen eingraviert. „Wir dachten, die Ringe wären mal wieder Zeugnis für eine weitere Liebesgeschichte, die am Grund des Meeres endete“, sagt Riccardo Gatti gegenüber dem „Guardian“. Er ist Präsident der Hilfsorganisaton Open Arms in Italien und hatte die Gegenstände geborgen. „Leider finden wir solche Dinge sehr oft“, sagt er. „Meistens sind die Koffer und Taschen, die im Meer schwimmen, nichts weiter als Symbole für eine weitere Reise, die in Libyen begann und in einer Tragödie endete.“ Doch wie sich später herausstellen sollte, hatten Ahmed und Doudou den Unfall überlebt.

„Ärzte ohne Grenzen“ finden Ahmed und Doudou

Wie in diesem Fällen üblich habe man dennoch die gefundenen Gegenstände über die sozialen Netzwerke verbreitet, um die Eigentümer zu finden, erklärt Gatti. Über einen Artikel in der Zeitung „La Repubblica“ seien dann Angehörige von „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) auf die Ringe aufmerksam geworden. Sie hätten herausgefunden, dass diese dem 25-jährigen Ahmed und der 20-jährigen Doudou gehörten, einem jungen algerischen Ehepaar.

Beide befinden sich demnach in einem Auffanglager auf Sizilien, nachdem sie Ende Oktober aus dem Meer gerettet worden waren. „Ich konnte es nicht glauben, als sie uns die Fotos der Ringe zeigten“, wird Ahmed in einer Meldung der MSF zitiert. „Wir hatten alles verloren und nun sind die paar Dinge gefunden worden, mit denen wir unsere Reise angetreten hatten. Es ist unglaublich.“ Die beiden seien darüber sehr glücklich, würden aber noch immer „um unsere Freunde trauern, die es nicht geschafft haben“, so die Mitteilung weiter.

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