Kanarische Inseln werden zum wichtigen Fluchtziel

Radio DRS berichteet im Echo der Zeit vom 27.11.2020: «Corona hat viele Wege für Flüchtlinge erschwert»

In diesem Jahr erreichten über 16’000 Bootsflüchtlinge die kanarischen Inseln – zehnmal mehr als 2019. Viele starten ihre Fahrt übers Meer in Marokko. Warum ist diese Route plötzlich beliebter als andere? Frage an ARD-Korrespondentin Dunja Sadaqi in Rabat.

SeaWatch3

21.11.2020 ∙ Doku & Reportage ∙ NDR Fernsehen

In dem Dokumentarfilm „SeaWatch3“ können die Zuschauer hautnah miterleben, was später weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Die Filmemacher Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg haben all das dokumentiert. 21 Tage lang waren sie an Bord der „Sea-Watch 3“. Vom Auslaufen bis zur Verhaftung. Sie filmen, als die Freiwilligen der Sea-Watch-Crew 53 Menschen aus einem Schlauchboot im offenen Meer retten. Sie filmen, als um zwei Uhr morgens plötzlich die italienische Polizei an Bord kommt und eine persönliche Warnung von Innenminister Matteo Salvini überbringt. Bild: NDR

 "Sea-Watch 3" Kapitänin Carola Rackete

United4Rescue und Sea-Eye stellen neues Bündnisschiff SEA-EYE 4 vor

Sea Eye und United4Rescue berichtet am 14.11.2020: Das Bündnis für Seenotrettung United4Rescue, dem mittlerweile mehr als 660 Bündnispartner angehören, will den Kauf und maßgeblich auch den Umbau des neuen Rettungsschiffes SEA-EYE 4 finanzieren.
Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff (Baujahr 1972, 55 m lang, 11 m breit) wird aktuell zum Rettungsschiff umgebaut und durch die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye e. V. betrieben. Die SEA-EYE 4 ist deutlich größer als die ALAN KURDI, das derzeitige Rettungsschiff der Organisation. Sea-Eye hat seit Anfang 2016 rund 15.000 Menschen im Mittelmeer das Leben gerettet.
Wir sind United4Rescue sehr dankbar. Ohne die Unterstützung durch das Bündnis wäre der Kauf eines so großen Schiffes für uns unvorstellbar geblieben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V.
Seit unserer ersten Aktion für Sea-Watch bekommen wir enorm viel Unterstützung, sodass wir beschlossen haben: Wir schicken noch ein Schiff!“ sagt Sandra Bils, Gründungsmitglied von United4Rescue. „Fast täglich erreichen uns schreckliche Nachrichten von unbeantworteten Notrufen und Schiffsunglücken im Mittelmeer. Es kann nicht angehen, dass nicht ausreichend Rettungsschiffe zur Verfügung stehen.

Katarzyna Gmitrzak SEA EYE 4 November 2020

Sea-Eye präsentiert neues Rettungsschiff

Sea-Eye berichtet am 10.11.2020: Sea-Eye wird am Sonntag, dem 15.11.2020, zusammen mit einem wichtigen Partner sein neues Rettungsschiff präsentieren. Bereits im September 2020 verkündete Sea-Eye, ein neues Rettungsschiff zu kaufen und es schnellstmöglich zu präsentieren. Nun ist es so weit. Das neue Schiff wurde gekauft und soll nun mit Spenden zum Rettungsschiff umgerüstet werden.

Am Sonntag wird Sea-Eye enthüllen, um welches Schiff es sich handelt. Das vierte Schiff der Regensburger Seenotretter*innen ist deutlich größer als die bisherigen Schiffe SEA-EYE, SEEFUCHS und ALAN KURDI. Es ist Sea-Eyes Antwort auf die zunehmenden Anforderungen, die im Einsatz an zivile Rettungsschiffe gestellt werden.

Das neue Rettungsschiff soll in Zukunft den Namen GHALIB KURDI tragen. Geplant ist eine Schiffstaufe, bei der Abdullah Kurdi, der Vater der ertrunkenen Kinder Ghalib und Alan Kurdi, das Schiff taufen wird. Aufgrund der Corona-Situation kann derzeit kein Termin für eine Schiffstaufe festgelegt werden. Deshalb wird das neue Schiff vorerst den Projekttitel des Vereins SEA-EYE 4 auf seinem Rumpf tragen.
Es bleibt allein dem Vater vorbehalten, ein Schiff auf den Namen seines ersten Sohnes zu taufen. Aus tiefem Respekt vor der Familie und dem Schmerz, den die Familie in sich trägt, muten wir es ihnen nicht zu, den Namen schon jetzt in allen Medien und auf unserem Schiff zu lesen“, sagt Gorden Isler Vorsitzender von Sea-Eye e. V.

UN-Expertin befürchtet mehr tödliche Bootsunglücke im Atlantik

Das Migazin berichtet am 06.11.2020: Im laufenden Jahr sind bereits mehr als 400 Menschen auf der Seeroute von Afrika zu den spanischen Kanaren-Inseln ums Leben gekommen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Verdopplung. Die Internationale Organisation für Migration befürchtet steigende Zahlen.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchtet eine Zunahme der tödlichen Bootsunglücke auf der Seeroute von Afrika zu den spanischen Kanaren-Inseln. Die lange Fahrt auf dem Atlantik sei wegen der oft unvorhersehbaren Wetterbedingungen besonders gefährlich, sagte IOM-Sprecherin Safa Msehli dem „Evangelischen Pressedienst“ in Genf.

Mehr als 400 Migranten sind laut der IOM in diesem Jahr auf der Route bereits ums Leben gekommen, rund doppelt so viele Tote wie im gesamten Jahr 2019. Msehli, Expertin für Seenotrettung, verwies auf das schwerste Schiffsunglück in diesem Jahr, bei dem Ende Oktober vor der Küste Senegals ein Boot mit 200 Menschen sank. Davon überlebten 140 Menschen nicht, sie alle waren auf dem Weg zu den Kanaren.

Schlepperbanden haben laut Msehli in diesem Jahr bereits deutlich mehr Menschen über die riskante Route geschleust. Von Januar bis Oktober seien mehr als 11.000 Menschen auf den Kanaren eingetroffen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres seien es 2.557 Migranten und Flüchtlinge gewesen. Anders sieht die Lage laut der IOM auf dem Mittelmeer aus. Dort sank die Zahl der Menschen, die auf dem Seeweg Europa erreichten, in diesem Jahr im Vergleich zu 2019 stark.

Solidarität auf See, 2020

Sea-Eye erstattet Strafanzeige gegen den AfD-Politiker

Sea Eye berichtet am 31.10.2020 in ihrem Newsletter: Am Samstagnachmittag erstattete die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye Strafanzeige wegen aller in Frage kommenden Straftaten gegen den AfD-Politiker Georg Pazderski bei der Regensburger Polizei. Zuvor verbreitete der Berliner Rechtspopulist, dass die Crew der ALAN KURDI Mitverantwortung für den Tod der Terroropfer von Nizza tragen könnte. In seiner Erklärung auf Facebook bezog er sich dabei auf „Recherchen“ und veröffentlichte ein Bild mit der Schlagzeile „Deutsche „Alan Kurdi“ brachte Nizza-Attentäter nach Europa“, ohne konkrete Quellen für seine Behauptung zu benennen. Zuvor berichtete auch das rechtsextreme Nachrichtenportal Journalistenwatch über Zusammenhänge zwischen einer Rettungsmission der ALAN KURDI und dem Terroranschlag von Nizza.

Die Süddeutsche Zeitung beschrieb bereits am Freitagabend, wie der Attentäter nach Frankreich gelangte. Er war nicht an Bord der ALAN KURDI. „Besseren Wissens verbreitet Pazderski die Unwahrheit, um die Trauer und Betroffenheit der Menschen zu missbrauchen und sie gegen Seenotretter aufzuhetzen“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. Innerhalb weniger Stunden wurde Pazderskis Post mehr als 1000 Mal geteilt. Den Verein erreichen seither verstärkt Anschuldigungen, Beleidigungen und schwere Vorwürfe. „Hier versucht ein Rechtspopulist auf schändlichste Weise das Leid der Opfer und deren Angehörige sowie die Betroffenheit der Menschen für seine eigene politische Agenda auszunutzen. Diese Attacke muss Konsequenzen haben. Er muss als Fraktionsvorsitzender zurücktreten“, sagt Isler weiter.

Seit der Gründung des Vereins im Jahr 2015 hat Sea-Eye über 15.000 Menschenleben gerettet. Die Organisation steht für das Leben, für die Menschenrechte und für ziviles Engagement. „Wir waren alle schrecklich entsetzt über diesen Terroranschlag und verurteilen ihn aufs Schärfste. Wir nehmen Anteil an der tiefen Trauer der Angehörigen und stehen an der Seite aller Menschen, die sich gegen Gewalt und Terror stellen“, so Isler.