SEA-EYE 4 rettet 172 Menschen auf erster Rettungsmission

Sea Eye berichtet am 16.05.2021: Die Crew des neuen Bündnisschiffs SEA-EYE 4 rettete im Laufe des Sonntags, 16.05.2021, in zwei Rettungseinsätzen 172 Menschen aus hochseeuntauglichen Holzbooten. Die Boote wurden zeitgleich von der Brückenwache entdeckt. Alle Menschen wurden an Bord der SEA-EYE 4 gebracht und medizinisch untersucht. Unter den Geretteten sind viele Kinder, ein 8 Monate junges Baby und eine Schwangere. Eine dritte Rettung steht unmittelbar bevor, auf die die Crew aufmerksam wurde, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren. Auf dem Boot befinden sich weitere 50 Menschen. Alarm Phone meldet zur Stunde einen weiteren Seenotfall an die Behörden, der bisher unbeantwortet blieb.

Die EU-Staaten haben auf dem zentralen Mittelmeer die fortwährende humanitäre Krise immer weiter eskaliert. Die Flucht wird immer gefährlicher, weil sich die Menschen nicht einmal mehr trauen, um Hilfe zu rufen, denn die europäischen Rettungsleitstellen schicken ihnen nur noch die sogenannte libysche Küstenwache“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die SEA-EYE 4 hat zum ersten Mal Leben gerettet – was für großartige Nachrichten! Wir sind sehr glücklich und stolz, dass unser zweites Bündnisschiff innerhalb weniger Stunden 172 Menschen in Sicherheit bringen konnte. Die Pflicht zur Seenotrettung ist ein Völkerrecht – auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU“, sagt Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue.


Zum ersten Mal unterstützt German Doctors einen Rettungseinsatz von Sea-Eye operativ. An Bord hat Einsatzarzt, Stefan Mees, die Geretteten untersucht: „Wir mussten 12 Menschen im Hospital behandeln – ein Kind und ein erwachsener Mann mussten länger stabilisiert werden. Glücklicherweise gibt es unter den Geretteten aber keine Schwerverletzten.

Bereits am Freitag wurde der Crew der SEA-EYE 4 ein Notruf von ca. 50 Menschen auf einem kleinen Holzboot von Alarm Phone weitergeleitet. Als die Crew das Boot fand, fehlte von den Menschen jede Spur. Während des Einsatzes sichtete die Crew ein Frontex-Flugzeug. „Da Frontex der sogenannten libyschen Küstenwache die Koordinaten von Booten mit Schutzsuchenden direkt oder indirekt mitteilt, müssen wir annehmen, dass diese Menschen auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden“, so Isler.

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