Rettungsschiff ALAN KURDI startet von Palermo – Weihnachten auf dem Mittelmeer

Aus der Pressemitteilung von Sea Eye vom 20.12.2019: Am Freitagabend verließ das deutsche Rettungsschiff ALAN KURDI den Hafen von Palermo. Bürgermeister Leoluca Orlando erschien persönlich, um der Crew eine erfolgreiche Mission und sichere Heimkehr zu wünschen. Zuvor hatte er die Crew im Rathaus von Palermo empfangen und die Flagge von Palermo an den Kapitän Uwe Doll überreicht. 
 
Rückenwind erhalten die Regensburger Seenotretter aus dem Erzbistum Paderborn. Im Oktober wurden die Spenden bei Sea-Eye knapp. Eine Mission musste deshalb ausfallen. Generalvikar Alfons Hardt nahm Kontakt mit Sea-Eye auf und sicherte sofortige Unterstützung des Erzbistums zu, um die Einsatzfähigkeit der ALAN KURDI zur Jahreswende sicherzustellen. 
 
„Die Unterstützung aus Paderborn kam keinen Tag zu früh. Die Flucht über das Meer ist zu dieser Jahreszeit besonders gefährlich. Wir sind Erzbischof Hans-Josef Becker unendlich dankbar, der so wiederholt deutlich macht, dass es unser aller Menschenpflicht ist, das Leben Schutzsuchender zu retten“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. Dem Hilferuf im Oktober folgten auch die Abgeordneten der Stadt Konstanz. So erhielt Sea-Eye eine schnelle Nothilfe über 5.000€. Konstanz ist neben Hamburg die zweite, deutsche Stadt, die Sea-Eye finanziell unterstützt und dem Bekenntnis zum sicheren Hafen weitere, konkrete Maßnahmen folgen lässt.
 
Palermo soll der neue Seenotrettungsstützpunkt für die ALAN KURDI werden. So soll das Schiff ab sofort von Palermo aus in Rettungseinsätze starten. „Nach der Bruchlandung des italienischen Innenministers Matteo Salvini, sind die italienischen Häfen wieder offen“, sagt Julian Pahlke, Sprecher von Sea-Eye.  Zuvor musste die ALAN KURDI von Spanien aus starten. Die kürzere Anfahrt ins Einsatzgebiet ermöglich höhere Anwesenheitszeiten der ALAN KURDI, in der Libyschen Such- und Rettungszone und geringere Einsatzkosten. „Wir sind gern in Palermo. Der Bürgermeister und die Menschen dort haben uns mit offenen Armen empfangen. Daher wollen wir hier unseren neuen Stützpunkt errichten“, sagt Pahlke weiter.

Dem Hilferuf im Oktober folgten auch die Abgeordneten der Stadt Konstanz. So erhielt Sea-Eye eine schnelle Nothilfe über 5.000€. Konstanz ist neben Hamburg die zweite, deutsche Stadt, die Sea-Eye finanziell unterstützt und dem Bekenntnis zum sicheren Hafen weitere, konkrete Maßnahmen folgen lässt.  

Sea-Watch gewinnt Berufung vor einem italienischen Zivilgericht

Sea Watch berichtet am 19.12.2019: Pünktlich zu Weihnachten hat das Zivilgericht von Palermo entschieden: Die Sea-Watch 3 ist frei! Nach fast 6 Monaten der Festsetzung im Hafen von Licata bereiten wir uns nun darauf vor, unsere Rettungsoperation so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.

Sea-Watch hat die Berufung vor einem italienischen Zivilgericht gegen die unrechtmäßige Beschlagnahmung unseres Schiffes Sea-Watch 3 gewonnen. Das heutige Urteil bestätigt nicht nur die fehlende rechtliche Grundlage für das Festsetzen des Schiffes, sondern die politische Motivation dahinter. Nach langen Monaten der Kriminalisierung, Einschüchterung und Blockade ist das heutige Gerichtsurteil eine weitere Bestätigung der Rechtmäßigkeit unserer Arbeit – einer Arbeit, die Sea-Watch von den verantwortlichen Institutionen der EU-Mitgliedsstaaten fordert. Das Urteil hat einmal mehr bewiesen, dass es zivile Rettungsorganisationen wie Sea-Watch sind, die sich an Recht und Gesetz halten. Wir erwarten, dass in Zukunft auch die EU-Staaten internationales Recht respektieren und die Kriminalisierung ziviler Rettungen beenden.

Mit Erhalt der guten Nachrichten haben wir sofort mit den Vorbereitungen begonnen, um so schnell wie möglich in Richtung Such- und Rettungszone aufbrechen zu können. Wie dringend wir dort benötigt werden, mussten wir in den vergangenen Wochen mit unserem Aufklärungsflugzeug aus der Luft beobachten. Mehr als 400 Menschen sind ertrunken, während unser Schiff sinnlos im Hafen feststeckte. 

Juristin: Seenot ist nicht erst, wenn Menschen um ihr Leben kämpfen

Das Migazin vom 11.12.2019 berichtet: Seenotrettern wird vorgeworfen, Flüchtlinge von Afrika abzuholen und nach Europa zu fahren. Rechtsprofessorin Nele Matz-Lück erklärt im Gespräch, was Seenot ist und was sie bedeutet. Das private Rettungsschiff „Ocean Viking“ hat vor rund zwei Wochen erneut Menschen aus einem Boot geborgen, die sich von Libyen aus auf den Weg über das Mittelmeer gemacht hatten. Den Betreibern SOS Méditerranée und „Ärzte ohne Grenzen“ wird ebenso wie ähnlichen Organisationen immer wieder vorgeworfen, Migranten und Flüchtlinge vor der afrikanischen Küste abzuholen oder gar als „Taxi“ nach Europa zu fahren. Nele Matz-Lück, Professorin für Völkerrecht mit dem Schwerpunkt internationales Seerecht an der Universität Kiel, erklärt im Gespräch, was Seenot rechtlich bedeutet.

Wann gilt ein Schiff oder ein Boot als in Seenot?

Nele Matz-Lück: Seenot besteht nicht erst, wenn Menschen im Wasser um ihr Leben kämpfen, sondern wenn für Leib und Leben oder auch das Schiff selbst oder eine Ladung von Wert unmittelbar Gefahr droht. Es muss also nicht schweres Wetter sein, es reicht aber auch nicht, wenn nur eine Schwimmweste fehlt. Seenot liegt etwa vor, wenn ein Schiff total überladen ist, sodass eine kleine Welle oder Bewegung an Bord zum Kentern reicht. Bei den Booten, die mit Migranten und Flüchtlingen übers Mittel-meer kommen, wird man daher fast per se einen Seenotfall annehmen müssen, weil sie meist nicht seetüchtig sind und dadurch eine konkrete Gefahrensituation besteht.

Wer entscheidet konkret, ob Seenot vorliegt?

Nele Matz-Lück: Normalerweise schätzt das der Kapitän des betroffenen Schiffes ein. Die Boote der Migranten und Flüchtlinge haben aber in der Regel keinen Kapitän. Daher muss es der Kapitän eines anderen Schiffes, das in der Nähe ist und zu Hilfe kommen kann, einschätzen. Das besagt das Internationale Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See. Das Seerecht gibt dagegen keine genauen Kriterien vor, etwa die Entfernung von Land. Diesen Beurteilungsspielraum des Kapitäns muss es geben. Denn die See ist für Menschen ein gefährlicher Ort. Teilweise meldet auch die Luftaufklärung über dem Mittelmeer Seenotfälle an die Leitstellen an Land.

Welche Pflichten hat der Kapitän des anderen Schiffes?

Nele Matz-Lück: Er muss die Menschen in Seenot retten und an einen sicheren Ort bringen. Was genau „sicherer Ort“ heißt, bestimmt das Seerecht wiederum nicht. Auch hier hat der Kapitän einen Ermessensspielraum. Es muss aber mehr sein als bloß trockener Boden unter den Füßen, also ein Ort, wo nicht wieder unmittelbar Gefahr droht durch Verfolgung, Internierung oder Folter. Libyen ist kein solcher Ort. Diese Verpflichtungen sind unabhängig vom Status der Geretteten, zum Beispiel als Flüchtlinge oder Migranten ohne Einreiserecht nach Europa. Auch, ob sie sich selbst absichtlich in Seenot gebracht haben, spielt dabei keine Rolle. (epd/mig)

Sea Watch wirft einen Blick zurück: Erfolge und Rückschläge im Jahr 2019

Sea Watch berichtet in ihrem Newsletter vom 12.11.2019: Für Sea-Watch geht das wohl schwierigste Jahr seit der Gründung des Vereins Mitte 2015 zu Ende. Inzwischen sind sechs Monate vergangen, seitdem unser bestens ausgestattetes Schiff zuletzt in der SAR-Zone war, um das tun, wofür es einst angeschafft wurde: Menschenleben zu retten.
Allerdings macht 2019 für unsere Aktivist*innen mehr aus, als nur die frustrierende Festsetzung der Sea-Watch 3 in Italien. Für unsere Schiffscrew begann das Jahr zusammen mit 32 Geretteten auf hoher See. Bereits zehn Tage zuvor waren sie von unseren Freiwilligen geborgen worden. Bis die Verzweifelten an Land durften, betrieb Europa auf ihrem Rücken fast drei Wochen lang ein unwürdiges Spiel und stritt um ihre Aufnahme. Insgesamt warteten wir 2019 nach vier Rettungen 54 Tage lang auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. 229 Menschen konnten wir sicher an Land bringen, darunter 33 Kinder. Und es hätten so viele mehr sein können, wenn man uns doch nur gelassen hätte: Fünfmal wurde die Sea-Watch 3 zur Beweissicherung festgesetzt, seit der letzten Fahrt unserer Kapitänin Carola im Juni wurde das Schiff bis dato nicht mehr freigegeben.

Dabei wäre es so dringend gebraucht worden. Unsere Airborne-Crews allein haben auf ihren 105 Aufklärungsflügen 54 Boote entdeckt und waren an der Koordination von 33 Rettungen beteiligt. Insgesamt waren 2.729 vom Ertrinken bedrohte Menschen betroffen. 14 dieser Notfälle waren bis zu ihrer Entdeckung durch die Moonbird unbekannt. Die 799 Menschen an Bord hätten ohne den Einsatz unseres Flugzeugs vermutlich keine Chance auf Rettung gehabt.

Festgenommen: Carola Rackete im Juni auf Lampedusa. Foto: Chris Grodotzki / Sea-Watch e.V.

Boot kentert vor Mauretanien – mindestens 58 tote Migrant*innen

Die Tagesschau der ARD berichtet am 05.12.2019: Ein Boot mit mehr als 150 Migranten ist vor Mauretaniens Küste gekentert. Dabei sind nach ersten Erkenntnissen mindestens 58 Menschen ums Leben gekommen. Das Boot hatte Ende November in Gambia abgelegt.

Bei einer Havarie eines Bootes mit Dutzenden Migranten sind vor der Küste Mauretaniens mindestens 58 Menschen ums Leben gekommen, darunter Frauen und Kinder. Das Boot kenterte am Mittwoch im Atlantischen Ozean, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Eine nicht näher genannte Zahl von Verletzten wurde demnach in ein Krankenhaus im nordmauretanischen Nouadhibou gebracht.

Mehr als 83 Migranten aus Gambia hätten das Unglück überlebt, indem sie sich an die Küste gerettet hätten. Sie hätten IOM-Vertretern gesagt, dass das Boot am 27. November in ihrer Heimat mit rund 150 Insassen abgelegt habe, ergänzte IOM-Sprecherin Safa Msehli. Als sich das Boot der Küste von Mauretanien näherte, hatte es laut IOM wenig Kraftstoff.

Die Havarie gilt in diesem Jahr als eine der schlimmsten Tragödien rund um Migranten, die gefährliche Überfahrten nach Europa auf sich nehmen. Aus Gambia gab es zunächst keine offizielle Erklärung.

Das Land in Westafrika ist mit rund zwei Millionen Einwohnern relativ klein, doch kamen nach IOM-Angaben zwischen 2014 und 2018 mehr als 35.000 Gambier nach Europa. Die 22-jährige Herrschaft des autokratisch regierenden Expräsidenten Yahya Jammeh hat die Wirtschaft des Landes massiv beeinträchtigt, was vor allem die Jugend zu spüren bekommen hat. Dies führt dazu, dass es vermehrt Migranten aus Gambia nach Europa oder andere Weltgegenden zieht.

Seit Jammeh 2016 abgewählt wurde und Anfang 2017 ins Exil flüchtete, versuchen europäische Länder verstärkt Asylbewerber aus dem Land abzuschieben. Doch Gambias Wirtschaft darbt immer noch. Zuletzt machte der Küstennation der Zusammenbruch des britischen Reisekonzerns Thomas Cook zu schaffen. Aus Sicht einiger Gambier könnte die Pleite massive Auswirkungen auf den Tourismus des Landes haben, der mehr als 30 Prozent von dessen Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

Jubel um Mitternacht auf der „Ocean Viking“

Das Migazin vom 06.12.2019 berichtet: Grünes Licht aus Italien: Die „Ocean Viking“ darf die aus Seenot geretteten Menschen an Land bringen. Die Retter machen sich auf den Weg zu ihnen, um die frohe Botschaft zu überbringen. Es ist kurz nach zwölf, als die Männer im Container auf dem Achterdeck geweckt werden. Die Menschen aus Eritrea, Bangladesch, Mali und anderen Ländern sind vor fünf Tagen von denselben Leuten aus Seenot gerettet worden, die nun ihre Nachtruhe stören: der Crew der Hilfsorganisationen SOS Méditerranée und „Ärzte ohne Grenzen“ auf dem Rettungsschiff „Ocean Viking“. Immer mehr Helfer kommen nun in den Wohncontainer der Geretteten, wollen dabei sein. Sie bahnen sich einen Weg zwischen Beinen, Köpfen und Decken. Der Raum wird von Heizstrahlern an der Decke in ein oranges Licht getaucht. Fragende Gesichter.

Info: Knapp eine Woche nach ihrer Rettung aus dem Mittelmeer haben rund 120 Flüchtlinge sichere Häfen in Italien erreicht. 61 von der „Alan Kurdi“ aufgenommene Migranten gingen am Mittwoch in Messina an Land, nachdem das Schiff noch in der Nacht in dem sizilianischen Hafen angelegt hatte. Auch die „Ocean Viking“ mit 60 Flüchtlingen an Bord bekam in der Nacht die Genehmigung, die Geretteten in Italien an Land zu bringen. Sie fuhr in den Hafen des südsizilianischen Städtchens Pozzallo ein, wo die Menschen am Vormittag das Schiff verlassen konnten.

Der Missionschef von „Ärzte ohne Grenzen“, Aloys Vimard, und zwei Kollegen bitten die Männer, sich in Sprachgruppen zusammen zu setzen – Französisch, Englisch, Arabisch. Dann hebt Vimard zu einer kleinen Rede an. „Schon fünf Tage, dass wir die Zeit gemeinsam auf dem Schiff verbringen, das ist nicht einfach“, sagt er, eine Mappe in der Hand und ein Funkgerät auf der Brust. Jetzt sei aber eine Lösung gefunden, die Menschen dürften nach Europa, „ein Hafen in Italien“. Kurzes Klatschen, erleichtertes Lächeln, Gemurmel.

Das Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“

Panik an Bord. Handelsschiffe nicht gemacht für Seenotrettung

Das Migazin vom 02.12.2019 berichtet: Handelsschiffe sind verpflichtet, Menschen in Seenot retten. Sie sind aber nicht ausgerüstet für die Rettung, Aufnahme und Versorgung von Menschen in Seenot. Angesichts eines aktuellen Falls fordern Retter die EU auf, staatliche Schiffe einzusetzen.

Angesichts eines aktuellen Falles hat ein Seenotretter von SOS-Méditerranée auf das Dilemma von Handelsschiffen hingewiesen, die Migranten und Flüchtlinge aus Seenot retten. Die Kapitäne seien in „unglaublich schwierigen Situationen“ sagte Nicholas Romaniuk, Einsatzleiter von SOS Méditerranée auf der „Ocean Viking“, am Sonntag dem „Evangelischen Pressedienst“ an Bord des Schiffes.

„Die Handelsschiffe sind dafür nicht gemacht“, erklärte Romaniuk mit Blick auf die Rettung von Booten mit Dutzenden und zum Teil Hunderten Menschen an Bord. Diese wagen häufig von Libyen aus die Überfahrt nach Europa und geraten immer wieder in Seenot. Handelsschiffe verfügten weder über ausreichend Rettungsboote und Schwimmwesten noch die Möglichkeit medizinischer Versorgung für die Überlebenden, sagte der Einsatzleiter. Kapitäne und Mannschaften „machen traumatischen Erfahrungen“.

SOS Méditerranée ist zurzeit auf der gemeinsam mit „Ärzte ohne Grenzen“ betriebenen und für Rettungseinsätze ausgerüsteten „Ocean Viking“ im zentralen Mittelmeer unterwegs. Am Donnerstagabend retteten die Organisationen 60 Menschen aus einem Holzboot. Am Samstag wurde die „Ocean Viking“ vom Handelsschiff „OOC Panther“ um Hilfe gebeten. Das Versorgungsschiff der Hamburger Reederei Opielok hatte etwa 70 Seemeilen vor Libyen rund 30 Menschen gerettet.

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Medizinische Notfälle auf dem Rettungsschiff ALAN KURDI häufen sich

Sea-Eye meldet am 02.12.2019: Die Situation an Bord des deutschen Rettungsschiffes ALAN KURDI hat sich über das Wochenende zugespitzt. Am Samstag mussten acht Personen von Bord des Schiffes nach Lampedusa evakuiert werden, darunter zwei Säuglinge jeweils vier und acht Wochen alt. Ein Neugeborenes nahm keine Nahrung mehr zu sich, war dehydriert, unterernährt und deshalb in kritischer Verfassung. 

Seit Sonntagnachmittag kollabierten an Bord des deutschen Rettungsschiffes vier Personen. Sie werden seither im Bordhospital behandelt. Die mit Dringlichkeit angefragten Evakuierungen wurden von der maltesischen Rettungsleitstelle wiederholt abgelehnt. Die italienische Leitstelle antwortet auf eine entsprechende Anfrage nicht. Die maltesische Seenotleitung teilte dem Schiff zudem per Mail mit, dass die Menschen an Bord der ALAN KURDI für sie keinen Notfall darstellen. Die Seenotleitstellen in Rom, Malta und Bremen weisen seit Samstagmittag die Verwantwortung von sich und erklären die jeweils andere Leitstelle für zuständig. Die Deutsche Seenotleitstelle MRCC Bremen verwies nach der Rettung sogar an die Libysche Navy, obwohl sich das Schiff inzwischen in der maltesischen Koordinierungszone befand. 

“Wir sind entsetzt über die Verantwortungslosigkeit europäischer Seenotleitstellen. Die Leitstellen verweigern sich förmlich und unterlaufen ihre Pflicht, die Rettung zu koordinieren und uns einen sicheren Hafen zuzuweisen. Noch nicht einmal kollabierte Personen können vom Schiff evakuiert werden. Uns gehen die Superlative für die Ignoranz Europas aus.”, sagt Julian Pahlke, Sprecher von Sea-Eye. 

Am Montagmorgen sind an Bord der ALAN KURDI zwei weitere Person kollabiert. Auf das Ersuchen des Schiffes bei den drei Seenotleitstellen kam erneut keine Antwort. 

“Wir sind ausgerüstet wie ein moderner Krankenwagen- aber wir können bald nicht mehr für die Gesundheit aller Menschen garantieren. Die Geretteten sind durchweg in schlechter Verfassung, mit unseren Bordmittel werden wir das in absehbarer Zeit nicht mehr bewältigen können”, sagt die Bordärztin der ALAN KURDI, Barbara Hammerl-Kraus.

“Wir befürchten an Bord das Schlimmste. Wir haben das Auswärtige Amt darum gebeten, dass man die italienischen und maltesischen Partner auf die humanitäre Dringlichkeit hinweist. Es kann nicht sein, dass europäische Leitstellen telefonisch nicht erreichbar sind und sich schlicht verweigern. Deutschland muss darauf drängen, dass internationale Gesetze und seerechtliche Verpflichtungen eigehalten werden, statt sich für rein medienwirksame, sogenannte Deals zu feiern”, fügt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea- Eye hinzu. 

Erstmalig war die maltesische Rettungsleitstelle für die Einsatzleitung von Sea-Eye telefonisch nicht mehr erreichbar. Ebenfalls neu ist, dass Italien an die Zuständigkeit der deutschen Rettungsleitstelle in Bremen verweist und dort um die Koordinierung bittet. 
„Offenbar leidet auf Malta nicht nur die Regierung unter Auflösungserscheinungen. Die Rettungskette dieser beiden Mittelmeeranrainer hat sich in Luft aufgelöst hat“, sagt Isler weiter.

Die Nächte verbringen die geretteten Männer, Frauen und Kinder unter freiem Himmel an Deck.                                                                                                                     Foto: Johannes Gaevert/sea-eye.org