Jubel um Mitternacht auf der „Ocean Viking“

Das Migazin vom 06.12.2019 berichtet: Grünes Licht aus Italien: Die „Ocean Viking“ darf die aus Seenot geretteten Menschen an Land bringen. Die Retter machen sich auf den Weg zu ihnen, um die frohe Botschaft zu überbringen. Es ist kurz nach zwölf, als die Männer im Container auf dem Achterdeck geweckt werden. Die Menschen aus Eritrea, Bangladesch, Mali und anderen Ländern sind vor fünf Tagen von denselben Leuten aus Seenot gerettet worden, die nun ihre Nachtruhe stören: der Crew der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und „Ärzte ohne Grenzen“ auf dem Rettungsschiff „Ocean Viking“. Immer mehr Helfer kommen nun in den Wohncontainer der Geretteten, wollen dabei sein. Sie bahnen sich einen Weg zwischen Beinen, Köpfen und Decken. Der Raum wird von Heizstrahlern an der Decke in ein oranges Licht getaucht. Fragende Gesichter.

Info: Knapp eine Woche nach ihrer Rettung aus dem Mittelmeer haben rund 120 Flüchtlinge sichere Häfen in Italien erreicht. 61 von der „Alan Kurdi“ aufgenommene Migranten gingen am Mittwoch in Messina an Land, nachdem das Schiff noch in der Nacht in dem sizilianischen Hafen angelegt hatte. Auch die „Ocean Viking“ mit 60 Flüchtlingen an Bord bekam in der Nacht die Genehmigung, die Geretteten in Italien an Land zu bringen. Sie fuhr in den Hafen des südsizilianischen Städtchens Pozzallo ein, wo die Menschen am Vormittag das Schiff verlassen konnten.

Der Missionschef von „Ärzte ohne Grenzen“, Aloys Vimard, und zwei Kollegen bitten die Männer, sich in Sprachgruppen zusammen zu setzen – Französisch, Englisch, Arabisch. Dann hebt Vimard zu einer kleinen Rede an. „Schon fünf Tage, dass wir die Zeit gemeinsam auf dem Schiff verbringen, das ist nicht einfach“, sagt er, eine Mappe in der Hand und ein Funkgerät auf der Brust. Jetzt sei aber eine Lösung gefunden, die Menschen dürften nach Europa, „ein Hafen in Italien“. Kurzes Klatschen, erleichtertes Lächeln, Gemurmel.

Das Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“
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