Schlimmere Zustände als in Moria: So prekär ist die Lage in dem Flüchtlingslager Kara Tepe

Web.de berichtet am 26.12.2020: Es dürfe kein zweites Moria geben. Das sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson im September vor dem Europäischen Parlament. Zuvor war das berüchtigte Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos abgebrannt. Rund 13.000 Menschen waren dadurch obdachlos geworden.

Inzwischen schlagen mehrere Hilfsorganisationen wegen der Lage im Ausweichlager Kara Tepe Alarm. Die Bedingungen für die Bewohner sollen dort noch schlimmer sein als in Moria. „Weihnachten bedeutet für die Lagerbewohner in erster Linie, dass Nässe und Kälte die Lebensbedingungen weiter verschlechtern“, teilt Caritas International mit.

n Kara Tepe befinden sich zurzeit rund 7500 Menschen. Die Lage auf Lesbos steht besonders im Fokus, doch rund 7700 Menschen leben derzeit in anderen Ankunftszentren auf den Inseln Chios, Kos, Samos und Leros.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) geht davon aus, dass sich insgesamt rund 19.500 Asylsuchende auf den griechischen Inseln aufhalten. Die beiden größten Gruppen machen Menschen aus Afghanistan (46 Prozent) und Syrien (18 Prozent) aus. Laut UNHCR sind 48 Prozent der Geflüchteten dort Frauen und Kinder.

„Man hat bei Moria immer gesagt: Schlimmer geht es eigentlich nicht. Kara Tepe ist ganz klar die Steigerung“, sagte die Journalistin Isabel Schayani im WDR. Auf Twitter veröffentlichte sie zudem aktuelle Videoaufnahmen aus Kara Tepe, wo Menschen in unter Wasser stehenden Zelten hausen müssen.

„Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser ist nicht gewährleistet, es fehlt an Duschen und Toiletten“, teilt Caritas International mit. Die Menschen seien Sturm und Regen schutzlos ausgeliefert, zu Weihnachten werden Temperaturen von sechs Grad erwartet. Mehrmals kam es in den vergangenen Monaten zu Überschwemmungen.

Der deutsche Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) sagte in einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“, Babys seien in den nassen Zelten von Ratten gebissenworden. Das Vorzeige-Lager PIKPA, wo zuvor einigermaßen humanitäre Bedingungen herrschten, ist von den griechischen Behörden im September geschlossen worden.

Auch die Stimmung unter den Menschen in den Lagern ist angespannt bis gefährlich. Die Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer berichtete in der vergangenen Woche von einem besonders erschreckenden Ereignis: Demnach soll eine Dreijährige Opfer eine Vergewaltigung geworden sein. Das Kind wurde blutend und bewusstlos in einem Waschraum gefunden.

Moria Camp
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