Verstößt die EU gegen Menschenrechte?

n-tv berichtet am 25.05.2021: Die Lage im Mittelmeer spitzt sich zu. Berichten zufolge sollen EU-Staaten Hilferufe von Flüchtlingen ignoriert und ihre Boote „koordiniert zurückgewiesen“ haben. Die UN zeigen sich alarmiert und prüfen mögliche Verletzungen von Menschenrechten.

Die Vereinten Nationen sind beunruhigt über die Flüchtlingspolitik der EU-Staaten im Mittelmeer nach Berichten, dass SOS-Rufe ignoriert und Hilfe gezielt verweigert werde. Die UN seien „zutiefst besorgt“, sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Rupert Colville.

Es gebe Berichte, wonach Flüchtlingsboote „koordiniert zurückgewiesen“ und Hilferufe an Seenot-Rettungsstellen „nicht beantwortet oder ignoriert“ würden. Dies stelle eine klare Gefährdung von Menschenleben dar. Sollten sich diese Berichte bestätigen, stelle sich die Frage nach der Respektierung der Menschenrechte durch die betroffenen Länder, sagte Colville.

Er kritisierte zudem, dass Malta Handelsschiffe aufgefordert haben soll, Flüchtlingsboote auf hohe See zurückzudrängen. Zudem würden Rettungsschiffe von Nichtregierungsorganisationen offenbar davon abgehalten, Flüchtlingsbooten im Mittelmeer Hilfe zu leisten.

Italien und Malta ließen seit dem 9. April unter Verweis auf das Coronavirus keine Flüchtlings-Rettungsschiffe mehr in ihre Häfen einlaufen. Derzeit warteten daher mindestens drei Schiffe mit Flüchtlingen an Bord darauf, die Geretteten an Land bringen zu können.

In dieser Woche hatte Italien das deutsche Rettungsschiff Alan Kurdi festgesetzt, weil es „mehrere Unregelmäßigkeiten“ gegeben habe, die die Menschen an Bord gefährden könnten. Anfang April hatte die Alan Kurdi vor der Küste Libyens 146 Migrantinnen und Migranten aufgenommen. Wegen der Coronavirus-Pandemie hatte eine italienische Fähre die Geretteten später übernommen, um sie besser versorgen zu können.

Quelle: ntv.de, hny/AFP

Über 400 Gerettete der SEA-EYE 4 gehen in Pozzallo an Land

Sea-Eye berichtet am 21.05.21: Am Freitag, 21.05.2021, lief das Rettungsschiff SEA-EYE 4 in den Hafen von Pozzallo ein. Kurz darauf durften die ersten der 400 geretteten Menschen, darunter 150 Kinder, das Schiff verlassen. Die Ausschiffung wird begleitet von rassistischen Kommentaren der behördlichen Einsatzkräfte vor Ort. Einsatzleiter Jan Ribbeck kommentiert die Zustände: „Hier werden keine verhältnismäßigen und menschenwürdigen Maßnahmen ergriffen. Einem 8 Monate alten Baby und Kleinkindern wurden unter Schreien Nasenabstriche abgenommen.

Die Crew hatte bereits am Montag um einen sicheren Hafen gebeten. Erst zwei Tage später am Mittwochabend reagierten die italienischen Behörden und wiesen der SEA-EYE 4 Pozzallo auf Sizilien zu. Zu der Zeit befand sich die SEA-EYE 4 etliche Seemeilen entfernt auf der anderen Seite der Mittelmeerinsel direkt vor dem Hafen von Palermo. Palermos Bürgermeister, Leoluca Orlando, hatte zuvor eine Einladung an die geretteten Menschen und die Crew ausgesprochen, in seinem Hafen an Land zu gehen.

Durch die Wahl des Ausschiffungshafens Pozzallo mussten sehr viele Menschen zwei weitere Nächte auf den Stahlböden der SEA-EYE 4 schlafen. Die EU-Staaten behandeln Schutzsuchende zunehmend brutaler und schikanieren jene, die ihnen helfen wollen. Es ist einfach entsetzlich, dass spanische Soldaten Geflüchtete zurück ins Wasser prügeln und italienische Abgeordnete das im Kontext unserer Situation feiern, um den gleichen Umgang mit unseren Geretteten vorzuschlagen! Statt Fluchtursachen zu bekämpfen, greifen staatliche Akteure selbst flüchtende Menschen an. Wenn die EU weiter in diese Richtung kippt, dann können wir die Genfer Flüchtlingskonvention endgültig abschreiben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die Zuweisung des sicheren Hafens erfolgte wenige Stunden nachdem ein junger Mann aufgrund eines schweren Herzleidens durch die italienische Küstenwache von der SEA-EYE 4 evakuiert werden musste. Malta hatte bereits am Dienstag abgelehnt, den geretteten Menschen einen sicheren Hafen zu bieten und ihr Leiden auf See zeitnah zu beenden. Die Menschen brauchen nun ein sicheres Umfeld und Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die letzten sieben Tage unserer Rettungsmission haben wieder einmal ganz deutlich das Versagen der EU-Staaten gezeigt. Regelmäßig ertrinken Menschen auf ihrer Flucht und Tausende werden in die Bürgerkriegshölle Libyens zwangsweise zurückgeführt. An die Einhaltung der Menschenrechte scheint in den Regierungen Europas niemand mehr zu denken“, sagt Isler zum Abschluss der Rettungsmission.

247 Kommunen und Städte sind in Deutschland zur Aufnahme von Geflüchteten bereit

Sea Eye berichtet am 18.05.2021: Das von Sea-Eye betriebene Rettungsschiff SEA-EYE 4 hat innerhalb von 4 Einsatztagen mehr als 400 Menschenleben gerettet. Alle Rettungen haben in den internationalen Gewässern der libyschen und der maltesischen Rettungszone stattgefunden. Die Menschen wurden in 6 Einsätzen aus hochseeuntauglichen Holzbooten gerettet. Der UNHCR berichtete zeitgleich, dass die sogenannte libysche Küstenwache insgesamt 650 Menschen davon abgehalten hat, das Bürgerkriegsland Libyen zu verlassen. Die Geretteten kommen aus vielen unterschiedlichen Nationen. Unter ihnen sind sehr viele Minderjährige, die als besonders schutzbedürftig gelten. Bisher reagierte keine einzige europäische Behörde auf die Nachrichten der SEA-EYE 4.

Wir hoffen sehr, dass uns in den kommenden Stunden ein sicherer Hafen für die SEA-EYE 4 zugewiesen wird. Unsere Besatzung ist seit mehr als 96 Stunden im Einsatz, weil es überhaupt keine staatlichen Anstrengungen gab, diesen schutzsuchenden Menschen zu helfen“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die SEA-EYE 4 hält nun einen nördlichen Kurs. Die Einsatzleitung des Schiffes wartet darauf, dass eine europäische Rettungsleitstelle die weitere Koordinierung übernimmt. Für die medizinische Versorgung der Geretteten trägt erstmalig ein Arzt der neuen Partnerorganisation German Doctors die Verantwortung.

Unter den mehr als 400 geretteten Menschen waren 25 in einem behandlungswürdigen oder sogar kritischen Zustand. Ein achtjähriger Junge zum Beispiel war nicht mehr ansprechbar. Ihn und alle anderen Patientinnen und Patienten konnten wir im Bordhospital inzwischen stabilisieren. Drei Schwangere und ein Baby sind in guter Verfassung. Einen Mann mit Lungenentzündung haben wir negativ auf Covid-19 getestet. Die häufigsten Diagnosen waren: Unterkühlung, Austrocknung, Unterernährung, Erschöpfungszustände sowie Seekrankheit und Bewusstlosigkeit. Bedrückend ist, dass die meisten Menschen zudem deutliche Symptome schwerer Traumatisierung zeigen – auch viele der Kinder“, sagt Dr. Stefan Mees, German Doctors-Einsatzarzt und Bordarzt auf der SEA-EYE 4.

Keine Scheu vor Menschenrechtsverletzungen: die europäische Grenzschutzagentur

Sea Watch berichtet am 18.05.2021: Seit Jahren sorgt die Europäische Agentur für Grenz- und Küstenwache, Frontex, an der tödlichsten Grenze der Welt dafür, dass Menschen auf der Flucht vor Folter, Krieg und Armut in das Bürgerkriegsland Libyen zurückgeschleppt werden. Seit 2017 sind jedoch auch wir mit unseren Aufklärungsflugzeugen Moonbird und Seabird vor Ort, um die skrupellose Abschottungspolitik zu dokumentieren, die im Mittelmeer auf dem Rücken bedürftiger Personen betrieben wird, und die Fadenzieherin dahinter – die Europäische Union – dafür zur Verantwortung zu ziehen.

Heute möchte ich Dir am Beispiel eines Seenotfalles im zentralen Mittelmeer, in den Frontex involviert war und den wir mit unserer Seabird-Crew hautnah bezeugten, ein Bild von den täglichen Menschenrechtsbrüchen vermitteln, die sich vor den Toren Europas abspielen. Das Mittelmeer ist ein Ort, wo Wut, Trauer und Erleichterung so nah beieinander liegen. Ein Ort, wo wir zuschauen müssen, wie Menschenrechte systematisch gebrochen werden. Ein Ort, an dem auch unsere Crew an ihre Grenzen kommt.

Am 12. Februar 2021 beobachtete die Bodencrew unserer Luftaufklärungsmission anhand des Flugtracks das Frontex-Flugzeug Eagle1, das an einer Position in der maltesischen Such- und Rettungszone kreiste. Unsere Seabird-Crew machte sich umgehend auf den Weg zu der Stelle und fand ein Boot mit 40 Personen in Not, die allesamt keine Rettungswesten trugen – eine äußerst gefährliche Situation, denn die Wellen waren zu diesem Zeitpunkt über einen Meter hoch. Das Handelsschiff VOS Triton befand sich in der Nähe, entfernte sich jedoch von dem Seenotfall.
 
Das Boot von der Seabird aus gesehen (Foto: David Lohmueller)
Umgehend informierten wir die Hafenbehörden von Lampedusa sowie die maltesischen und italienischen Behörden. Einige Zeit später entdeckte die Seabird-Besatzung das Patrouillenboot Fezzan der sogenannten Libyschen Küstenwache in der maltesischen Such- und Rettungszone, das mit voller Geschwindigkeit auf die in Not geratenen Menschen zusteuerte. Wir müssen davon ausgehen, dass die Anwesenheit der sogenannten Libyschen Küstenwache im maltesischen Hoheitsgebiet von einem der in den Fall involvierten europäischen Akteure koordiniert wurde. Wer auch immer die sogenannte Libysche Küstenwache informiert hat, hat klar gegen internationales Seerecht verstoßen und in Kauf genommen, dass Menschen möglicherweise zurück in ein Kriegsgebiet geschleppt werden!

Glücklicherweise kam es in diesem Fall nicht zu einer illegalen Rückführung, und dies wiederum dank eines zivilen Akteurs: Das NGO-Schiff Open Arms kam schließlich ebenfalls vor Ort an und steuerte auf das in Seenot geratene Boot zu. Die Seabird-Crew beobachtete aus der Luft, wie die sogenannte Libysche Küstenwache neben einem zu Wasser gelassenen Schnellboot der Open Arms versuchte, dieses zu blockieren, indem sie vor ihm herfuhr und die entstehenden Wellen nutzte, um seinen Kurs zu stören. Nachdem dieser gefährliche Versuch, die Crew der Open Arms zu blockieren, glücklicherweise erfolglos blieb, entfernte sich das libysche Patrouillenboot schließlich in Richtung Süden. Die 40 Personen wurden anschließend von dem NGO-Schiff Open Arms gerettet und in Italien an Land gebracht.
Unsere beiden Flugzeuge, Moonbird und Seabird, können anhand dutzender weiterer Fälle beweisen, wie Frontex versucht, begangene Verbrechen zu vertuschen, ihre direkte Kooperation mit der sogenannten Libyschen Küstenwache zu verschleiern und damit jegliche Transparenz ihrer Mission zu begraben. Mehr Informationen zu den Machenschaften von Frontex findest Du in unserem aktuellen Factsheet.

SEA-EYE 4 rettet 172 Menschen auf erster Rettungsmission

Sea Eye berichtet am 16.05.2021: Die Crew des neuen Bündnisschiffs SEA-EYE 4 rettete im Laufe des Sonntags, 16.05.2021, in zwei Rettungseinsätzen 172 Menschen aus hochseeuntauglichen Holzbooten. Die Boote wurden zeitgleich von der Brückenwache entdeckt. Alle Menschen wurden an Bord der SEA-EYE 4 gebracht und medizinisch untersucht. Unter den Geretteten sind viele Kinder, ein 8 Monate junges Baby und eine Schwangere. Eine dritte Rettung steht unmittelbar bevor, auf die die Crew aufmerksam wurde, weil ein Frontex-Flugzeug unweit der SEA-EYE 4 kreiste, allerdings ohne Sea-Eye direkt über den Seenotfall zu informieren. Auf dem Boot befinden sich weitere 50 Menschen. Alarm Phone meldet zur Stunde einen weiteren Seenotfall an die Behörden, der bisher unbeantwortet blieb.

Die EU-Staaten haben auf dem zentralen Mittelmeer die fortwährende humanitäre Krise immer weiter eskaliert. Die Flucht wird immer gefährlicher, weil sich die Menschen nicht einmal mehr trauen, um Hilfe zu rufen, denn die europäischen Rettungsleitstellen schicken ihnen nur noch die sogenannte libysche Küstenwache“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

Die SEA-EYE 4 hat zum ersten Mal Leben gerettet – was für großartige Nachrichten! Wir sind sehr glücklich und stolz, dass unser zweites Bündnisschiff innerhalb weniger Stunden 172 Menschen in Sicherheit bringen konnte. Die Pflicht zur Seenotrettung ist ein Völkerrecht – auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU“, sagt Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue.


Zum ersten Mal unterstützt German Doctors einen Rettungseinsatz von Sea-Eye operativ. An Bord hat Einsatzarzt, Stefan Mees, die Geretteten untersucht: „Wir mussten 12 Menschen im Hospital behandeln – ein Kind und ein erwachsener Mann mussten länger stabilisiert werden. Glücklicherweise gibt es unter den Geretteten aber keine Schwerverletzten.

Bereits am Freitag wurde der Crew der SEA-EYE 4 ein Notruf von ca. 50 Menschen auf einem kleinen Holzboot von Alarm Phone weitergeleitet. Als die Crew das Boot fand, fehlte von den Menschen jede Spur. Während des Einsatzes sichtete die Crew ein Frontex-Flugzeug. „Da Frontex der sogenannten libyschen Küstenwache die Koordinaten von Booten mit Schutzsuchenden direkt oder indirekt mitteilt, müssen wir annehmen, dass diese Menschen auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden“, so Isler.

„Ärzte ohne Grenzen“ starten Seenotrettung mit eigenem Schiff

Das MIgazin vom 14.05.2021 berichtet: Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ will die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer fortan mit einem eigenen Schiff organisieren. Zum Einsatz komme dafür die gecharterte „Geo Barents“. Das Schiff sei am Donnerstagmorgen im norwegischen Hafen Alesund gestartet, wie eine Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen auf Anfrage am Donnerstag in Berlin sagte. Ziel sei, „die Leben von Geflüchteten und Migranten zu retten, die sich auf die gefährliche Überfahrt von Libyen nach Europa machen und dabei in Lebensgefahr geraten“.

Nach Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ erreichten 2021 bislang fast 13.000 Flüchtlinge die italienische Küste. Mindestens 555 starben bei dem Versuch der Überfahrt oder werden vermisst, wie es weiter hieß. In der gleichen Zeit seien mehr als 7.000 Geflüchtete und Migranten von der durch die EU-unterstützten libyschen Küstenwache abgefangen und gewaltsam nach Libyen zurückgebracht worden.

Seit 2015 waren Teams von „Ärzte ohne Grenzen“ auf insgesamt sieben Seenotrettungsschiffen auf dem Mittelmeer im Einsatz. Teilweise hatte die medizinische Nothilfeorganisation die Schiffe mit anderen Organisationen gemeinsam betrieben. Insgesamt seien Mitarbeitende von „Ärzte ohne Grenzen“ an 682 Such- und Rettungseinsätzen beteiligt gewesen und hätten mehr als 81.000 Menschen versorgt, hieß es.

Das Schiff „Geo Barents“ wurde den Angaben zufolge von Uksnøy & Co AS gechartert und 2007 gebaut. Das Schiff mit einer Länge von 76,95 Metern segelt unter norwegischer Flagge, wie die Hilfsorganisation weiter mitteilte. Es sei für Such- und Rettungseinsätze umgebaut worden und habe zwei Decks für Überlebende, eines für Männer und eines für Frauen und Kinder. An Bord befinde sich eine Klinik, ein Zimmer für gynäkologische Untersuchungen durch eine Hebamme und ein Beobachtungsraum für alle medizinischen Aktivitäten.

Neues Bündnisschiff SEA-EYE 4 auf dem Weg ins Einsatzgebiet

Gemeinsame Pressemitteilung von Sea-Eye, United4Rescue und German Doctors vom 08.05.2021:

Das neue Rettungsschiff SEA-EYE 4 brach am 08.05.2021 vom spanischen Hafen in Burriana zum ersten Mal in den Einsatz auf. Das Schiff wird das Such- und Rettungsgebiet im zentralen Mittelmeer voraussichtlich in 5 Tagen erreichen. Unterstützt wird der humanitäre Einsatz der SEA-EYE 4 auf dem Mittelmeer von United4Rescue, dem Bündnis für die zivile Seenotrettung, und der Hilfsorganisation German Doctors.

Seenotrettung in Zeiten der Corona-Krise besonders schwierig

Das Migazin berichtet am 10.05.2021: Seenotretter fordern die Politik auf, auch in der Pandemie ihrer Verantwortung für Flüchtlinge gerecht zu werden. Sie beklagen zudem politisch motivierte Behinderungen im Mittelmeer. Wissenschaftlern zufolge ist das Risiko, auf See zu sterben, wieder deutlich gestiegen.

Private Seenotretter haben die Politik aufgefordert, trotz der Corona-Pandemie ihre Verantwortung für die Flüchtlinge im Mittelmeer wahrzunehmen. Die Pandemie dürfe nicht dazu dienen, dass europäische Staaten sich ihrer rechtlichen Verpflichtung für Menschen auf der Flucht entledigen, erklärte die Organisation SOS Méditerranée am Sonntag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts. Humanitäre Prinzipien und Menschenrechte gälten auch in Krisenzeiten. Die Initiative betreibt das Rettungsschiff „Ocean Viking“.

Die vergangenen Monate seien besonders schwierig gewesen für die zivile Seenotrettung. „Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf ihre Arbeit haben die Seenotretter vor neue Herausforderungen gestellt: geschlossenen Häfen, festgesetzte Schiffe, lange Quarantänezeiten und aufwendige Covid-19-Eindämmungsmaßnahmen an Bord“, erklärte die Organisation. Zudem hätten sich 2020 die politisch motivierten Behinderungen der Helfer im Mittelmeer weiter zugespitzt, sagte die politische Referentin der Organisation, Jana Ciernioch.

455 Menschen aus Seenot gerettet

Sea Watch berichtet am 03.05.2021: Am vergangenen Wochenende hat die Sea-Watch 4 in 6 Rettungsaktionen 455 Menschen aus Seenot gerettet. Wir sind erleichtert, dass unserem Rettungsschiff nun Trapani auf Sizilien als sicherer Hafen zugewiesen wurde.
Seit Tagen ist die Crew der Sea-Watch 4 unermüdlich im Einsatz und hat in etwas mehr als 48 Stunden 6 Rettungseinsätze durchgeführt. Nachdem die Sea-Watch 4 am Donnerstagabend einen ersten Seenotfall bergen konnte, wurden am darauffolgenden Tag über 250 Personen von 3 weiteren Seenotfällen an Bord der Sea-Watch 4 in Sicherheit gebracht. Weder die italienischen noch die maltesischen Behörden kamen der anschließenden Forderung nach der Zuweisung eines sicheren Hafens nach.
Trotz eines bereits gefüllten Decks und einer erschöpften Besatzung wurden am vergangenen Samstag in zwei weiteren Rettungsoperationen weitere 148 Menschen aus zwei überfüllten Holzbooten gerettet. Eines der Boote trieb bereits seit 3 Tagen auf dem Meer. Obwohl es sich in der maltesischen Such- und Rettungszone befand und die Koordinaten den Behörden bekannt waren, wurde keine Rettungsaktion eingeleitet. Gestern musste eine der geretteten Personen aufgrund ihres kritischen medizinischen Zustandes von italienischen Behörden evakuiert werden.

Foto: Fabian Melber

Das medizinische Personal betreut derzeit die Geretteten, unter denen sich zahlreiche unbegleitete Minderjährige, schwangere Frauen und Kinder befinden. Viele von ihnen sind von ihrer Zeit in Libyen schwer traumatisiert. Einige berichten davon, wie sie bereits mehrfach den Versuch über das Mittelmeer gewagt haben, jedoch gegen ihren Willen von der sogenannten Libyschen Küstenwache zurück in das Bürgerkriegsland geschleppt wurden.
 
Erst am Samstagmorgen wurde die Besatzung der Sea-Watch 4 Zeugin einer gewaltvollen Rückführung durch die sogenannte Libysche Küstenwache und beobachtete, wie sie auf die Menschen im Schlauchboot einschlug, um sie anschließend nach Libyen zurück zu schleppen. Mithilfe von Kameras und Ferngläsern konnte die Besatzung den Zwischenfall beobachten und dokumentieren. Die erschütternden Aufnahmen findest Du hier.

EU-Dilemma? Grenze zu Afrika sichern, aber Menschenrechte einhalten

Echo der Zeit von Radio DRS berichtet am 02.05.2021: Tausende Menschen aus den Sahelstaaten oder dem Maghreb wählen auf ihrer Flucht Richtung Europa den Weg über Libyen. Eine gefährlich Migrationsroute. Nun legt eine Recherche verschiedener Medien nahe, dass die europäische Grenzschutzagentur Frontex eng mit der libyschen Küstenwache zusammenarbeitet, um die Flüchtlinge von Europa fernzuhalten. Wie plausibel ist das? Das Gespräch mit dem Maghreb-Experten Beat Stauffer

Sea-Watch fördert die SEA-EYE 4

Sea Eye meldet am 29.04.2021:

Sea-Eye konnte den Umbau des neuen Rettungsschiffs SEA-EYE 4 kürzlich in Rostock abschließen und das Schiff ins Mittelmeer entsenden. Die durch die Corona-Pandemie verursachten Verzögerungen bei den Werftarbeiten führten im Zusammenspiel mit höheren Sicherheitsanforderungen zu steigenden Kosten für Sea-Eye. Nun zeigt die Seenotrettungsorganisation Sea-Watch große Solidarität und erklärte sich bereit, Sea-Eye bei den Fertigstellungskosten der SEA-EYE 4 und darüber hinaus bei der langfristigen und nachhaltigen Stärkung der Strukturen mit 550.000 Euro zu unterstützen.

Gerade in Krisenzeiten müssen wir zusammenhalten und zeigen, was praktische Solidarität wirklich bedeutet. Weil Europa Menschen weiterhin im Mittelmeer ertrinken lässt und zivile Rettungskräfte am Retten hindert, müssen wir dafür sorgen, alle Rettungskräfte im Mittelmeer zu mobilisieren. Mit der Sea-Eye 4 startet ein weiteres Schiff der Solidarität in den Einsatz. Wir freuen uns, dass wir mit unseren Unterstüzer*innen einen Teil beitragen können, den Kampf um Menschenrechte im Mittelmeer gemeinsam fortzusetzen,“ Marlene Lippmann, Leitung Fundraising Sea-Watch.

Durch die große Solidarität unseres Bündnispartners Sea-Watch ist Sea-Eye wieder auf Kurs. Nun arbeiten wir mit enormer Konzentration weiter daran, genügend Spenden für den ganzjährigen Rettungsbetrieb einzuwerben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.