„Für viele Flüchtlinge die kürzeste Strecke Richtung Freiheit“

Das MIgazin berichtet am 13.08.2021: Auf der anderen Seite des Meeres liegt die Freiheit. Tausende Menschen wagten die gefährliche Flucht, viele kamen dabei ums Leben – zwischen dem 13. August 1961 und dem 9. November 1989.

Die Tragödie beginnt am frühen Morgen des 8. März 1977. Familie Sender will zurück – zurück aus der DDR in die Bundesrepublik. 16 Jahre zuvor sind Ulla und Heinz-Georg Sender den umgekehrten Weg gegangen, haben die Bundesrepublik fluchtartig verlassen und sind in die DDR gezogen. Nun wollen sie wieder in den Westen – zusammen mit ihren drei Kindern Susanne, Beate und Christoph. Über die Ostsee wollen sie fliehen, mit zwei Paddelbooten. Doch die Flucht geht auf dramatische Weise schief. Eines der beiden Boote kentert – Vater Heinz-Georg und die beiden Töchter ertrinken vor den Augen von Mutter Ulla und Sohn Christoph.

Wie die Senders haben seit dem Mauerbau am 13. August 1961 bis zur deutsch-deutschen Grenzöffnung 1989 rund 5.600 Menschen die Flucht über die sogenannte „nasse Grenze“ gewagt. Rund 80 Prozent von ihnen wurden bei dem Versuch verhaftet, vermutlich 913 (etwa 16 Prozent) ist die Flucht gelungen und mindestens 174 Menschen kamen bei ihrem Fluchtversuch ums Leben, weiß der Wissenschaftler Henning Hochstein von der Universität Greifswald. „Ihre Leichen wurden an die Strände zwischen Fehmarn, Rügen und Dänemark gespült oder im Meer in Fischernetzen gefunden.“

Ulla und Christoph Sender wurden damals von einer dänischen Schiffsbesatzung gerettet und haben in Westdeutschland ihr Zuhause gefunden. „Die Geschichte der Familie Sender“ ist vor einigen Jahren vom dänischen Historiker Jesper Clemmensen aufgezeichnet worden. Auf eine Interview-Anfrage Clemmensens antwortete Ulla Sender: „Ich rede mit anderen Menschen nie über meine Vergangenheit, da es sowieso keiner verstehen will. Immer hieß es: Wie konntet ihr nur?“

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