Überlebender tauft neues Rettungsschiff von Sea‑Eye

Sea Eye berichtet am 28.02.2021: Die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye tauft am 28. Februar 2021 um 11 Uhr ihr neues, viertes Rettungsschiff offiziell auf den Namen SEA‑EYE 4. Die Schiffstaufe findet unter strengen Corona-Regeln in kleinem Kreis in der Werft statt, wo die SEA‑EYE 4 gerade zum Rettungsschiff umgebaut wird.

Die Taufe wird von Bundestagsvizepräsidentin und Sea‑Eye‑Mitglied Claudia Roth eröffnet. Ebenfalls vor Ort sind Vertreter*innen von United4Rescue, dem Bündnis zur Unterstützung der zivilen Seenotrettung, das Kauf und Umbau des Rettungsschiffs maßgeblich finanziell ermöglichte. Der Taufpate, Alpha Jor Barry, ist inzwischen 18 Jahre alt und gehört zu den ersten 17 Menschen, die durch die ALAN KURDI wenige Tage nach Weihnachten am 29.12.2018 gerettet worden sind. Zwei Jahre und zwei Monate später steht er an der Seite der Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, um das vierte Rettungsschiff der Regensburger Seenotretter*innen von Sea-Eye zu taufen.

Bild: Sea Eye

Sea Watch berichtet am 26.02.2021: Nachdem sowohl unser Flaggenstaat als auch die spanischen Behörden die Sicherheit unserer Sea-Watch 3 erneut bestätigt hatten, nahm unser Schiff letzten Samstag wieder Kurs auf das zentrale Mittelmeer. Bereits kurze Zeit nach Ankunft im Einsatzgebiet informierte uns die Initiative Watch the Med – AlarmPhone heute in den Morgenstunden über einen Seenotfall. Wenig später konnte unsere Crew 45 Menschen sicher an Bord der Sea-Watch 3 bringen. Unter den Schutzsuchenden befinden sich 16 Minderjährige.

Während sich unser Guest Care Team und unser medizinisches Personal nun um die Versorgung der 45 Gäste kümmert, hält der Rest der Crew weiterhin Tag und Nacht nach Booten in Seenot in Ausschau. Da sich das Wetter in den letzten Wochen gebessert hat, finden wieder vermehrt Abfahrten von der libyschen Küste statt. Allein dieses Jahr haben bereits mehrere tausend Menschen die lebensgefährliche Reise über das zentrale Mittelmeer angetreten. Wir wissen von mindestens 160 Menschen, die beim Versuch, ein sicheres Leben in Europa zu finden, ertrunken sind.

Forschungsprojekt „Satellitendaten für die Seenotrettung“: Junge Wissenschaftler*innen gesucht

Space-Eye und auch einige andere Seenotrettungsorganisationen arbeiten verstärkt an der Nutzung von Satellitendaten zur Dokumentation und zur Vermeidung von Katastrophen im Mittelmeer. Jetzt bietet sich eine hervorragende Möglichkeit für aktive Forschungsarbeit an diesem Thema.

Im Zuge des Förderprojektes AI4EO (https://ai4eo.de/) sind Beyond Fellow Scholarships ausgeschrieben. Junge Wissenschaftler:innen (nach Abschluss der Masterarbeit), können mithilfe dieses Stipendiums als Teil des interdisziplinären und exzellenten AI4EO Teams 3-6 Monate an einem zukunftsweisendem Thema, wie der Nutzung von Satellitendaten in der Seenotrettung arbeiten.

Diese Projektarbeit würde in den AI4EO Future Labs in München stattfinden. Reisekosten, sowie Unterkunft werden erstattet. Wir würden uns sehr freuen, wenn sich Bewerber:innen mit dem Ziel der Seenotrettung dort bewerben und an diesem Thema arbeiten.

Wir wurden von AI4EO gezielt auf dieses Thema angesprochen und sie würden eine Forschungsarbeit in dieser Richtung stark unterstützen. Wir als NGO bieten Unterstützung im Rahmen unserer vorhandenen Expertise, Zusammenarbeitsoptionen und eines positiven Austausches. Wir unterstützend auch gerne bei der Bewerbung und Themenformulierung. 

Sea Watch

Sea Watch berichtet am 20.02.2021: Es ist schon mehr als 7 Monate her, dass nach drei erfolgreichen Rettungen 211 Menschen die Sea-Watch 3 in Italien verlassen durften. Doch im Anschluss wurd die Sea-Watch 3 erneut festgesetzt. Nach knapp drei Monaten Blockade durften wir unser Schiff einmalig nach Spanien in die Werft bringen. Die Zwangspause in Spanien haben wir genutzt und mit der Hilfe von dutzenden Freiwilligen anstehende Wartungsarbeiten und Umbauten vorgenommen. Erneut haben nun sowohl unser Flaggenstaat Deutschland als auch die spanischen Behörden die Sicherheit der Sea-Watch 3 bestätigt. Wir freuen uns Dir heute sagen zu können, dass wir seit gestern Abend endlich wieder Kurs auf das zentrale Mittelmeer genommen haben.

Nach abgeschlossener Quarantäne und einem negativen PCR Test kam die Crew an Bord. Vor Abfahrt hat sich die Besatzung mit verschiedenen Trainings auf den Einsatz vorbereitet. Auch die mehrtägige Überfahrt in die Such- und Rettungszone vor der libyschen Küste wird die Crew mit Übungen und Vorbereitungen verbringen, um voll einsatzbereit zu sein, wenn sie im Rettungsgebiet eintrifft.

Währenddessen wird unser zweites Schiff, die Sea-Watch 4, noch immer von den italienischen Behörden blockiert. Die Festsetzung durch willkürliche Hafenstaatkontrollen ist inzwischen zur Normalität geworden, um Rettungsschiffe am Auslaufen zu hindern. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, gerichtlich dagegen vorzugehen. Nach mehrfachen Anhörungen verwies das Verwaltungsgericht in Palermo den Fall an den Europäischen Gerichtshof. Ein positives Urteil dort soll politisch motivierten Haafenstaatkontrollen ein Ende setzen und betrifft nicht nur unsere Sea-Watch 4: Es wäre ein wichtiger Schritt gegen behördliche Willkür und für Rechtssicherheit aller im Mittelmeer aktiven NGOs.

Zahlreiche Vermisste nach Bootsunglück im Mittelmeer

Das Migazin vom 15.02.2021 berichtet: Nach einem Bootsunglück zwischen Lampedusa und der tunesischen Küste sind ein Toter geborgen und 25 Überlebende gerettet worden. Wie der italienische Rundfunk am Sonntag berichtete, wurden 22 weitere Menschen vermisst, die mit dem Boot am Freitag vom tunesischen Sfax aus gestartet waren. Die tunesische Marine, die den Rettungseinsatz koordinierte, unterbrach die Suche nach den Vermissten in der Nacht auf Sonntag wegen schlechter Wetterbedingungen.

Zwei Rettungsschiffe der Hilfsorganisation Open Arms nahmen unterdessen bei zwei Einsätzen in der maltesischen Rettungszone 146 in Seenot geratene Flüchtlinge an Bord. Unter den Geretteten seien viele Frauen und Kinder, teilte die spanische Hilfsorganisation auf Twitter mit. Die libysche Küstenwache habe versucht, einen der beiden Einsätze zu behindern.

Wenige Minuten nach dem zweiten Rettungseinsatz, bei dem 106 Flüchtlinge gerettet wurden, sei deren Schlauchboot in einem Gewitter mit vier Meter hohen Wellen gekentert. Die Geretteten bräuchten einen sicheren Hafen, mahnte Open Arms unter Hinweis auf winterliche Temperaturen und starken Wellengang.

Bericht über massive Menschenrechtsverletzungen in der Ägäis

Das Migazin vom 12.02.2021 berichtet: Die Menschenrechte von Flüchtlingen in der Ägäis werden einem Bericht zufolge systematisch verletzt. Im vergangenen Jahr sei eine massive Eskalation im Umgang mit den Menschen auf der Flucht zu verzeichnen gewesen, erklärte die Organisation Mare Liberum am Donnerstag in Berlin. Allein von März bis Dezember 2020 seien mehr als 9.700 Fliehende gewaltsam in die Türkei zurückgedrängt und damit ihres Rechts auf Asyl beraubt worden.

Neben der griechischen Küstenwache sei die europäische Grenzschutzagentur Frontex hauptsächlich für die sogenannten Push-backs verantwortlich, heißt es in dem Bericht der Organisation, die im östlichen Mittelmeer den Umgang mit Flüchtenden beobachtet. Auch Schiffe unter Nato-Kommando hätten sich daran beteiligt. Mare Liberum gesteht ein, dass das Ermitteln der Vorfälle schwierig ist und es immer wieder voneinander abweichende Informationen gibt. „Die dem Bericht zugrundeliegenden Zahlen sind daher als Annäherung an die tatsächlichen Zahlen zu verstehen.“

Bei den von Mare Liberum dokumentierten erzwungenen Ausweisungen seien in einigen Fällen sogar Flüchtlinge zurückgedrängt worden, die bereits griechischen Boden erreicht hätten, heißt es in dem Bericht. Auch viele Kinder seien unter den Opfern dieses illegalen Vorgehens. In den meisten Fällen würden die Schlauchboote der Schutzsuchenden zerstört und Gewalt gegen die Menschen ausgeübt. „Diese Push-backs sind keine Einzel- oder Extremfälle europäischer Abschottung, sondern vielmehr der gegenwärtige und alltägliche ‚Modus Operandi‘ an einer EU-Außengrenze“, erklärte Paul Hanewinkel, einer der Autoren des Berichts.

„Ocean Viking“ rettet bei zwei Einsätzen 237 Flüchtlinge aus Seenot

Das Miganzin vom 05.02.2021 berichtet: Bei zwei Einsätzen hat das zivile Rettungsschiff „Ocean Viking“ am Donnerstag im Mittelmeer insgesamt 237 Bootsflüchtlinge aus Seenot gerettet. Bei Tagesanbruch habe die Crew in internationalen Gewässern 30 Seemeilen vor dem libyschen Al-Chums ein überbesetztes Schlauchboot gesichtet und 212 Menschen an Bord genommen, teilte die Hilfsorganisation SOS Méditerranée, die das Schiff betreibt, in Berlin mit.

Unter den Geretteten seien 19 Frauen und zwei kleine Kinder. Mehrere Menschen, die über Bord gegangen seien, hätten sicher an Bord gebracht werden können.

In einem zweiten Rettungseinsatz wurden den Angaben zufolge nur wenige Stunden später weitere 116 Menschen aus einem Schlauchboot. Unter den Überlebenden seien 44 Minderjährige, darunter neun Kinder unter 13 Jahren, teilte die Organisation mit. Mindestens eine Frau sei schwanger. Die Geretteten kämen vorwiegend aus der Elfenbeinküste, Mali und dem Sudan.

Die „Ocean Viking“ hatte erst im Januar bei drei Einsätzen 373 Menschen gerettet, die schließlich in Sizilien von Bord gehen durften. Die dortigen Behörden brachten sie nach Corona-Schnelltests an Land oder auf ein Quarantäne-Schiff. Zuvor war das Schiff fünf Monate lang in Italien wegen angeblicher Sicherheitsmängel festgehalten worden.

SOS Méditerranée ist eine europäische Organisation mit Vereinen in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz, die gemeinsam die „Ocean Viking“ betreiben. Das Schiff fährt unter norwegischer Flagge. (epd/mig)

Seenotretter, Schiff, Ocean Viking, Mittelmeer, Flüchtlingspolitik
Das Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“

Kunst tröstet

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