Rettungsschiff festgesetzt. Begründung: Zu viele Menschen gerettet

Das Migazin vom 07.06.2021: Erneut hat Italien ein Rettungsschiff festgesetzt. Begründung: Das Schiff haben zu viele Menschen gerettet. „Sea-Eye 4“ ist das inzwischen vierte festgesetzte Rettungsschiff. Seenotretter kritisieren die Festsetzung scharf.

Das Seenotrettungsschiff „Sea-Eye 4“ ist von Inspekteuren der italienischen Küstenwache in Palermo festgesetzt worden. Als Grund für die Festsetzung sei auch angeführt worden, dass die Rettungsschiffe regelmäßig zu viele Menschen vor dem Ertrinken retteten und für diesen humanitären Zweck falsch zertifiziert seien, erklärte der Vorsitzende des Vereins Sea-Eye, Gorden Isler, am Samstag in Regensburg.

„Sea-Eye 4“ zufolge heißt es im Bericht der italienischen Küstenwache: „Die große Anzahl der geborgenen Personen, die über die durch das genannte Zertifikat erlaubte Anzahl hinausgeht, stellt eine ernste Gefahr für das Schiff und die Besatzung dar.“

Diese Begründung sei „grotesk“. Wie bereits bei anderen zivilen Rettungsschiffen würden nun auch bei der „Sea-Eye 4“ die gleichen technischen Gründe angeführt, um weitere Einsätze des Schiffes zu stoppen, sagte Isler. „Unser Kapitän ist der Pflicht zur Seenotrettung vorbildlich nachgekommen. Er hat Seenotfälle gesehen und eine sichere Rettung durchgeführt. Daran können sich die EU-Staaten ein Beispiel nehmen.“

Zu viele Menschen gerettet: Italienische Küstenwache setzt SEA-EYE 4 in Palermo fest

Bürgermeister von Palermo ernennt Sea-Eye-Crew zu Ehrenbürger*innen
Sea Eye berichtet am 05.06.2021: Während Bürgermeister Leoluca Orlando die Crew der SEA-EYE 4 am Freitagabend zu Ehrenbürger*innen der Stadt Palermo ernannte, wurde das neue Rettungsschiff der Regensburger Seenotretter*innen von zwei Inspekteur*innen der italienischen Küstenwache festgesetzt. Wie bereits bei anderen zivilen Rettungsschiffen werden nun auch bei der SEA-EYE 4 die gleichen technischen Gründe angeführt, um weitere Einsätze des Schiffes zu stoppen.

Im Prinzip geht es immer wieder darum, dass argumentiert wird, die deutschen Rettungsschiffe würden regelmäßig zu viele Menschen vor dem Ertrinken retten und für diesen humanitären Zweck falsch zertifiziert sein“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

So heißt es im Bericht der italienischen Küstenwache: „Die große Anzahl der geborgenen Personen, die über die durch das genannte Zertifikat erlaubte Anzahl hinausgeht, stellt eine ernste Gefahr für das Schiff und die Besatzung dar.“ Insgesamt führten die Inspekteur*innen während einer 12-stündigen Hafenstaatkontrolle 10 Gründe für die Festsetzung an. Grotesk erscheint indes der Grund, dass der Kapitän der SEA-EYE 4 gegen Artikel 98 des Seerechtsübereinkommens verstoßen haben soll, indem er zu viele Menschen gerettet habe. Artikel 98 beschreibt jedoch die explizite Pflicht der Flaggenstaaten seine Kapitän*innen zur Seenotrettung zu verpflichten.

Verstößt die EU gegen Menschenrechte?

n-tv berichtet am 25.05.2021: Die Lage im Mittelmeer spitzt sich zu. Berichten zufolge sollen EU-Staaten Hilferufe von Flüchtlingen ignoriert und ihre Boote „koordiniert zurückgewiesen“ haben. Die UN zeigen sich alarmiert und prüfen mögliche Verletzungen von Menschenrechten.

Die Vereinten Nationen sind beunruhigt über die Flüchtlingspolitik der EU-Staaten im Mittelmeer nach Berichten, dass SOS-Rufe ignoriert und Hilfe gezielt verweigert werde. Die UN seien „zutiefst besorgt“, sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Rupert Colville.

Es gebe Berichte, wonach Flüchtlingsboote „koordiniert zurückgewiesen“ und Hilferufe an Seenot-Rettungsstellen „nicht beantwortet oder ignoriert“ würden. Dies stelle eine klare Gefährdung von Menschenleben dar. Sollten sich diese Berichte bestätigen, stelle sich die Frage nach der Respektierung der Menschenrechte durch die betroffenen Länder, sagte Colville.

Er kritisierte zudem, dass Malta Handelsschiffe aufgefordert haben soll, Flüchtlingsboote auf hohe See zurückzudrängen. Zudem würden Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen offenbar davon abgehalten, Flüchtlingsbooten im Mittelmeer Hilfe zu leisten.

Italien und Malta ließen seit dem 9. April unter Verweis auf das Coronavirus keine Flüchtlings-Rettungsschiffe mehr in ihre Häfen einlaufen. Derzeit warteten daher mindestens drei Schiffe mit Flüchtlingen an Bord darauf, die Geretteten an Land bringen zu können.

In dieser Woche hatte Italien das deutsche Rettungsschiff Alan Kurdi festgesetzt, weil es „mehrere Unregelmäßigkeiten“ gegeben habe, die die Menschen an Bord gefährden könnten. Anfang April hatte die Alan Kurdi vor der Küste Libyens 146 Migrantinnen und Migranten aufgenommen. Wegen der Coronavirus-Pandemie hatte eine italienische Fähre die Geretteten später übernommen, um sie besser versorgen zu können.

Quelle: ntv.de, hny/AFP

Über 400 Gerettete der SEA-EYE 4 gehen in Pozzallo an Land

Sea-Eye berichtet am 21.05.21: Am Freitag, 21.05.2021, lief das Rettungsschiff SEA-EYE 4 in den Hafen von Pozzallo ein. Kurz darauf durften die ersten der 400 geretteten Menschen, darunter 150 Kinder, das Schiff verlassen. Die Ausschiffung wird begleitet von rassistischen Kommentaren der behördlichen Einsatzkräfte vor Ort. Einsatzleiter Jan Ribbeck kommentiert die Zustände: „Hier werden keine verhältnismäßigen und menschenwürdigen Maßnahmen ergriffen. Einem 8 Monate alten Baby und Kleinkindern wurden unter Schreien Nasenabstriche abgenommen.

Die Crew hatte bereits am Montag um einen sicheren Hafen gebeten. Erst zwei Tage später am Mittwochabend reagierten die italienischen Behörden und wiesen der SEA-EYE 4 Pozzallo auf Sizilien zu. Zu der Zeit befand sich die SEA-EYE 4 etliche Seemeilen entfernt auf der anderen Seite der Mittelmeerinsel direkt vor dem Hafen von Palermo. Palermos Bürgermeister, Leoluca Orlando, hatte zuvor eine Einladung an die geretteten Menschen und die Crew ausgesprochen, in seinem Hafen an Land zu gehen.

Durch die Wahl des Ausschiffungshafens Pozzallo mussten sehr viele Menschen zwei weitere Nächte auf den Stahlböden der SEA-EYE 4 schlafen. Die EU-Staaten behandeln Schutzsuchende zunehmend brutaler und schikanieren jene, die ihnen helfen wollen. Es ist einfach entsetzlich, dass spanische Soldaten Geflüchtete zurück ins Wasser prügeln und italienische Abgeordnete das im Kontext unserer Situation feiern, um den gleichen Umgang mit unseren Geretteten vorzuschlagen! Statt Fluchtursachen zu bekämpfen, greifen staatliche Akteure selbst flüchtende Menschen an. Wenn die EU weiter in diese Richtung kippt, dann können wir die Genfer Flüchtlingskonvention endgültig abschreiben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die Zuweisung des sicheren Hafens erfolgte wenige Stunden nachdem ein junger Mann aufgrund eines schweren Herzleidens durch die italienische Küstenwache von der SEA-EYE 4 evakuiert werden musste. Malta hatte bereits am Dienstag abgelehnt, den geretteten Menschen einen sicheren Hafen zu bieten und ihr Leiden auf See zeitnah zu beenden. Die Menschen brauchen nun ein sicheres Umfeld und Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die letzten sieben Tage unserer Rettungsmission haben wieder einmal ganz deutlich das Versagen der EU-Staaten gezeigt. Regelmäßig ertrinken Menschen auf ihrer Flucht und Tausende werden in die Bürgerkriegshölle Libyens zwangsweise zurückgeführt. An die Einhaltung der Menschenrechte scheint in den Regierungen Europas niemand mehr zu denken“, sagt Isler zum Abschluss der Rettungsmission.

247 Kommunen und Städte sind in Deutschland zur Aufnahme von Geflüchteten bereit

Sea Eye berichtet am 18.05.2021: Das von Sea-Eye betriebene Rettungsschiff SEA-EYE 4 hat innerhalb von 4 Einsatztagen mehr als 400 Menschenleben gerettet. Alle Rettungen haben in den internationalen Gewässern der libyschen und der maltesischen Rettungszone stattgefunden. Die Menschen wurden in 6 Einsätzen aus hochseeuntauglichen Holzbooten gerettet. Der UNHCR berichtete zeitgleich, dass die sogenannte libysche Küstenwache insgesamt 650 Menschen davon abgehalten hat, das Bürgerkriegsland Libyen zu verlassen. Die Geretteten kommen aus vielen unterschiedlichen Nationen. Unter ihnen sind sehr viele Minderjährige, die als besonders schutzbedürftig gelten. Bisher reagierte keine einzige europäische Behörde auf die Nachrichten der SEA-EYE 4.

Wir hoffen sehr, dass uns in den kommenden Stunden ein sicherer Hafen für die SEA-EYE 4 zugewiesen wird. Unsere Besatzung ist seit mehr als 96 Stunden im Einsatz, weil es überhaupt keine staatlichen Anstrengungen gab, diesen schutzsuchenden Menschen zu helfen“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die SEA-EYE 4 hält nun einen nördlichen Kurs. Die Einsatzleitung des Schiffes wartet darauf, dass eine europäische Rettungsleitstelle die weitere Koordinierung übernimmt. Für die medizinische Versorgung der Geretteten trägt erstmalig ein Arzt der neuen Partnerorganisation German Doctors die Verantwortung.

Unter den mehr als 400 geretteten Menschen waren 25 in einem behandlungswürdigen oder sogar kritischen Zustand. Ein achtjähriger Junge zum Beispiel war nicht mehr ansprechbar. Ihn und alle anderen Patientinnen und Patienten konnten wir im Bordhospital inzwischen stabilisieren. Drei Schwangere und ein Baby sind in guter Verfassung. Einen Mann mit Lungenentzündung haben wir negativ auf Covid-19 getestet. Die häufigsten Diagnosen waren: Unterkühlung, Austrocknung, Unterernährung, Erschöpfungszustände sowie Seekrankheit und Bewusstlosigkeit. Bedrückend ist, dass die meisten Menschen zudem deutliche Symptome schwerer Traumatisierung zeigen – auch viele der Kinder“, sagt Dr. Stefan Mees, German Doctors-Einsatzarzt und Bordarzt auf der SEA-EYE 4.

Keine Scheu vor Menschenrechtsverletzungen: die europäische Grenzschutzagentur

Sea Watch berichtet am 18.05.2021: Seit Jahren sorgt die Europäische Agentur für Grenz- und Küstenwache, Frontex, an der tödlichsten Grenze der Welt dafür, dass Menschen auf der Flucht vor Folter, Krieg und Armut in das Bürgerkriegsland Libyen zurückgeschleppt werden. Seit 2017 sind jedoch auch wir mit unseren Aufklärungsflugzeugen Moonbird und Seabird vor Ort, um die skrupellose Abschottungspolitik zu dokumentieren, die im Mittelmeer auf dem Rücken bedürftiger Personen betrieben wird, und die Fadenzieherin dahinter – die Europäische Union – dafür zur Verantwortung zu ziehen.

Heute möchte ich Dir am Beispiel eines Seenotfalles im zentralen Mittelmeer, in den Frontex involviert war und den wir mit unserer Seabird-Crew hautnah bezeugten, ein Bild von den täglichen Menschenrechtsbrüchen vermitteln, die sich vor den Toren Europas abspielen. Das Mittelmeer ist ein Ort, wo Wut, Trauer und Erleichterung so nah beieinander liegen. Ein Ort, wo wir zuschauen müssen, wie Menschenrechte systematisch gebrochen werden. Ein Ort, an dem auch unsere Crew an ihre Grenzen kommt.

Am 12. Februar 2021 beobachtete die Bodencrew unserer Luftaufklärungsmission anhand des Flugtracks das Frontex-Flugzeug Eagle1, das an einer Position in der maltesischen Such- und Rettungszone kreiste. Unsere Seabird-Crew machte sich umgehend auf den Weg zu der Stelle und fand ein Boot mit 40 Personen in Not, die allesamt keine Rettungswesten trugen – eine äußerst gefährliche Situation, denn die Wellen waren zu diesem Zeitpunkt über einen Meter hoch. Das Handelsschiff VOS Triton befand sich in der Nähe, entfernte sich jedoch von dem Seenotfall.
 
Das Boot von der Seabird aus gesehen (Foto: David Lohmueller)
Umgehend informierten wir die Hafenbehörden von Lampedusa sowie die maltesischen und italienischen Behörden. Einige Zeit später entdeckte die Seabird-Besatzung das Patrouillenboot Fezzan der sogenannten Libyschen Küstenwache in der maltesischen Such- und Rettungszone, das mit voller Geschwindigkeit auf die in Not geratenen Menschen zusteuerte. Wir müssen davon ausgehen, dass die Anwesenheit der sogenannten Libyschen Küstenwache im maltesischen Hoheitsgebiet von einem der in den Fall involvierten europäischen Akteure koordiniert wurde. Wer auch immer die sogenannte Libysche Küstenwache informiert hat, hat klar gegen internationales Seerecht verstoßen und in Kauf genommen, dass Menschen möglicherweise zurück in ein Kriegsgebiet geschleppt werden!

Glücklicherweise kam es in diesem Fall nicht zu einer illegalen Rückführung, und dies wiederum dank eines zivilen Akteurs: Das NGO-Schiff Open Arms kam schließlich ebenfalls vor Ort an und steuerte auf das in Seenot geratene Boot zu. Die Seabird-Crew beobachtete aus der Luft, wie die sogenannte Libysche Küstenwache neben einem zu Wasser gelassenen Schnellboot der Open Arms versuchte, dieses zu blockieren, indem sie vor ihm herfuhr und die entstehenden Wellen nutzte, um seinen Kurs zu stören. Nachdem dieser gefährliche Versuch, die Crew der Open Arms zu blockieren, glücklicherweise erfolglos blieb, entfernte sich das libysche Patrouillenboot schließlich in Richtung Süden. Die 40 Personen wurden anschließend von dem NGO-Schiff Open Arms gerettet und in Italien an Land gebracht.
Unsere beiden Flugzeuge, Moonbird und Seabird, können anhand dutzender weiterer Fälle beweisen, wie Frontex versucht, begangene Verbrechen zu vertuschen, ihre direkte Kooperation mit der sogenannten Libyschen Küstenwache zu verschleiern und damit jegliche Transparenz ihrer Mission zu begraben. Mehr Informationen zu den Machenschaften von Frontex findest Du in unserem aktuellen Factsheet.

SEA-EYE 4 rettet 172 Menschen auf erster Rettungsmission

Sea Eye berichtet am 16.05.2021: Die Crew des neuen Bündnisschiffs SEA-EYE 4 rettete im Laufe des Sonntags, 16.05.2021, in zwei Rettungseinsätzen 172 Menschen aus hochseeuntauglichen Holzbooten. Die Boote wurden zeitgleich von der Brückenwache entdeckt. Alle Menschen wurden an Bord der SEA-EYE 4 gebracht und medizinisch untersucht. Unter den Geretteten sind viele Kinder, ein 8 Monate junges Baby und eine Schwangere. Eine dritte Rettung steht unmittelbar bevor, auf die die Crew aufmerksam wurde, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren. Auf dem Boot befinden sich weitere 50 Menschen. Alarm Phone meldet zur Stunde einen weiteren Seenotfall an die Behörden, der bisher unbeantwortet blieb.

Die EU-Staaten haben auf dem zentralen Mittelmeer die fortwährende humanitäre Krise immer weiter eskaliert. Die Flucht wird immer gefährlicher, weil sich die Menschen nicht einmal mehr trauen, um Hilfe zu rufen, denn die europäischen Rettungsleitstellen schicken ihnen nur noch die sogenannte libysche Küstenwache“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die SEA-EYE 4 hat zum ersten Mal Leben gerettet – was für großartige Nachrichten! Wir sind sehr glücklich und stolz, dass unser zweites Bündnisschiff innerhalb weniger Stunden 172 Menschen in Sicherheit bringen konnte. Die Pflicht zur Seenotrettung ist ein Völkerrecht – auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU“, sagt Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue.


Zum ersten Mal unterstützt German Doctors einen Rettungseinsatz von Sea-Eye operativ. An Bord hat Einsatzarzt, Stefan Mees, die Geretteten untersucht: „Wir mussten 12 Menschen im Hospital behandeln – ein Kind und ein erwachsener Mann mussten länger stabilisiert werden. Glücklicherweise gibt es unter den Geretteten aber keine Schwerverletzten.

Bereits am Freitag wurde der Crew der SEA-EYE 4 ein Notruf von ca. 50 Menschen auf einem kleinen Holzboot von Alarm Phone weitergeleitet. Als die Crew das Boot fand, fehlte von den Menschen jede Spur. Während des Einsatzes sichtete die Crew ein Frontex-Flugzeug. „Da Frontex der sogenannten libyschen Küstenwache die Koordinaten von Booten mit Schutzsuchenden direkt oder indirekt mitteilt, müssen wir annehmen, dass diese Menschen auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden“, so Isler.

„Ärzte ohne Grenzen“ starten Seenotrettung mit eigenem Schiff

Das MIgazin vom 14.05.2021 berichtet: Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ will die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer fortan mit einem eigenen Schiff organisieren. Zum Einsatz komme dafür die gecharterte „Geo Barents“. Das Schiff sei am Donnerstagmorgen im norwegischen Hafen Alesund gestartet, wie eine Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen auf Anfrage am Donnerstag in Berlin sagte. Ziel sei, „die Leben von Geflüchteten und Migranten zu retten, die sich auf die gefährliche Überfahrt von Libyen nach Europa machen und dabei in Lebensgefahr geraten“.

Nach Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ erreichten 2021 bislang fast 13.000 Flüchtlinge die italienische Küste. Mindestens 555 starben bei dem Versuch der Überfahrt oder werden vermisst, wie es weiter hieß. In der gleichen Zeit seien mehr als 7.000 Geflüchtete und Migranten von der durch die EU-unterstützten libyschen Küstenwache abgefangen und gewaltsam nach Libyen zurückgebracht worden.

Seit 2015 waren Teams von „Ärzte ohne Grenzen“ auf insgesamt sieben Seenotrettungsschiffen auf dem Mittelmeer im Einsatz. Teilweise hatte die medizinische Nothilfeorganisation die Schiffe mit anderen Organisationen gemeinsam betrieben. Insgesamt seien Mitarbeitende von „Ärzte ohne Grenzen“ an 682 Such- und Rettungseinsätzen beteiligt gewesen und hätten mehr als 81.000 Menschen versorgt, hieß es.

Das Schiff „Geo Barents“ wurde den Angaben zufolge von Uksnøy & Co AS gechartert und 2007 gebaut. Das Schiff mit einer Länge von 76,95 Metern segelt unter norwegischer Flagge, wie die Hilfsorganisation weiter mitteilte. Es sei für Such- und Rettungseinsätze umgebaut worden und habe zwei Decks für Überlebende, eines für Männer und eines für Frauen und Kinder. An Bord befinde sich eine Klinik, ein Zimmer für gynäkologische Untersuchungen durch eine Hebamme und ein Beobachtungsraum für alle medizinischen Aktivitäten.

Neues Bündnisschiff SEA-EYE 4 auf dem Weg ins Einsatzgebiet

Gemeinsame Pressemitteilung von Sea-Eye, United4Rescue und German Doctors vom 08.05.2021:

Das neue Rettungsschiff SEA-EYE 4 brach am 08.05.2021 vom spanischen Hafen in Burriana zum ersten Mal in den Einsatz auf. Das Schiff wird das Such- und Rettungsgebiet im zentralen Mittelmeer voraussichtlich in 5 Tagen erreichen. Unterstützt wird der humanitäre Einsatz der SEA-EYE 4 auf dem Mittelmeer von United4Rescue, dem Bündnis für die zivile Seenotrettung, und der Hilfsorganisation German Doctors.

Seenotrettung in Zeiten der Corona-Krise besonders schwierig

Das Migazin berichtet am 10.05.2021: Seenotretter fordern die Politik auf, auch in der Pandemie ihrer Verantwortung für Flüchtlinge gerecht zu werden. Sie beklagen zudem politisch motivierte Behinderungen im Mittelmeer. Wissenschaftlern zufolge ist das Risiko, auf See zu sterben, wieder deutlich gestiegen.

Private Seenotretter haben die Politik aufgefordert, trotz der Corona-Pandemie ihre Verantwortung für die Flüchtlinge im Mittelmeer wahrzunehmen. Die Pandemie dürfe nicht dazu dienen, dass europäische Staaten sich ihrer rechtlichen Verpflichtung für Menschen auf der Flucht entledigen, erklärte die Organisation SOS Méditerranée am Sonntag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts. Humanitäre Prinzipien und Menschenrechte gälten auch in Krisenzeiten. Die Initiative betreibt das Rettungsschiff „Ocean Viking“.

Die vergangenen Monate seien besonders schwierig gewesen für die zivile Seenotrettung. „Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf ihre Arbeit haben die Seenotretter vor neue Herausforderungen gestellt: geschlossenen Häfen, festgesetzte Schiffe, lange Quarantänezeiten und aufwendige Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen an Bord“, erklärte die Organisation. Zudem hätten sich 2020 die politisch motivierten Behinderungen der Helfer im Mittelmeer weiter zugespitzt, sagte die politische Referentin der Organisation, Jana Ciernioch.

455 Menschen aus Seenot gerettet

Sea Watch berichtet am 03.05.2021: Am vergangenen Wochenende hat die Sea-Watch 4 in 6 Rettungsaktionen 455 Menschen aus Seenot gerettet. Wir sind erleichtert, dass unserem Rettungsschiff nun Trapani auf Sizilien als sicherer Hafen zugewiesen wurde.
Seit Tagen ist die Crew der Sea-Watch 4 unermüdlich im Einsatz und hat in etwas mehr als 48 Stunden 6 Rettungseinsätze durchgeführt. Nachdem die Sea-Watch 4 am Donnerstagabend einen ersten Seenotfall bergen konnte, wurden am darauffolgenden Tag über 250 Personen von 3 weiteren Seenotfällen an Bord der Sea-Watch 4 in Sicherheit gebracht. Weder die italienischen noch die maltesischen Behörden kamen der anschließenden Forderung nach der Zuweisung eines sicheren Hafens nach.
Trotz eines bereits gefüllten Decks und einer erschöpften Besatzung wurden am vergangenen Samstag in zwei weiteren Rettungsoperationen weitere 148 Menschen aus zwei überfüllten Holzbooten gerettet. Eines der Boote trieb bereits seit 3 Tagen auf dem Meer. Obwohl es sich in der maltesischen Such- und Rettungszone befand und die Koordinaten den Behörden bekannt waren, wurde keine Rettungsaktion eingeleitet. Gestern musste eine der geretteten Personen aufgrund ihres kritischen medizinischen Zustandes von italienischen Behörden evakuiert werden.

Foto: Fabian Melber

Das medizinische Personal betreut derzeit die Geretteten, unter denen sich zahlreiche unbegleitete Minderjährige, schwangere Frauen und Kinder befinden. Viele von ihnen sind von ihrer Zeit in Libyen schwer traumatisiert. Einige berichten davon, wie sie bereits mehrfach den Versuch über das Mittelmeer gewagt haben, jedoch gegen ihren Willen von der sogenannten Libyschen Küstenwache zurück in das Bürgerkriegsland geschleppt wurden.
 
Erst am Samstagmorgen wurde die Besatzung der Sea-Watch 4 Zeugin einer gewaltvollen Rückführung durch die sogenannte Libysche Küstenwache und beobachtete, wie sie auf die Menschen im Schlauchboot einschlug, um sie anschließend nach Libyen zurück zu schleppen. Mithilfe von Kameras und Ferngläsern konnte die Besatzung den Zwischenfall beobachten und dokumentieren. Die erschütternden Aufnahmen findest Du hier.

EU-Dilemma? Grenze zu Afrika sichern, aber Menschenrechte einhalten

Echo der Zeit von Radio DRS berichtet am 02.05.2021: Tausende Menschen aus den Sahelstaaten oder dem Maghreb wählen auf ihrer Flucht Richtung Europa den Weg über Libyen. Eine gefährlich Migrationsroute. Nun legt eine Recherche verschiedener Medien nahe, dass die europäische Grenzschutzagentur Frontex eng mit der libyschen Küstenwache zusammenarbeitet, um die Flüchtlinge von Europa fernzuhalten. Wie plausibel ist das? Das Gespräch mit dem Maghreb-Experten Beat Stauffer

Sea-Watch fördert die SEA-EYE 4

Sea Eye meldet am 29.04.2021:

Sea-Eye konnte den Umbau des neuen Rettungsschiffs SEA-EYE 4 kürzlich in Rostock abschließen und das Schiff ins Mittelmeer entsenden. Die durch die Corona-Pandemie verursachten Verzögerungen bei den Werftarbeiten führten im Zusammenspiel mit höheren Sicherheitsanforderungen zu steigenden Kosten für Sea-Eye. Nun zeigt die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch große Solidarität und erklärte sich bereit, Sea-Eye bei den Fertigstellungskosten der SEA-EYE 4 und darüber hinaus bei der langfristigen und nachhaltigen Stärkung der Strukturen mit 550.000 Euro zu unterstützen.

Gerade in Krisenzeiten müssen wir zusammenhalten und zeigen, was praktische Solidarität wirklich bedeutet. Weil Europa Menschen weiterhin im Mittelmeer ertrinken lässt und zivile Rettungskräfte am Retten hindert, müssen wir dafür sorgen, alle Rettungskräfte im Mittelmeer zu mobilisieren. Mit der Sea-Eye 4 startet ein weiteres Schiff der Solidarität in den Einsatz. Wir freuen uns, dass wir mit unseren Unterstüzer*innen einen Teil beitragen können, den Kampf um Menschenrechte im Mittelmeer gemeinsam fortzusetzen,“ Marlene Lippmann, Leitung Fundraising Sea-Watch.

Durch die große Solidarität unseres Bündnispartners Sea-Watch ist Sea-Eye wieder auf Kurs. Nun arbeiten wir mit enormer Konzentration weiter daran, genügend Spenden für den ganzjährigen Rettungsbetrieb einzuwerben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

UN: Mindestens 130 Menschen im Mittelmeer ertrunken

Das Migazin vom 26.04.2021 berichtet: Bei einem schweren Bootsunglück vor Libyens Küste sind den UN zufolge vermutlich 130 Flüchtlinge gestorben. Zudem fehle von einem weiteren Boot auf dem Mittelmeer mit etwa 40 Menschen an Bord jede Spur, teilte Safa Msehli, Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM), am Freitag in Genf mit.

Ein drittes Boot mit Migranten und Flüchtlingen sei von der Küstenwache Libyens abgefangen worden, die Menschen seien zurück in das nordafrikanische Land gebracht worden. „Die Menschlichkeit ist untergegangen“, erklärte sie per Twitter. Man lasse die Menschen im Meer ertrinken.

IOM übt scharfe Kritik an EU-Staaten

Die IOM-Sprecherin warf den europäischen Anrainerstaaten des Mittelmeers und Libyen vor, trotz der Notrufe nicht gehandelt zu haben. Die Staaten seien völkerrechtlich verpflichtet, Menschen in Seenot zur Hilfe zu kommen.

Auch SOS Méditerranée übte scharfe an den europäischen Staaten, die ihre Verantwortung, Such- und Rettungsaktionen zu koordinieren, ignorierten. „Sie überlassen es privaten Akteuren und der Zivilgesellschaft, das von ihnen geschaffene, tödliche Vakuum zu füllen“, sagte sagt Luisa Albera von SOS Méditerranée.

„Das war politisch gewolltes Sterben“

Das Seenotrettungsbündnis Seebrücke erklärte, die europäischen und libyschen Behörden seien durch den Notruf der Organisation Alarm Phone genauso benachrichtigt worden wie die „Ocean Viking“, und die EU-Grenzschutzagentur Frontex habe das Boot aus der Luft gesichtet. „Dies war kein Unfall, sondern ein politisch gewolltes Sterben.“ Bei der Rückführung des dritten Bootes nach Libyen seien eine Frau und ein Kind gestorben.

Laut IOM starben von Januar bis vergangenen Mittwoch, also bis vor den jüngsten Tragödien, in diesem Jahr 523 Migranten und Flüchtlinge auf dem Mittelmeer. Im Vergleichszeitraum 2020 seien 408 Todesfälle erfasst worden. Die Menschen stammen aus Afrika und Asien und wollen Gewalt und Armut in ihren Heimatländern entkommen. Sie streben ein besseres Leben in Europa an. Die IOM gehört zu den Vereinten Nationen und hat ihren Hauptsitz in Genf. (epd/mig)

130 Menschen ertrinken vor Libyens Küste

Sea Watch berichtet am 23.04.2021:

Vor wenigen Minuten brach die Sea-Watch 4 in ihren nächsten Einsatz ins Such- und Rettungsgebiet vor Libyen auf. Dass wir mehr denn je gebraucht werden, zeigt nicht zuletzt das tragische Ereignis von gestern: Bei einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste ertranken ungefähr 130 Menschen. Diese Menschen hätten eine Chance auf Rettung gehabt, wenn die EU-Staaten und ihre Behörden zivile Seenotrettung nicht systematisch kriminalisieren würden.

Anfang März hob das Verwaltungsgericht in Palermo die 6-monatige Blockade der Sea-Watch 4 vorläufig auf, die unter anderem auf den fadenscheinigen Gründen basierte, dass das Schiff zu viele Rettungswesten an Bord habe sowie dass das Abwassersystem nicht für die Anzahl möglicher geretteter Personen ausgelegt sei. Die willkürliche Blockade der Sea-Watch 4 reiht sich ein in Europas Strategie im Umgang mit Flüchtenden und Migration: Abschottung wird über Menschenrechte gestellt und die tödlichen Konsequenzen der Blockadepolitik billigend in Kauf genommen. Über 1000 Menschen sind seit der Festsetzung der Sea-Watch 4 im September im zentralen Mittelmeer ertrunken. Tausende wurden völkerrechtswidrig im Auftrag Europas von der sogenannten Libyschen Küstenwache zurück in Folter und Elend geschleppt. 

Die Sea-Watch 4 beim Verlassen des Hafens                                                                    Foto: Jonathan Bert
Erst gestern ertranken Schätzungen zufolge 130 Menschen bei einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste. Obwohl die Koordinaten des Bootes bekannt waren und ein Flugzeug der europäischen Grenzschutzagentur FRONTEX das Boot sichtete, wurde keine Rettung eingeleitet. Die europäischen Behörden verwiesen stattdessen auf die sogenannte Libysche Küstenwache, die sich jedoch weigerte, eine Rettungsaktion zu starten oder zu koordinieren. Später konnte die Besatzung der Ocean Viking der Organisation SOS MEDITERRANEE nach Ankunft am Unglücksort nur noch mehrere tote Körper im Wasser bezeugen. Aufgrund der gestrigen Ereignisse und in Trauer um die Ertrunkenen verließ die Sea-Watch 4 den spanischen Hafen heute mit den Flaggen auf Halbmast.

Keine 24 Stunden vor dem Schiffsunglück hatte der Bundestag die deutsche Beteiligung an der EU-Mission IRINI im zentralen Mittelmeer für zwei weitere Jahre verlängert. Zentraler Bestandteil von IRINI ist die Fortsetzung der Ausbildung und Finanzierung der sogenannten Libyschen Küstenwache. Diese Entscheidung ist ein im deutschen Bundestag beschlossener Völkerrechtsbruch und besiegelt das Schicksal tausender Flüchtenden,  die aufgrund dieser tödlichen EU-Grenzpolitik in den nächsten zwei Jahren vor den Toren Europas ertrinken werden!

Rostock übernimmt Patenschaft für die SEA-EYE 4

Sea Eye berichtet am 22.04.2021: Pressemitteilung der Rostocker Fraktionen SPD, DIE LINKE.PARTEI und Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Die Rostocker Bürgerschaft hat sich auf ihrer Sitzung am 21.04.2021 mehrheitlich dafür ausgesprochen, eine Patenschaft für das Seenotrettungsschiff Sea-Eye 4 zu übernehmen. Ab 2022 stellt die Hanse- und Universitätsstadt Rostock dafür jährlich 7.000 € zur Verfügung. Nach zwei Jahren erfolgt eine Evaluierung der Patenschaft.

Die Vorsitzenden der antragstellenden Fraktionen, Dr. Steffen Wandschneider Kastell (SPD), Eva-Maria Kröger (DIE LINKE.PARTEI) und Uwe Flachsmeyer (Bündnis90/Die Grünen) erklären: „Menschen vor dem Ertrinken zu retten, ist ein Gebot der Menschlichkeit! Jeder Mensch, der mal zu See gefahren ist, weiß, wie gefährlich es auf dem offenen Meer werden kann. Durch den Einsatz von Rettungsorganisationen wie Sea-Eye können Menschleben gerettet werden. Die Arbeit der Seenotretter*innen verdient unsere Wertschätzung. Diese wollen wir durch eine finanzielle Zuwendung der Stadt verdeutlichen.

Der Vertreter der Hilfsorganisation Sea-Eye e. V., Kim-Jesko Tamm, zeigt sich erfreut über den gefassten Beschluss und erklärt: „Es freut uns, dass Rostock unsere Arbeit durch eine Patenschaft unterstützen wird. Neben ihr gehören auch Städte wie Greifswald und Konstanz oder auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland zu unseren Partner*innen. Neben der finanziellen Hilfe hoffen wir auch darauf, dass unsere Organisation und Arbeit noch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und Unterstützung erfahren. Wenn andere Gemeinden dem Beispiel Rostocks folgen, können wir unsere Arbeit längerfristig und sicher planen.

Der Oberbürgermeister Rostocks, Claus Ruhe Madsen, sieht in der Annahme des Antrags eine Bekräftigung der bisherigen Aktivitäten der Stadt Rostock im Bereich der zivilen Seenotrettung: „Seit zwei Jahren ist Rostock Mitglied im Bündnis ‚Städte Sicherer Häfen‘. Die Patenschaft für die Sea-Eye 4 zeigt, dass dies nicht nur Worte sind, sondern dass wir die zivile Seenotrettung auch mit Taten unterstützen. Und natürlich freut es uns sehr, dass die Sea-Eye 4 in Rostock getauft wurde und auf einer Rostocker Werft für ihren Einsatz vorbereitet wurde.
 
Dr. Steffen Wandschneider-Kastell, Eva-Maria Kröger und Uwe Flachsmeyer
Fraktionsvorsitzende

Weniger Flüchtlinge in der EU angekommen

Das Migazin berichtet am 20.04.2021: Zuletzt haben wieder mehr Flüchtlinge eine Überfahrt über das zentrale Mittelmeer in die EU unternommen. Von Januar bis März wurden auf der Route zwischen Nordafrika und Italien und Malta rund 8.450 Grenzübertritte gezählt, was einer Steigerung um 122 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres entspreche, erklärte die EU-Grenz- und Küstenwachagentur Frontex am Montag in Warschau.

Insgesamt liege die Zahl der Grenzübertritte in die EU im ersten Quartal mit etwa 24.000 aber um sieben Prozent unter der des Vorjahres, so Frontex unter Verweis auf vorläufige Daten. Stark sanken die Zahlen demnach im östlichen Mittelmeer, nämlich um rund 71 Prozent auf etwa 3.300 für das erste Quartal.

An der EU-Grenze zu den westlichen Balkanländern wurden rund 6.000 und damit etwa ebensoviele Grenzübertritte wie im Vorjahr gezählt. Im westlichen Mittelmeer waren es mit rund 2.600 laut Frontex zwölf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf der Route von Afrika zu den spanischen Kanaren wurden dagegen 3.300 illegale Grenzübertritte und damit mehr als doppelt so viele wie im ersten Quartal 2020 gezählt. (epd/mig)

Sea-Eye und United4Rescue senden die SEA-EYE 4 ins Mittelmeer

Sea Eye berichtet am 17.04.2021:

Das neue Rettungsschiff SEA-EYE 4 hat am Samstagvormittag, 17.04.2021, seinen Rostocker Werfthafen verlassen und ist zur Überfahrt ins Mittelmeer aufgebrochen. Sechs Monate lang wurde das Rettungsschiff von rund 250 ehrenamtlichen Helfer*innen umgebaut und für den ersten Einsatz vorbereitet. Vor wenigen Tagen erhielt die SEA-EYE 4 die deutsche Flagge und die deutsche Flaggenstaatsverwaltung gab grünes Licht für den Betrieb. Die Ankunft der SEA-EYE 4 in Spanien ist für Ende April geplant, von dort aus wird sie dann so schnell wie möglich in den ersten Rettungseinsatz aufbrechen.

Seit vielen Jahren sterben Menschen im Mittelmeer. 2021 sind es bereits mindestens 406 Tote. Der Aufbruch der SEA-EYE 4 ist ein wichtiges Signal eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses an die EU-Mitgliedstaaten. Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen, um die Zahl der Asylanträge in Europa zu reduzieren und andere von der Flucht abzuschrecken, ist menschenverachtend. Diese verantwortungslose Politik findet in der Zivilgesellschaft keinen Rückhalt. United4Rescue mit 744 Bündnispartnern, die evangelische und katholische Kirche und tausende Spender*innen haben dies heute erneut deutlich gemacht“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Kauf und Umbau des Rettungsschiffs wurden maßgeblich von United4Rescue, dem Bündnis für die zivile Seenotrettung, ermöglicht und auch ein großer Teil der Missionskosten werden vom Bündnis getragen. Die Überfahrt der SEA-EYE 4 ins Mittelmeer wird durch Zuwendungen der katholischen (Erz-)Bistümer München und Freising, Paderborn und Trier finanziert.

Die Bauweise des ehemaligen Offshore-Versorgungsschiffes ist sehr gut für Seenotrettungseinsätze geeignet und bietet viel Platz für die Erstversorgung geretteter Menschen. Die Krankenstation verfügt über einen modernen Standard und ist auch auf Corona-Patient*innen vorbereitet.

Zur Durchführung von Rettungseinsätzen verfügt die SEA-EYE 4 über zwei Kräne, die die zwei Einsatzboote sicher und schnell zu Wasser lassen können. Im Einsatzfall nähern sich die Einsatzboote den Menschen in Seenot, verteilen Rettungswesten und evakuieren die hochseeuntauglichen Boote.

Die SEA-EYE 4 (Baujahr 1972) ist 53 m lang, 11,5 m breit, hat eine Höchstgeschwindigkeit von 10,5 Knoten und wird ihre Einsätze mit bis zu 26 Crewmitgliedern durchführen.

Mindestens 21 weitere Tote bei Flüchtlingsunglück im Mittelmeer

Das Migazin berichtet am 19.04.2021: UN fordern verstärkten Einsatz zur Seenotrettung von Flüchtlingen und mit einem Anstieg der gefährlichen Überfahrten. Derweil startete das neue Rettungsschiff „Sea-Eye 4“ seine Überführungsfahrt ins Mittelmeer.

Bei einem Bootsunglück sind vor der tunesischen Küste mindestens 21 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Die tunesische Küstenwache barg nach Angaben des italienischen Rundfunks mit Hilfe von zwei Fischkuttern die Leichen und rettete drei Überlebende aus Guinea und der Elfenbeinküste. Die Suche nach weiteren Überlebenden an der Unglücksstelle in der Nähe der Küstenstadt Sfax dauere an, hieß es am Freitag unter Berufung auf den tunesischen Radiosender „Mosaique FM“.

Vor rund einem Monat waren bei einem Bootsunglück in der Nähe von Sfax 39 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Ziel der von Tunesien aus startenden Flüchtlinge ist meist die zwischen Sizilien und Tunesien gelegene italienische Insel Lampedusa.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, fordert verstärkte Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Rettung von Flüchtlingen aus Seenot. Anlässlich von Gesprächen mit italienischen Regierungsvertretern würdigte er am Freitag in Rom private Seenotretter. „Ich lehne den Versuch, den Einsatz von Nichtregierungsorganisationen zu kriminalisieren, entschieden ab“, sagte er mit Blick auf die wiederholte Festsetzung von Seenotrettungsschiffen in Italien.

Hilfe für in Seenot geratene Flüchtlinge erhöhe nicht die Zahl der Migranten, sondern rette Menschen, die andernfalls ums Leben kämen, betonte Grandi. Die italienischen Behörden werfen den Betreibern der Schiffe Sicherheitsmängel und Zusammenarbeit mit Schleusern vor.

Derweil hat das neue Rettungsschiff „Sea-Eye 4“ am Samstag den Rostocker Hafen zu seiner Überführungsfahrt ins Mittelmeer verlassen. Die Ankunft in Spanien sei für Ende April geplant, von dort aus solle es so schnell wie möglich in den ersten Rettungseinsatz aufbrechen, teilte die Hilfsorganisation Sea-Eye mit. Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff wurde sechs Monate lang in Rostock von rund 250 ehrenamtlichen Helfern umgebaut. Vor wenigen Tagen habe die „Sea-Eye 4“ die deutsche Flagge erhalten.

Palermo, 2018 M. Stricker

Neues Flüchtlingsrettungsschiff „Rise Above“ getauft

Das Migazin vom 12.04.2021 berichtet: Ein neues Flüchtlingsschiff des Dresdner Vereins Mission Lifeline soll künftig Flüchtlinge im Mittelmeer retten. Der sächsische Landesbischof Tobias Bilz taufte am Freitag im schleswig-holsteinischen Elbhafen von Wewelsfleth die „Rise Above“. Der Verein hatte das ehemalige Torpedofangboot der Bundesmarine Ende 2019 erworben und baut es seitdem in Wewelsfleth zu einem Rettungsschiff um. Die Kosten belaufen sich nach Vereinsangaben auf rund 600.000 Euro und werden aus Spenden gedeckt. In den nächsten Wochen soll die „Rise Above“ ins Mittelmeer überführt werden, wo sie vor der nordafrikanischen Küste ihren ersten Einsatz beginnt.

Es sei ein Gebot der Nächstenliebe, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, sagte der evangelische Bischof. Er unterstütze die lebensrettende Arbeit von Mission Lifeline, und ihn beeindrucke der hohe persönliche Einsatz der Crew. „Die zivile Seenotrettung übernimmt stellvertretend Aufgaben, die dringend einer politischen Lösung bedürfen“, sagte Bilz. Er sei stolz darauf, dass ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen von Sachsen aus losgeschickt werde.

In etwa vier Wochen werde die „Rise Above“ ihre Fahrt beginnen, sagte Vereinsvorstand Axel Steier. Auf dem Weg nach Helgoland erfolge der Praxistest. Dann werde das Schiff Richtung Mittelmeer starten. Die zehn Mitglieder der Crew arbeiten ehrenamtlich. Das 25 Meter lange Schiff hat eine Krankenstation an Bord. Es kann zahlreiche Flüchtlinge aufnehmen und verfügt über aufblasbare Rettungsinseln. Mit 18 Knoten (rund 33 km/h) sei die „Rise Above“ schneller als andere Rettungsschiffe und könne auch mit der libyschen Küstenwache mithalten, sagte Steier.