Flucht kennen keine Feiertage

Sea-Watch berichtet in ihrem Newsletter vom 12.04.2020: Die entschleunigenden Ostertage mögen sich friedlich anfühlen, doch auf dem zentralen Mittelmeer, unweit von Malta und Süditalien entfernt, spielt sich ein tragischer Thriller ab. Während uns die Hände gebunden sind und wir nicht mit unseren Schiffen Sea-Watch 3 und Sea-Watch 4 intervenieren können, versuchen wir von Land aus, Rettungsmaßnahmen einzufordern. Denn Krieg und Flucht kennen keine Feiertage.  

Seit Tagen verfolgen wir mehrere Seenotfälle, die dem Alarm Phone, einer Telefonhotline für Menschen in Seenot, gemeldet wurden. Wir wissen, dass auch Frontex, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, über die 250 Menschen in Seenot informiert ist, sie gar aus der Luft mit ihrem Flugzeug Eagle1 beobachtet hat. 

Heute in der Früh hat die Luftaufklärungsmission von Frontex erneut vier Boote gesichtet. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit um jene, die gestern dem Alarm Phone gemeldet wurden. Eins von ihnen ist über Nacht gekentert, trieb nur noch an der Oberfläche. Wir müssen annehmen, dass alle Menschen, die an Bord waren, ertrunken sind, da es keine Informationen über eine Rettung oder Rückführung gibt. Die Position und Notlage waren bekannt. Europa hat sie an Ostern ertrinken lassen. Wir befürchten, dass den verbleibenden offenen Seenotfällen ein ähnliches Schicksal droht, wenn Europa nicht endlich Verantwortung übernimmt und Rettungsschiffe schickt. Das Alarm Phone hat zuletzt alarmierende Neuigkeiten von einem der Boote erhalten: Nach mehreren Tagen ohne Wasser und Essen auf See verliere eines der Schlauchboote Luft, Wasser trete ein und mehrere Menschen seien bewusstlos. Doch sie müssen weiter verzweifelt auf Rettung warten.
Dies ist kein Einzelfall. Erst am Gründonnerstag erreichte das Alarm Phone ein Notruf von Geflüchteten auf einem Boot in Seenot unweit der maltesischen Küste: „Wir haben hier einen Notfall. Das maltesische Militär ist gekommen und hat ein Motorkabel durchtrennt. Wasser ist im Boot. Das maltesische Militär sagte: ‘Ich lasse euch im Wasser sterben. Niemand wird nach Malta kommen.’” Der Fall wurde von verschiedenen internationalen Medienhäusern und Politiker*innen aufgegriffen und sorgte für öffentliche Empörung. Erst dann wurden Rettungsmaßnahmen eingeleitet.
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