Malta evakuiert 78 gerettete Menschen von Rettungsschiff ALAN KURDI

Sea-Eye meldet am 30.01.2020: Am vergangenen Samstag rettete die zehnte Crew des deutschen Rettungsschiffes ALAN KURDI insgesamt 78 Menschenleben von zwei hochseeuntauglichen Booten. Vier Tage später evakuierte die maltesische Army die Geretteten auf See. Noch am Sonntag lehnten die maltesischen Behörden die Ausschiffung der Geretteten ab. So sei Malta weder zuständig, noch habe man weitere Kapazitäten, um aus Seenot gerettete Schutzsuchende aufzunehmen. Es gäbe eine Einigung mit anderen EU-Mitgliedsstaaten. Deshalb solle sich das Schiff an den nächsten Küstenstaat wenden. 

Trotz des schlechten Wetters und der gefährlichen Fluchtbedingungen fliehen in diesen Tagen besonders viele Menschen aus Libyen. Hilfsorganisationen wie Sea-Eye retteten in den vergangenen Tagen rund 800 Menschen. Der UNHCR erklärte schon vor einer Woche, dass die Lage in Libyen „außer Kontrolle“ geraten sei und dass man nicht einmal mehr „minimale Sicherheitsstandards für Flüchtlinge“ zu garantieren vermöge. Der Versuch die europäische Marinemission „Sophia“ wiederzubeleben scheiterte an den Regierungen von Österreich und Italien. 

Auf der ALAN KURDI mussten 78 Gerettete aus 20 unterschiedlichen Herkunftsländern auf die Zuweisung eines sicheren Ausschiffungshafens warten. Einige der Geretteten berichteten, drei Tage unterwegs gewesen zu sein und das Bouri Oilfield durchquert zu haben. Dabei hätte auch ein Frachtschiff ihren Kurs gekreuzt und sei ihnen ausgewichen. Die Geretteten des zweiten Bootes berichteten dem Sea-Eye-Menschenrechtsbeobachter Todesangst gehabt zu haben, als ihr Boot von mehreren Haien umkreist worden sei.

Als Einsatzleiterin Johanna Pohl die Geretteten am Dienstagabend informierte, dass die Menschen von einem maltesischen Militärschiff abgeholt werden würden, um nach Malta übernommen zu werden, äußerten viele Schutzsuchende große Ängste, zurück nach Libyen gebracht zu werden. Nur mit großer Anstrengung konnte die Crew die Menschen beruhigen und glaubhaft vermitteln, dass dies nicht der Grund dafür sei, dass Malta die ALAN KURDI nicht anlegen lässt.

Am Mittwochabend übernimmt AFM 78 Gerettete von der ALAN KURDI Foto: Marco Riedl/sea-eye.org
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