Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sind in der Nacht mehrere Feuer ausgebrochen. Sie sind inzwischen unter Kontrolle. Das vollkommen überfüllte Camp wurde evakuiert. Es stand wegen Corona unter Quarantäne.

ARD Tagesschau.de vom 09.09.2020: Wie es mit den Bewohnern weitergeht, ist unklar. Das Lager stand wegen mehrerer Corona-Fälle unter Quarantäne.

Es war nicht das erste Mal, dass es im Flüchtlingslager Moria auf die griechischen Insel Lesbos gebrannt hat – doch so heftig war es noch nie. In der Nacht stand das Camp fast vollständig in Flammen, es wurde massiv verwüstet. Windböen um die 60 Kilometer pro Stunde machten der Feuerwehr die Löscharbeiten schwer, inzwischen hat sie die Brände nach Regierungsangaben weitgehend unter Kontrolle gebracht.

Auch Wohncontainer brannten, weshalb die Behörden die Evakuierung des Lagers anordneten. Viele der Migranten hätten bereits von selbst versucht, sich in die umliegenden Hügel in Sicherheit zu bringen, so die Einsatzkräfte. Über mögliche Verletzte oder gar Tote gibt es bislang keine Informationen. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis berief eine Krisensitzung ein, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas. Neben dem Migrations- und dem Bürgerschutzminister sollen daran auch der Chef des griechischen Nachrichtendienstes und der Generalstabschef teilnehmen. Man vermute organisierte Brandstiftung, so Petsas.

Das Feuer habe sich im und rund um das unter Quarantäne stehende Camp ausgebreitet, sagte der Bürgermeister von Mytilini, Stratos Kytelis, dem privaten Radiosender Skai, wie die Nachrichtenagentur AP schreibt. Mehr als 12.000 Migranten aus Moria würden aktuell auf einer Autobahn von der Polizei überwacht. „Es ist eine sehr schwierige Situation, weil einige von jenen, die da draußen sind, positiv auf das Coronavirus getestet worden sind“, so der Bürgermeister.

Am frühen Morgen hatten sich Bereitschaftspolizisten rund um das Lager und entlang einer fünf Kilometer langen Route zu Mytilini postiert. Die Stadt ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Lesbos. Mit dem Vorgehen wollten die Einsatzkräfte offenbar verhindern, dass Migranten den Hafen von Mytilini erreichen.

Im griechischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ERT sagte Kytelis, man wisse nicht, wo die Menschen nun untergebracht werden sollten, Tausende seien obdachlos. Auch für die Einheimischen sei die Situation eine enorme Belastung.

Lesbos, Herbst 2019, Marco Stricker

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