Zustände in Libyen

Sea-Eye berichtet am 24.06.2022: „Ich wurde in Libyen vier Monate lang ins Gefängnis gesteckt, nachdem ich zum ersten Mal versucht hatte, das Mittelmeer zu überqueren. Sie gaben mir ein Stück Brot am Morgen und eines am Abend, das war alles, was wir essen konnten. Danach bin ich geflohen und habe erneut versucht, überzusetzen. Ihr habt mich gerettet. In der Elfenbeinküste gibt es nicht für alle Arbeit und meine ganze Familie ist arbeitslos. Sie waren froh, dass ich mich auf den Weg gemacht habe, um nach Europa zu kommen, ich bin ihre einzige Hoffnung“, berichtete ein 17-Jähriger unserer Crew.

Die Hoffnung einer gesamten Familie ruht auf den Schultern eines Jugendlichen, der in Libyen durch die Hölle gehen musste. Berichte wie diese hat die Crew viele an Bord gehört.

Inzwischen konnten alle Menschen in Messina auf Sizilien das Schiff verlassen. Dass sie ihre Flucht überlebt haben, ist nicht selbstverständlich. So war eins der Boote, dass die SEA-EYE 4 retten konnte, bereits am Sinken, als wir eintrafen.

76 Menschen aus sinkendem Schlauchboot gerettet

Sea-Eye berichtet am 16.06.2022: Nachdem die SEA-EYE 4 bereits in drei Rettungseinsätzen 416 Menschen gerettet hatte, wurde dem Rettungsschiff am Mittwochabend, den 16.06.2022, erneut ein Seenotfall gemeldet. Die Organisation Alarm Phone berichtete den Behörden bereits im ersten Notruf, dass das Schlauchboot beschädigt sei, Wasser eindränge und die Menschen um Hilfe riefen. Als die SEA-EYE 4 den Unglücksort erreichte, war in den Schläuchen kaum noch Luft. Mit Lichtern versuchten die Menschen bei Nacht auf sich aufmerksam zu machen.

Die Menschen hatten großes Glück, dass die SEA-EYE 4 zum Zeitpunkt des Notrufs weniger als drei Stunden entfernt war und dass sie bei Nacht noch rechtzeitig gefunden worden sind, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V. Der schwierige Rettungseinsatz zog sich bis Mitternacht hin. Die Einsatzboote brachten 76 Menschen auf die SEA-EYE 4.

Sehr viele der in der Nacht geretteten Menschen, haben Verätzungen und müssen deshalb im Bordhospital der SEA-EYE 4 behandelt werden. Denn wenn in den Schlauchbooten Kraftstoff ausläuft und sich mit Meerwasser mischt, entsteht ein chemisches Gemisch, das die Haut sehr stark verätzt. Die Geretteten leiden außerdem an Unterkühlung, Dehydrierung und schwerer Erschöpfung. 

Die SEA-EYE 4 ist nun mit 492 geretteten Menschen auf der Suche nach einem sicheren Hafen. „Die zivilen Hilfsorganisationen Sea-Eye und Alarm Phone haben heute Nacht ein schweres Unglück verhindert. Von staatlichen Akteuren gab es erneut keine Reaktionen. Die sogenannte libysche Küstenwache reagierte überhaupt nicht und das ist kein Einzelfall. Genau deshalb sind nun erneut so viele Überlebende auf der SEA-EYE 4, für die wir nun ganz dringend einen sicheren Ort zur Ausschiffung benötigen. Dieser Ort kann nach internationalem Recht nur in Europa liegen“, so Isler.

Sogenannte libysche Küstenwache behindert Rettungsaktionen und entführt Menschen zurück nach Libyen

Sea Eye berichtet am 15.06.2022: Die Crew der SEA-EYE 4 hat in zwei Tagen bei drei Einsätzen 416 Menschen aus Seenot gerettet. Am vergangenen Montagnachmittag, dem 13. Juni, kam das Rettungsschiff 63 Menschen, darunter 30 Minderjährige und ein Baby, zur Hilfe, als diese mit ihrem Schlauchboot auf der Flucht über das Mittelmeer in Seenot geraten waren. Am heutigen Mittwochmorgen, dem 15 Juni, erreichte die Crew ein großes, stark überfülltes Holzboot. Viele der Insassen waren unter Deck zusammengedrängt. Die Crew evakuierte das Holzboot und brachte alle 290 Menschen, darunter 19 Minderjährige, sicher an Bord der SEA-EYE 4. Am Mittwochnachmittag fand die Crew ein weiteres Schlauchboot und rettete 63 Menschen, darunter 13 Minderjährige.

Während der Rettung am Mittwochmorgen war die sogenannte libysche Küstenwache zugegen und beobachtete den Rettungseinsatz. Als dieser abgeschlossen war, näherte sich die sogenannte libysche Küstenwache und schleppte das Holzboot ab.

Ein Rekordversuch mit politischer Botschaft

Das Migazin berichtet am 15.06.2022: Der tunesische Ausnahmeschwimmer Nejib Belhedi hat vor, einen neuen Rekord aufzustellen. Der 70-Jährige will ohne Pause 155 Kilometer von Italien nach Tunesien durchschwimmen. Für diese Richtung hat er sich bewusst entschieden. Seine Zielgruppe: die Jugend seines Landes.

80 Stunden ohne Pause, 155 Kilometer Mittelmeer. Nejib Belhedi will in etwas mehr als drei Tagen von der italienischen Insel Pantelleria nach Hammamet in Tunesien schwimmen. An diesem Mittwoch startet der 70-Jährige seinen neuen Rekordversuch. Ganz bewusst hat er sich für diese Richtung entschieden und nicht etwa umgekehrt. Denn er hat eine Botschaft: „Die Energie, die Ihr darauf verschwendet, nach Europa zu gelangen, die solltet Ihr dafür verwenden, euch hier eine Zukunft aufzubauen.“

Zahl der toten und vermissten Bootsflüchtlinge stark gestiegen

Das Migazin berichtet am 12.06.2022: Die Zahl der Bootsflüchtlinge, die im Mittelmeer und im Nordwestatlantik ums Leben gekommen sind, ist nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im vergangenen Jahr seien im Mittelmeer und im Nordwestatlantik 3.231 Tote oder Vermisste registriert worden, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf mit. Im Jahr 2020 seien es noch 1.881 Tote und Vermisste gewesen, im Jahr davor 1.510.

Seit Beginn des laufenden Jahres sind laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bislang 817 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt.

Über 300 Personen gerettet

Sea Watch berichtet am 09.06.2022: Nach aufreibenden Tagen hat die Sea-Watch 3 endlich einen sicheren Hafen! 344 Gerettete können jetzt an Land. Während wir unendlich dankbar sind, dass ein herausfordernder Einsatz nun zu Ende geht, erleben wir gleichzeitig eine weitere perfide Attacke der libyschen Behörden auf unsere zivile Luftaufklärungsmission.

Das Ziel dahinter ist klar: Sie wollen verhindern, dass wir innerhalb der libyschen Such- und Rettungszone Einsätze mit unseren Flugzeugen fliegen. Sie wollen verhindern, dass wir aus der Luft dokumentieren, wie täglich Menschen brutal und völkerrechtswidrig nach Libyen verschleppt werden. Sie wollen verhindern, dass wir zivile Rettungsschiffe aus der Luft unterstützen. Sie wollen verhindern, dass die europäische Zivilgesellschaft mitbekommt, was an der tödlichen EU-Außengrenze vor sich geht.

Freisprüche nd Hoffnung für kriminalisierte Migrant:innen

Das Migazin vom 08.06.2022 berichtet: Am 26. Mai 2022 wurde der Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einreise gegen den Priester Mussie Zerai fallen gelassen, nachdem fünf Jahre lang in Italien gegen ihn ermittelt wurde. Zerai, der selbst als Jugendlicher aus Eritrea flüchtete, ist seit Jahrzehnten daran beteiligt, Flüchtende in lebensbedrohlichen Situationen auf See oder in Gefängnissen und Haftlagern zu unterstützen. Dafür wurde er sogar im Jahr 2015 für den Friedensnobelpreis nominiert und erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Luzern. Sein Einsatz inspirierte außerdem die Gründung des Alarmphones, einer Notrufnummer für Flüchtende in Seenot.

Dass wegen dieser Arbeit fünf Jahre lang gegen Zerai ermittelt wurde, erscheint wie eine grausame Verdrehung der viel zitierten europäischen Werte. Es ist jedoch bei Weitem kein Einzelfall. Die EU versucht mit allen Mitteln, unerwünschte Migrant:innen fernzuhalten, sei es durch Zäune und Mauern wie in Ungarn und Griechenland, durch brutale Pushbacks in den spanischen Exklaven und vor Malta, oder durch Abkommen mit afrikanischen Diktatoren, die stellvertretend die Grenzen der EU immer weiter nach Süden schieben.

Die Kriminalisierung und harte Urteile gegen Flüchtende sind ein weiteres Instrument, mit dem die EU versucht, Schutzsuchende abzuschrecken. Mit dem Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einreise oder des Menschenhandels werden Flüchtende systematisch verhaftet und verurteilt – in Italien waren es zwischen 2018 und 2019 eine pro 100 ankommenden Personen. Sie müssen als Sündenböcke herhalten für Leiden, Gewalt und Tod, die durch die Abschottung Europas gegen Schutzsuchende erst entstehen.

Zahl der Notrufe bei AlarmPhone nimmt im gesamten Mittelmeerraum zu

Sea Eye berichtet am 05.06.2022: Von Januar bis Ende Mai 2022 hat die Organisation AlarmPhone bereits 339 Notrufe von Menschen in akuter Lebensgefahr auf See erhalten. Im Vergleichszeitraum 2021 waren es 286 Notrufe. In 2020 waren es 225. (Quelle: AlarmPhone)
Über 700 Menschen sind laut IOM in diesem Jahr im Mittelmeer ums Leben gekommen. In den Sommermonaten versuchten in den letzten Jahren besonders viele Menschen dem Bürgerkrieg in Libyen zu entkommen. Denn in diesen Monaten gibt es deutlich weniger Schlechtwetter-Phasen.

75 Menschen geholfen – Völkerrechtswidrige Rückführung verhindert


ResqShip meldet am 02.06.2022: Am 22.05.2022 bewahrte die Crew der Nadir im zentralen Mittelmeer 75 Menschen vor dem Ertrinken und vor der Rückführung in das Bürgerkriegsland Libyen. 74 Menschen hatte die Nadir zuvor in einem seeuntüchtigen Schlauchboot gefunden. Als die Crew um Skipper Friedhold Ulonska die Erstversorgung dieser Menschen übernommen hatte, näherte sich die sogenannte libysche Küstenwache, die bereits weitere Flüchtende an Bord hatte. Eine Person sprang vom libyschen Schiff und wurde umgehend vom Beiboot der Nadir gerettet. Alle 75 Menschen nahm später das Rettungsschiff Ocean Viking an Bord. (hier der ausführliche Bericht)

„Ocean Viking“ rettet 158 Flüchtlinge aus Seenot

Das MIgazin berichtet am 21.05.2022: Das Rettungsschiff „Ocean Viking“ hat am Donnerstag 158 Geflüchtete im Mittelmeer an Bord genommen. Die Menschen seien von zwei seeuntauglichen und überladenen Schlauchbooten in der libyschen Rettungszone gerettet worden, teilte die Organisation SOS Méditerranée, die das Schiff betreibt, am Donnerstag mit. Ein Verletzter habe per Trage evakuiert werden müssen, sechs Gerettete seien schwanger. Auch ein drei Monate altes Baby und mehrere Kinder seien auf den Schlauchbooten gewesen.

Auf dem Mittelmeer gibt es keine staatlich organisierte Seenotrettungsmission. Lediglich die Schiffe privater Organisationen halten Ausschau nach in Not geratenen Flüchtlingen und Migranten. Immer wieder müssen sie nach dem Abschluss von Rettungen tagelang auf See ausharren, bis sie einen europäischen Hafen anlaufen dürfen.

21 Seenotretter*innen angeklagt – deutschlandweiter Aktionstag zur Solidarisierung

Sea-Eye berichtet am 20.05.2022: Anlässlich der Vorverhandlung veröffentlichen Sea-Eye, German Doctors, Refugee Rescue und United4Rescue, die als Partnerorganisationen mit dem Rettungsschiff SEA-EYE 4 Seenotrettung betreiben, ein gemeinsames Statement.
 
Gemeinsames Statement:
21 Seenotretter*innen sind angeklagt, weil sie Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben. Dieser Satz darf niemals zur Normalität werden, er muss uns immer tief im Herzen weh tun, denn sonst verlieren wir nicht weniger als das Menschenrecht auf Leben.

Bei der Vorverhandlung am 21. Mai 2022 sitzen die Seenotretter*innen zur Abschreckung auf der Anklagebank, denn in Trapani geht es nicht um „Beihilfe zu illegaler Migration“. Der gesamte Prozess mit seinem 5-jährigen Ermittlungsverfahren verfolgt nur ein Ziel: Abschreckung. Seeleute sollen es sich zweimal überlegen, ob sie flüchtende Menschen aus Seenot retten.

Nachdem die EU-Mitgliedsstaaten 2015 ihre Seenotrettung im Mittelmeer eingestellt hatten, begannen sie, die lebensrettende Arbeit der Seenotrettungsorganisationen zu blockieren oder zu behindern. So wurden Rettungsschiffe festgesetzt und die Ausschiffung von geretteten Menschen verzögert oder verwehrt. Dass europäische Rettungsleitstellen Notrufe von Menschen in Seenot ignorieren und ihre Pflicht zur Koordinierung von Rettungsmaßnahmen verweigern, ist traurige Realität geworden.

All diese Maßnahmen sind Bestandteile einer grausamen Abschottungspolitik, die sich nicht scheut, Seenotretter*innen zu kriminalisieren und anzuklagen. Den 21 Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 15.000 € pro gerettete Person.

Dieser menschenverachtenden Abschreckungspolitik stellen sich Sea-Eye, German Doctors, Refugee Rescue und United4Rescue entschieden entgegen und fordern die sofortige Einstellung der Verfahren gegen die angeklagten Seenotretter*innen.

Doch nicht nur Seenotretter*innen finden sich auf europäischen Anklagebänken. Immer wieder werden auch flüchtende Menschen in Italien, Griechenland und anderen EU-Ländern der „Beihilfe zur illegalen Migration“ beschuldigt. Allein in Italien wurden seit 2013 mindestens 2.500 Menschen inhaftiert.

Daher fordern wir, dass die inhaftierten Geflüchteten freigelassen werden und die EU-Mitgliedsstaaten ihren menschenfeindlichen Kurs der Abschottung und Abschreckung sofort beenden. Die EU muss Menschen auf der Flucht endlich unterstützen und schützen, statt sie zu kriminalisieren und in überfüllte Lager einzusperren.

Um das Sterben im Mittelmeer endlich zu beenden, fordern Sea-Eye, German Doctors, Refugee Rescue und United4Rescue, ein europäisches Seenotrettungsprogramm einzuführen sowie legale und sichere Fluchtwege zu schaffen.
 
Sea-Eye, German Doctors, Refugee Rescue, und United4Rescue

Iuventa Crew droht 20 Jahre Haft

Das Migazin berichtet am 19.05.2022: Nach einer Reihe von Anklagen, die in den letzten Jahren gegen Seenotretter:innen erhoben und sämtlich fallen gelassen rden, steht nun der letzte noch offene Prozess an. Am Samstag beginnt die Anhörung im Prozess gegen die Iuventa Crew und 17 weitere Angeklagte von Médecins sans frontières und Saving Children. Durch ihren Einsatz auf See waren die Crewmitglieder an der Rettung von über 14.000 Menschen aus Seenot im Mittelmeer beteiligt. Jetzt wird ihnen vorgeworfen, durch die Zusammenarbeit mit libyschen Schleppern die illegale Einreise von Flüchtenden nach Italien ermöglicht zu haben.

Kathrin Schmidt, Dariush Beigui, Sascha Girke und Uli Tröder sind die vier angeklagten Crewmitglieder der Iuventa. Im Zuge der Anhörung, die mehrere Monate dauern kann, entscheidet der Richter, ob es überhaupt zu einer Hauptverhandlung kommen wird. Im Fall einer Verurteilung drohen den Retter:innen bis zu 20 Jahre Haft.

Nur ein paar Hundert Meter vom Gerichtsgebäude in Trapani entfernt, liegt die ‚Iuventa‘, das Rettungsschiff, im Hafen und verrostet langsam. Allein die Beschlagnahmung des Schiffes, so werfen die Crewmitglieder der zuständigen Staatsanwaltschaft vor, koste jeden Tag Menschenleben, solange die Seenotrettung nicht staatlich organisiert werde. „Für uns ist es ein Verbrechen, Menschen zum Tode zu verurteilen, indem man keine Hilfe auf See leistet“, kritisiert Kathrin Schmidt, eines der angeklagten Crew-Mitglieder bei einer Pressekonferenz.

58 Gerettete der SEA-EYE 4 gehen in Pozzallo an Land

Sea Eye bdrichtet am 15.05.2022: Am Sonntag (15.05.22) lief die SEA-EYE 4 in den Hafen von Pozzallo ein und alle 58 geretteten Menschen durften das Rettungsschiff verlassen. Für die Crew endete damit eine Rettungsmission, bei der sie mehrmals beobachtet hat, wie Malta seine Pflicht zur Koordinierung von Seenotfällen nicht erfüllte.

Am 24.04.22 ließ Malta einen Notruf von ca. 50 Menschen in seiner Such- und Rettungszone unbeantwortet, so dass schließlich die italienische Küstenwache den in Seenot geratenen Menschen zur Hilfe kam.

Am 06.05.22 wurde ein Seenotfall gemeldet, den das Containerschiff BERLIN EXPRESS zuerst erreichte. Da Malta sich weigerte den Seenotfall in seiner Such- und Rettungszone zu koordinieren, sprang schließlich das MRCC Bremen ein.

Von Mittwoch (11.05.22) bis Freitag (13.05.22) waren 34 Menschen in der maltesischen Such- und Rettungszone in Seenot, weil Malta trotz genauen Kenntnissen zu dem Fall, untätig blieb. Ein Handelsschiff, das das Boot gefunden hatte, wurde von der maltesischen Leitstelle angewiesen, Distanz zu wahren und zu beobachten. Weitere Maßnahmen ergriff Malta nicht. Schließlich konnte die SEA-EYE 4 die Menschen sicher an Bord nehmen. Der Kapitän des Handelsschiffs klagte, dass die maltesische Leitstelle teilweise nicht erreichbar gewesen sei.

Dass Malta ablehnt, Seenotfälle zu koordinieren und auf Anrufe oder E-Mails nicht reagiert, ist ein inakzeptabler Zustand. Die anhaltenden Pflichtverletzungen müssen zu juristischen und politischen Konsequenzen führen. Deshalb muss der Druck aus anderen EU-Mitgliedsstaaten größer und die Kritik lauter werden. Hier sehen wir insbesondere die Bundesregierung in der Pflicht, die ihren eigenen Verpflichtungen aus dem Koalitionsvertrag endlich gerecht werden und sich um das anhaltende Sterben im Mittelmeer kümmern muss. Bisher sind es nur leere Versprechungen“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Seenotretter retten 550 Flüchtlingen das Laben

Das Migazin berichtet am 13.05.2022: In zwei Einsätzen hat die Mannschaft der „Geo Barents“ weitere 111 Menschen aus Seenot gerettet. Die Männer, Frauen und Kinder seien auf Schlauchbooten im Mittelmeer unterwegs gewesen, erklärte die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die das Seenotrettungsschiff betreibt. Damit seien inzwischen 374 Gerettete an Bord.

Außer der „Geo Barents“ sind derzeit die „Sea-Eye 4“ und die „Sea-Watch 4“ auf dem Mittelmeer unterwegs, um nach in Seenot geratenen Flüchtlingen und Migranten Ausschau zu halten. Insgesamt haben diese beiden deutschen Schiffe bereits knapp 200 Überlebende an Bord.

Letzter Einsatz für „Sea-Watch 4“

Das Migazin vom 10.05.2022 berichtet: Die deutschen Schiffe „Sea-Watch 4“ und „Sea-Eye 4“ haben am Wochenende 122 weitere Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Am Sonntagabend seien 88 Flüchtlinge und Migranten auf die „Sea-Watch 4“ in Sicherheit gebracht worden, teilte die Betreiberorganisation Sea-Watch am Montag auf Twitter mit. Damit seien nun 145 gerettete Männer, Frauen und Kinder an Bord.

Für die „Sea-Watch 4“ dürfte der aktuelle Einsatz einer der letzten unter dem derzeitigen Namen sein. Ab August wird das Seenotrettungsschiff von SOS Humanity betrieben und sticht unter dem neuen Namen „Humanity 1“ in See, wie Sea-Watch und SOS Humanity am Montag bekanntgaben. Die „Sea-Watch 4“ ist ein ehemaliges deutsches Forschungsschiff, das vor zwei Jahren auf Initiative des Bündnisses United4Rescue erworben, umgebaut und in Betrieb gesetzt wurde. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte die breit angelegte Spendenkampagne unter dem Motto „Wir schicken ein Schiff“ initiiert. Inzwischen umfasst das Bündnis United4Rescue mehr als 800 Organisationen, Religionsgemeinschaften, Unternehmen und Initiativen.

„Die ‚Sea-Watch 4‘ ist ein Symbol zivilgesellschaftlichen Engagements, das viele Menschen bewegt und fast 1.700 Leben gerettet hat“, erklärte Sea-Watch-Vorsitzender Johannes Bayer: „Es ist für uns unglaublich wichtig, dass ihre Erfolgsgeschichte nicht nur im Mittelmeer, sondern auch als Bündnisschiff von United4Rescue weitergeführt wird.“ Sea-Watch werde mit dem Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ sowie mit den Aufklärungsflugzeugen „Seabird 1“ und „Seabird 2“ weiterhin im zentralen Mittelmeer aktiv sein.

SOS Humanity wurde als Organisation zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer 2015 in Berlin gegründet und war bis 2021 im Verbund von SOS Méditerranée aktiv, der aktuell die „Ocean Viking“ betreibt. Im Januar löste sich SOS Humanity von dem Verbund mit dem Ziel, der humanitären Krise im Mittelmeer noch stärker entgegenzutreten, und war auf der Suche nach einem eigenen Schiff.

Deutsche Behörden bitten SEA-EYE 4 bei der Rettung von 34 Menschen um Hilfe

Sea Eye berichtet am 09.05.2022: Am Freitagabend (06.05.2022) meldete die Organisation Alarm Phone einen Seenotfall in internationalen Gewässern nördlich von Benghazi. Das Containerschiff BERLIN EXPRESS von der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd war das erste Schiff am Unglücksort und fand ein kleines, überfülltes Holzboot mit 34 Menschen. Der Vorfall ereignete sich in der maltesischen Such- und Rettungszone. Die maltesische Rettungsleitstelle verletzte jedoch wiederholt ihre Koordinierungspflichten und verwies auf die Zuständigkeit des Flaggenstaates. Die BERLIN EXPRESS fährt unter deutscher Flagge und hat ihren Heimathafen in Hamburg.

Das Hamburger Containerschiff konnte aufgrund des Wetters und insbesondere wegen der Höhe des Freibords die Menschen nicht direkt retten, ohne deren Leben zusätzlich zu gefährden. Die Crew der BERLIN EXPRESS versorgte die Schutzsuchenden mit Lebensmitteln sowie Trinkwasser, ließ eine Rettungsinsel zu Wasser und blieb bis zu deren Rettung bei den 34 Menschen. Gegenüber Sea-Eye erklärte eine Mitarbeiterin von Hapag-Lloyd, dass ein Crewmitglied dabei verletzt wurde. Nach Rückkehr und Behandlung auf der BERLIN EXPRESS geht es dem Crewmitglied gut.

Die deutschen Behörden kontaktierten Sea-Eye’s Einsatzleitung am Samstagvormittag, um nach Lösungen für die schwierige Situation zu suchen. Die SEA-EYE 4 war zu diesem Zeitpunkt 40 Stunden vom Unglücksort entfernt. Am Samstagnachmittag kontaktierte die deutsche Rettungsleitstelle MRCC Bremen die SEA-EYE 4 und bat darum, der BERLIN EXPRESS Hilfe zu leisten. Die SEA-EYE 4 verließ daher ihr Einsatzgebiet östlich von Tripolis und nahm Kurs auf die Position der BERLIN EXPRESS.

Mehrere Handelsschiffe erreichten die BERLIN EXPRESS noch vor der SEA-EYE 4. Darunter auch die BSG BAHAMAS, die von der Hamburger CPO Containerschiffreederei GmbH & Co. KG gemanagt wird. Sonntagmittag gelang es der Besatzung der BSG BAHAMAS schließlich, die Rettung der 34 Menschen durchzuführen und auf die BSG BAHAMAS zu evakuieren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Menschen bereits vier Nächte auf See. „Die von uns gemanagte BSG Bahamas wurde auf dem Weg von Alexandria nach Tanger Med westlich von Malta von MRCC Bremen aufgefordert, an der Rettung von 34 Personen teilzunehmen. Unser Schiff erreichte die Position nach Einbruch der Dunkelheit, mit 7.20m Freibord und 2m Schwell wurde die umgehende Rettung als zu gefährlich für die zu Rettenden eingestuft. Nach Sonnenaufgang entschied unser Kapitän mit voller Unterstützung seitens der Reederei und enger Kooperation mit dem MRCC Bremen, mit seiner Besatzung die Menschen an Bord zu nehmen und zu versorgen. Bis auf zwei offensichtlich seekranke Personen geht es diesen nach bisherigen Erkenntnissen soweit gut. Wir danken unserem Kapitän und seiner Besatzung für die hervorragende Seemannschaft, Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung einer derartigen Rettungsaktion“, sagte Ortwin Mühr, Sprecher für die CPO Containerschiffreederei GmbH & Co. KG aus Hamburg.

Die BERLIN EXPRESS konnte ihre Fahrt daraufhin fortsetzen. „Unser Kapitän und seine Besatzung haben einen herausragenden Job gemacht und es stand von der ersten Minute an außer Frage, dass wir den Personen in Seenot so gut wir können helfen“, sagte Silke Muschitz, Head of Fleetmanagement bei Hapag-Lloyd. „Wir möchten uns ganz herzlich für die gute Unterstützung von Sea-Eye bedanken. Unsere Kapitäne waren im ständigen Austausch und die Situation hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit bei der Rettung von Personen in Seenot ist“, fügte Muschitz hinzu.

Am späten Sonntagnachmittag traf die SEA-EYE 4 auf die BSG BAHAMAS. Nachdem der Kapitän des Containerschiffes die SEA-EYE 4 um die Übernahme der Geretteten gebeten hatte, besuchte das gemeinsame medizinische Team von Sea-Eye und German Doctors die BSG BAHAMAS, um die Situation beurteilen zu können. Beide Schiffsleitungen waren sich darüber einig, dass die 34 Geretteten auf dem Rettungsschiff SEA-EYE 4 besser versorgt und medizinisch behandelt werden können, als auf einem Containerschiff. Deshalb übernahm die SEA-EYE 4 alle 34 Geretteten am frühen Sonntagabend. Die SEA-EYE 4 verfügt über ein trainiertes, medizinisches Team, ein Bordhospital, genügend Proviant und Schlafplätze für die 34 völlig erschöpften Überlebenden, die nun schon rund vier Tage auf See ausharren mussten.

Ohne die Besatzungen der BERLIN EXPRESS und der BSG BAHAMAS hätten die Menschen keine Chance gehabt, zu überleben. Sie wären verdurstet oder ertrunken“, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V. „Soweit hätte es nicht kommen dürfen. Der Seenotfall ereignete sich schließlich in der maltesischen Such- und Rettungszone. Erneut lehnte Malta die Verantwortung und Koordinierung ab, sodass die deutsche Rettungsleitstelle in Bremen gezwungen war, einen Seenotfall auf dem Mittelmeer zu koordinieren.

Gerettete an Bord der „Ocean Viking“ dürfen in Sizilien an Land

Das Migazin vom 06.05.2022 berichtet: Zehn Tage nach ihrer Rettung haben die Geflüchteten an Bord der „Ocean Viking“ die Erlaubnis erhalten, in Italien an Land zu gehen. Das Schiff dürfe die 294 Geretteten zum Hafen der sizilianischen Stadt Pozzallo bringen, teilte die Hilfsorganisation SOS Méditerranée, die das Schiff betreibt, am Mittwochabend mit. „Die Erleichterung ist riesig, aber wir wurden erneut Zeuge des Versagens der EU bei der Koordinierung der Ausschiffung.“

Derweil rettete die Besatzung der „Sea-Watch 4“ 57 Menschen im Mittelmeer, wie die gleichnamige Organisation ebenfalls am Mittwochabend mitteilte. Die Mittelmeer-Route gilt als eine der gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn dieses Jahres mindestens 644 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, weil die Fluchtroute nicht flächendeckend bewacht wird.

Für die Flüchtlinge ebenfalls belastend sind lange Verzögerungen bei der Zuweisung von Häfen für die Rettungsschiffe. Immer wieder müssen die Geretteten tagelang und unter schwierigen Bedingungen wie Hitze, raue See und Enge an Bord ausharren, bis eine Entscheidung fällt, wo sie an Land können. Die Besatzung der „Ocean Viking“ hatte am Mittwoch erklärt, die knapp 300 Kinder, Frauen und Männer seien erschöpft und bräuchten dringend Hilfe, die ihnen an Bord nicht gegeben werden könne. Viele Flüchtlinge sind von ihrer Flucht traumatisiert oder haben medizinische Probleme.

Libysche Küstenwache bedroht Rettungsschiff SEA-EYE 4

Sea Eye berichtet am 04.05.2022: Am frühen Mittwochmorgen (ca. 4 Uhr) bedrohte die sogenannte libysche Küstenwache das Rettungsschiff SEA-EYE 4 und forderte es dazu auf, „libysches Territorium“ zu verlassen. Die SEA-EYE 4 befand sich zu diesem Zeitpunkt jedoch in internationalen Gewässern, wo sich Schiffe laut internationalen Gesetzen frei bewegen dürfen. Das libysche Kriegsschiff mit der Kennzeichnung 660 umrundete die SEA-EYE 4 für 50 Minuten mit einem Abstand von etwa 500 Metern und wiederholte seine Drohungen mehrfach, um dann Richtung Westen abzudrehen.

Der Einsatzleiter der SEA-EYE 4 informierte die Seenotleitstelle in Rom und die deutschen Behörden über den Vorfall. Die sogenannte libysche Küstenwache hat in den vergangenen Jahren Rettungsschiffen mehrfach mit Gewaltanwendungen gedroht und sogar Warnschüsse abgegeben. Auch laufende Rettungseinsätze wurden von der sogenannten libyschen Küstenwache immer wieder gestört, in einigen Fällen sind dadurch Menschen ertrunken.

Umstrittenen Bundeswehr-Einsatz im Mittelmeer vor Libyen verlängert

Das Migazin berichtet am 02.05.2022: Die Bundeswehr beteiligt sich ein weiteres Jahr an der EU-Marinemission „Irini“ im Mittelmeer. Dabei ist die umstrittene Ausbildung der libyschen Küstenwache aber nicht mehr vorgesehen, wie aus der am Freitag vom Bundestag beschlossenen Mandatsverlängerung bis Ende April 2023 hervorgeht. Grund dafür ist nach Angaben der Bundesregierung wiederholtes inakzeptables und rechtswidriges Verhalten der Küstenwache gegenüber Flüchtlingen und Migranten sowie Nichtregierungsorganisationen, die bei der Seenotrettung helfen.

Weiterhin sollen bis zu 300 deutsche Soldaten bei der nach einer griechischen Friedensgöttin benannten Mission eingesetzt werden. Dabei geht es vor allem darum, mit Schiffen, Fluggerät und Satelliten das Waffenembargo gegen Libyen zu überwachen. Weitere Aufgaben der Mission sind die Verhinderung illegaler Ölausfuhren sowie die Bekämpfung von Schlepperkriminalität. Anders als bei der Vorgängermission „Sophia“ sieht der Auftrag von „Irini“ Seenotrettung nicht als eine festgelegte Aufgabe vor.

Seenotretter kritisieren den Beschluss des Bundestags als unzureichend. Er bleibe hinter den im Koalitionsvertrag formulierten Verbesserungen für Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer zurück. „Die libysche Küstenwache hat 2021 fast dreimal so viele Flüchtende auf See abgefangen wie 2020”, sagt Mirka Schäfer von der zivilen Seenotrettungsorganisation SOS Humanity. IOM-Angaben zufolge wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres mehr als 4.200 Menschen von der libyschen Küstenwache auf See abgefangen und nach Libyen zurückgebracht.

Männer, Frauen und Kinder werden auf dem Meer ausgesetzt

Das Bürger:innen-Komitee Frontex-Gesetz NEIN berichtet am 28.04.2022: Kurz vor der Abstimmung legen aufwendige Medien-Recherchen erstmals offen, wie tief die EU-Grenzschutzagentur Frontex darin verstrickt ist. Pushback-Vorwürfe sind ein zentrales Thema im Abstimmungskampf zur Frontex-Vorlage. Der Beitrag der SRF-Rundschau zeigt, wie Frontex in Pushbacks in der Ägäis involviert ist.
Journalist:innen sind auf eine geheime Datenbank gestossen. Sie beweist, dass Frontex in illegale Pushbacks von Tausenden Flüchtlingen in der Ägäis involviert war. Die Menschenrechtsverletzungen wurden in einer Datenbank festgehalten, aber falsch klassifiziert und so vertuscht, wie die Republik schreibt.