Friedenspreis für „Sea-Watch“

Das Migazin vom 29.11.2019 meldet: Die Stadt Osnabrück setzt mit ihren Friedenspreis in diesem Jahr auch ein politisches Signal. Die Organisation „Sea-Watch“ sieht ihr Anliegen damit gestärkt.

Für die Seenotrettungsorganisation „Sea-Watch“ ist die Auszeichnung mit dem Sonderpreis des Erich Maria Remarque-Friedenspreises der Hinweis darauf, dass das Schicksal der Mittelmeer-Flüchtlinge in der Gesellschaft angekommen ist. „Sea-Watch“ habe dafür gesorgt, dass hinter den abstrakten Zahlen von Ertrunkenen und Verschollenen die Menschen sichtbar würden, sagte der Vorsitzende Johannes Bayer am Donnerstag in Osnabrück. „Das ist letztlich die einzige Möglichkeit, zu verhindern, dass Menschen im Mittelmeer umkommen.“

Allerdings sei der Gegenwind insbesondere von populistischen Parteien wie der AfD stärker geworden, sagte der Vorsitzende. Das reiche bis zu Angriffen auf Büros und sogar Morddrohungen. Der Vorsitzende wird an diesem Freitag den mit 5.000 Euro dotierten Sonderpreis im Friedenssaal des historischen Rathauses in Osnabrück entgegennehmen.

Das Rettungsschiff Sea-Watch rettet Flüchtlinge im Mittelmeer (Archivfoto) © sea-watch.org

Seenotretter: Rückkehr von Einsatz nach Hause ist schwierig

Das Migazin vom 29.11.2019 berichtet: „Bei einem Einsatz sieht man Dinge, die nicht zum normalen Leben gehören, wie im Krieg“, sagt Alessandro Porro. Er ist Seenotretter an Bord der „Ocean Viking“. Man verändere sich, im normalen Leben komme es zu Spannungen.

Der Moment der Rückkehr zu Familie und Freunden nach einem Seenotrettungseinsatz gehört für SOS-Méditerranée-Mitarbeiter Alessandro Porro zu den schwierigsten Aspekten seiner Arbeit. „Bei einem Einsatz sieht man Dinge, die nicht zum normalen Leben gehören, wie im Krieg“, sagte Porro dem „Evangelischen Pressedienst“ an Bord des Rettungsschiffes „Ocean Viking“ im Mittelmeer. „Dadurch verändert man sich. Aber wenn man nach Hause kommt, führen die anderen weiter ihr normales Leben: Arbeit, Ferien, Hochzeiten und so weiter.“

Das Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“

Viele wollten von den schwierigen Erfahrungen nichts wissen, „das erzeugt Spannungen“, sagte Porro. Der 39 Jahre alte Italiener hat seit 2017 fünf Einsätze mit SOS Méditerranée auf dem Mittelmeer abgeschlossen, bei denen Flüchtlinge und Migranten aus Seenot gerettet wurden. Dabei habe er Menschen wiederbeleben und Leichen von Ertrunkenen aus dem Wasser bergen müssen, berichtete der Helfer. Gleich bei seinem ersten Einsatz habe auch eine Frau an Bord eines Schlauchbootes gerade ein Baby zu Welt gebracht.

12-Stunden-Rettung

Nach den Rettungen selbst, die bis zu zwölf Stunden dauern könnten, sei die Zeit mit den Überlebenden an Bord bewegend, erklärte Porro, der zunächst auf der „Aquarius“ im Einsatz war und seit Sommer auf der „Ocean Viking“ mitfährt. „Man teilt mit ihnen denselben Raum, man ist zu gleicher Zeit seekrank“, sagte Porro. „Und wenn sie ihre Geschichten erzählen und ihre Folterspuren am Körper zeigen, kann man dem nicht entkommen.“

Die von SOS Méditerranée und „Ärzte ohne Grenzen“ betriebene „Ocean Viking“ war am Wochenende mit 213 Geretteten in Messina angekommen. Von dort startete das unter norwegischer Flagge fahrende Schiff am Mittwoch wieder in die libysche Such- und Rettungszone.

Rettungsschiff ALAN KURDI rettet 84 Menschen auf dem Mittelmeer

Sea Eye meldet am 28.11.2019:

   Foto: Johannes Gaevert/sea-eye.org

Am Donnerstagmorgen wurde das zivile Rettungsschiff ALAN KURDI der Regensburger Organisation Sea-Eye über den ersten Seenotfall informiert. Die Organisation „Watch the Med Alarm Phone“ kontaktierte die Einsatzleitung und übermittelte die Position. Die Einsatzleitung informierte die zuständigen Behörden und das Schiff nahm Kurs auf die kommunizierte Koordinate.

Am späten schließlich Vormittag traf die ALAN KURDI an dem seeuntauglichen Schlauchboot ein und evakuierte die 44 Menschen unverzüglich. Unter ihnen sind 21 Frauen, eine davon schwanger. Ebenfalls wurden ein Kleinkind und zwei Neugeborene geborgen, eines vier und ein anderes 8 Wochen alt.  Einige Frauen berichten dem Medizinerteam, dass sie bereits seit drei Jahren in Libyen festgesessen haben. An Bord des Schiffes wurden sofort alle Geretteten medizinisch betreut. 

Zeitgleich wurde die ALAN KURDI vom Alarmphone über einen weiteren Seenotfall informiert. Am Nachmittag wurde es schließlich vom zivilen Suchflugzeug „Colibri“ der französischen Hilfsorganisation Pilotes Volontaires  entdeckt. Das Sea-Eye-Schiff erreichte die Position gegen 17 Uhr. Auch hier befanden sich drei Kleinkinder unter den Geretteten, Eine Frau wurde bewusstlos von Bord des Schlauchbootes geborgen und muss im Bordhospital behandelt Ihr zustand ist instabil. Der Zustand eines Neugeborenen wird ebenfalls als kritisch beschrieben. Das Kind konnte zwei Tage nicht mit Wasser versorgt oder von der Mutter gestillt werden. 

Wir sind sehr froh, zur richtigen Zeit vor Ort gewesen zu sein. Die ALAN KURDI ist in diesen Stunden das einzige zivile Rettungsschiff vor der libyschen Küste. Vor allem das Schicksal der sechs Kleinkinder, teilweise nur wenige Wochen alt, bereitet uns in diesen Stunden schwerwiegende Sorgen. Ein Schiff ist noch kein sicherer Ort für Gerettete und schon gar nicht für Neugeborene. Die Behörden müssen sofort handeln und Verantwortung übernehmen”, sagt Sea-Eye Vorsitzender Gorden Isler.

Sea-Eye hat bereits am Nachmittag um Zuweisung eines sicheren Hafens für die Geretteten der ALAN KURDI gebeten, bisher ohne Antwort der europäischen Seenotleistellen. Die libyschen Behörden boten am Nachmittag wiederholt Tripolis als Ausschiffungshafen an. „Wäre Libyen ein sicherer Ort, dann hätten diese Menschen nicht ihr Leben riskiert, um diesen Ort zu verlassen„, sagt Isler weiter. Sea-Eye lehnt es daher weiter kategorisch ab Menschen zurück nach Libyen zu bringen.

Es darf jetzt kein Geschacher um Menschen auf der Flucht geben. Das internationale Recht schreibt klar vor, dass die Geretteten in einen sicheren Hafen gebracht werden müssen und der kann nur in Europa liegen. Wir drängen deshalb darauf, schnellstmöglich einen sicheren Ort zugewiesen zu bekommen.” sagt Sea-Eye Sprecher Julian Pahlke

Neustart für EU-Migrationspolitik gefordert

Das Migazin vom 26.11.2019 meldet: Kurz bevor die neue EU-Kommission ihre Arbeit aufnimmt, haben europäische Organisationen einen Neustart der EU-Asylpolitik gefordert. Menschenrechtsverletzungen durch EU-Staaten müssen beendet werden, heißt es in einem „Berliner Aktionsplan“.

Zivilgesellschaftliche Organisationen aus sechs europäischen Ländern haben von der EU-Kommission einen Neustart der Asyl- und Migrationspolitik auf der Grundlage geltender Konventionen gefordert. Nötig seien unter anderen ein EU-weiter Flüchtlingsstatus, das bedingungslose Recht auf faire Asylverfahren und eine gerechte Aufteilung der Verantwortung zwischen den Mitgliedstaaten, heißt es in einem „Berliner Aktionsplan„, der am Montag von der Diakonie Deutschland, der französischen Organisation France Terre d’Asile und der Heinrich-Böll-Stiftung präsentiert wurde.

EU-Institutionen und Regierungen sollten „in ein postpopulistisches Zeitalter eintreten und mit Gelassenheit und Augenmaß zu einer vernünftigen Sachpolitik zurückkehren“, fordern die rund 30 Unterzeichner-Organisationen aus Deutschland, Frankreich, Polen, Italien, Griechenland und Tschechien.

„Migration ist keine Gefahr“

„Wir brauchen eine auf Menschenrechten und Flüchtlingsschutz basierte Asyl- und Migrationspolitik, die von allen Mitgliedsstaaten getragen wird“, sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Ellen Ueberschär, Vorständin der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, betonte: „Migration ist keine Gefahr für Europa. Sie kann ein großer Gewinn sein, wenn es gelingt, diese in humanitäre und geordnete Bahnen zu lenken.“

Der „Berliner Aktionsplan“ sei ein deutlicher Appell an die neue EU-Kommission: „Die Blockaden in der europäischen Asyl- und Migrationspolitik müssen jetzt überwunden werden, ein ‚Weiter so‘ darf es nicht geben“, sagte Ueberschär. Thierry Le Roy, Präsident von France Terre d’Asile, sagte, dass es bei einem Neustart der Asyl- und Migrationspolitik insbesondere auf das deutsch-französische Tandem ankomme.

Photo by Lāsma Artmane on Unsplash

Ereignisse im Mittelmeer überschlagen sich

Das Migazin vom 22.11.2019 berichtet: Knapp 300 aus Seenot gerettete Flüchtlinge auf mehreren Rettungsschiffen warten auf einen sicheren Hafen. Mehrere Geflüchtete kamen ums Leben.

Nach der Rettung von Dutzenden Menschen aus Seenot warten fast 300 Flüchtlinge auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Einige der aus dem Mittelmeer Geretteten weisen Schussverletzungen und schwere Brandwunden auf, teilte die spanischen Seenotretter auf der „Open Arms“ auf Twitter mit, die 73 Menschen aufnahmen. Ein Teil der Flüchtlinge war demnach stark unterkühlt und litt an Flüssigkeitsmangel. Auf der „Ocean Viking“ harren über 100 Menschen aus. SOS Méditerranée meldet, dass 90 weitere Flüchtlinge aus einem Schlauchboot gerettet worden seien, das nach fast 24 Stunden Suche endlich gefunden worden sei.

Bei der Meldestelle „Alarm Phone“ ging überdies die Nachricht eines Fischers ein, der von einem Bootsunglück mit 67 Toten vor der libyschen Küste berichtete. Fischer hätten vor der Küste bei Tripolis ein Schlauchboot mit geplatzten Luftkammern und zahlreichen bereits über Bord gegangenen Menschen gefunden. An der Unglücksstelle hätten sie 30 Überlebende retten können. Die libysche und die tunesische Küstenwache brachten unterdessen nach Online-Berichten der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ 200 Flüchtlinge, die dabei waren, das Mittelmeer zu überqueren, wieder zurück nach Nordafrika.

Rettungsaktion im Mittelmeer © Laurin Schmid / SOS MEDITERRANEE

ALAN KURDI kehrt in den Einsatz zurück.

Pressemitteilung von Sea Eye vom 21.11.2019: Das Rettungsschiff ALAN KURDI der Regensburger Organisation Sea-Eye hat am Donnerstagvormittag den Hafen von Tarent in Süditalien verlassen und befindet sich nun auf dem Weg in die libysche Such- und Rettungszone. 
Nach dem gewalttätigen Zwischenfall mit libyschen Küstenwächtern beginnen wir nun mit großer Sorge den nächsten Einsatz. Wir betrachten die sogenannte, libysche Seepolizei als ernstzunehmende Bedrohung für Menschen auf der Flucht und die Retter*Innen an Bord unseres Schiffes. Die Tatsache, dass solche Milizen als Partner der Bundesregierung und der EU bewusst und willentlich Menschenrechte brechen, ist durch nichts zu entschuldigen. Die Rettung von Menschenleben scheint keine Priorität mehr zu sein”, sagt Julian Pahlke, Sprecher von Sea-Eye.

Das deutsche Rettungsschiff ALAN KURDI verlässt den italienischen Hafen von Tarent                                                                                                                                                               Archivfoto: Karsten Jäger/sea-eye.org

Das Schicksal der „St. Louis“-Passagiere

Das Migazin vom 20.11.2019 berichtet: In einer Sonderausstellung wird die Geschichte der St. Louis aufgezeigt. Im Jahr 1939 suchten 937 Juden auf der MS „St. Louis“ in Amerika vergeblich nach einem Land, der sie aufnimmt. Notgedrungen kehrten sie zurück nach Europa. Eine Ausstellung zeigt die Geschichte dieser Menschen. Die Fahrt und das Schicksal von 937 jüdischen Passagieren auf der MS „St. Louis“ im Jahr 1939 ist Thema einer Sonderausstellung im Auswanderermuseum Ballinstadt auf der Veddel, die an diesem Freitag eröffnet wird. Unter dem Titel „St. Louis – Schiff der Hoffnung“ illustriert sie die verschiedenen emotionalen Stationen der Passagiere auf der „St. Louis“.

Eigentlich hatten die Flüchtlinge beinahe eine Art eine Kreuzfahrt gebucht, mit gutem Essen, Champagner und ausgelassenen Feiern. Doch ihre Vorfreude und Hoffnung wurden schnell getrübt. Insgesamt 11 Tage waren sie gemeinsam mit Kapitän Schröder auf See unterwegs. In Havanna angekommen dann die Ernüchterung: Ihre Visa wurden nicht akzeptiert.

Viele Passagiere an Bord wurden aktiv und gründeten Komitees, um nach Auswegen zu suchen. Einige Menschen drohten mit Selbstmord. Es ging weiter nach Amerika, doch auch die USA wollten die Flüchtlinge nicht aufnehmen, weil die eigene Lage im Land durch die hohe Arbeitslosenzahl belastend genug war. Auch das benachbarte Kanada hielt seine Tore für die Hilfesuchenden geschlossen. Die Folge: Alle mussten nach Europa zurück. Doch weil sie nicht mehr nach Deutschland konnten, wurden alle verstreut – nach Belgien, Großbritannien, Frankreich und in die Niederlande.

Die St. Louis vor der Buch von Havanna/Kuba © Wikipedia, Public Domain, Link

Rapper Tua spendet emotionales Musikvideo an deutsche Seenotretter von Sea-Eye

Link zum Video: 
https://youtu.be/fIe1I36yTqk

Pressemitteilung Saa

Pressemitteilung Sea-Eye 18.11.2019: Das Video wurde für und mit der Besatzung der ALAN KURDI, dem Schiff der NGO Sea-Eye, gedreht. Die Aktion ist ein Appell an die Gesellschaft und zeigt auf dramatische Weise die tödliche Realität an Europas Außengrenze im Mittelmeer. In seinem Video werden Szenen des Ertrinkens von Menschen auf der Flucht nachgestellt. Dabei visualisiert Tua selbst die Situation einer Seenotrettung, bevor ihn schließlich die Crew der ALAN KURDI rettet. So versetzt der Künstler die Zuschauer in die brutale Realität der deutschen Rettungskräfte von Sea-Eye e.V..

Nach Angriff auf deutsches Rettungsschiff „Alan Kurdi“ schaltet sich Hamburger Staatsanwaltschaft ein und hat die Bundespolizei hat Vorermittlungen zum Angriff einer libyscher Miliz auf Sea-Eye-Schiff aufgenommen

Sea-Eye berichtet am 08.11.2019:

Nachdem am Samstag  den 26.10. zwei bewaffnete Schnellboote mit Libyscher Kennung während einer Rettung der „Alan Kurdi“ gewaltsam intervenierten, hat die Staatsanwaltschaft Hamburg nun die Bundespolizei See beauftragt, Vorer-mittlungen einzuleiten. Darüber wurde der Verein schriftlich benachrichtigt. Kapitänin Bärbel Beuse aus Warnemünde und weitere Crewmitglieder sollen als Zeugen vernommen werden. Bei dem Angriff wurden Menschen in Seenot und die Crew des unter deutscher Flagge fahrenden Rettungsschiffes mit Maschinen-geschützen bedroht und Schüsse in Luft und Wasser abgegeben. 
„Wenn die deutsche Justiz gegen die libyschen Partner der eigenen Bundesregierung ermitteln muss, zeigt das, mit welchen zweifelhaften Partnern auf EU-Ebene versucht wird, die Flucht über das Mittelmeer um jeden Preis zu stoppen. Der Schutz von Menschenleben scheint keine Priorität zu sein. Wenn Menschen auf der Flucht und die Rettungskräfte der „Alan Kurdi“ bedroht werden, brauchen wir keinen weiteren Ausdruck der Besorgnis, sondern ein Ende der Zusammenarbeit mit bewaffneten Kräften.“ sagt Julian Pahlke, Sprecher von Sea Eye.
Zeitgleich hat das ARD Magazin MONITOR am Donnerstagabend mit ihren Recherchen die Zugehörigkeit der libyschen Kräfte zur sog. Seepolizei Zuwara aufgedeckt. In dem Beitrag vom gestrigen Abend hat die Redaktion Belege dafür gefunden, dass die Boote zur Seepolizei Zuwara und damit zu den von Europa beauftragten Kräften gehören.


Schweizer Städte wollen mehr Bootsflüchtlinge aufnehmen – und dürfen nicht

Die Republik berichtet am 07.11.2019: Zürich, Bern und Basel wollen die EU-Grenzstaaten entlasten. Doch das Staatssekretariat für Migration blockt ab.

Die europäische Flüchtlingspolitik sollte mit den Schengen/Dublin-Abkommen in geordnete Bahnen gelenkt werden – doch damit ist die EU gescheitert. Die Idee des europäischen Vertrags­werks zur Migration war einfach: Geflüchtete sollten in jenem europäischen Land ein Asylgesuch stellen, in dem sie zuerst landen. Zuständig ist der Staat, der die Geflüchteten zuerst registriert. Das führt zu Problemen.

Da die Geflüchteten auf dem Land- oder Seeweg nach Europa reisen, kommen sie meist an der EU-Aussengrenze an, und das spüren vor allem die südeuropäischen Staaten – Italien, Spanien, Griechenland. Sie gelten als überlastet. Und reagieren auf ihre Weise: Sie hörten auf, die Geflüchteten zu registrieren, und schickten sie stattdessen einfach weiter.

Daraus wird klar: Schengen/Dublin ist miserabel konstruiert.

Auf dem Weg zum Mittelmeer sterben mehr Migranten als auf See

Das Migazin vom 5.11.2019 beerichtet: Die Zahl der Flüchtlinge, die auf dem Weg zum Mittelmeer ums Leben kommen, ist den Vereinten Nationen zufolge vermutlich deutlich höher als die Zahl der Toten im Mittelmeer.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt, dass mehr afrikanische Migranten auf dem Weg zur nordafrikanischen Küste ums Leben kommen als bei den Fahrten über das Mittelmeer. „Wir gehen davon aus, dass vermutlich mindestens doppelt so viele Menschen auf dem Weg zum Mittelmeer sterben als im Mittelmeer selbst“, sagte Vincent Cochetel, der UNHCR-Sondergesandte für das Mittelmeer und Libyen, der „Welt am Sonntag“. Die Zahl könne aber „auch viel höher“ sein. „Niemand kann es mit Sicherheit sagen, aber es ist eine Tragödie“, sagte Cochetel.

Ebenso wie das UNHCR weist auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) auf eine hohe Dunkelziffer hin. Registriert wurden laut IOM von 2014 bis zum 28. Oktober dieses Jahres 19.005 Tote im Mittelmeer – sowie 4.463 in Nordafrika. Für das Mittelmeer habe man allerdings mehr und bessere Quellen, deshalb dürften die Angaben für diesen Teil der Fluchtroute der Wirklichkeit näherkommen als im Falle Nordafrikas, hieß es. Haupttodesursachen auf den Landrouten waren laut IOM nach den vorliegenden Zahlen für 2018 Verkehrsunglücke, gefolgt von Verdursten, Gewalttaten, Verhungern und Krankheiten. Nicht selten werden Geflüchtete gewaltsam in die Wüste getrieben oder dort schutzlos alleingelassen. (epd/mig)

Rettung aller Flüchtlinge im Mittelmeer ist möglich

Das Migazin vom 31.10.2019 berichtet: Seenotretter im Mittelmeer dringen auf ein EU-Programm zur Rettung von Bootsflüchtlingen. Technisch sei das möglich. Das Mittelmeer sei einer der bestbewachten Räume weltweit.

Die Seenotrettungsorganisation SOS Méditerranée dringt auf ein europäisches Programm zur Rettung von Bootsflüchtlingen. „Es darf kein Mensch im Mittelmeer ertrinken“, sagte Geschäftsführer David Starke dem „Evangelischen Pressedienst“. „Und das Gute ist, es ist technisch möglich.“ Das habe die Operation der italienischen Marine und Küstenwache „Mare Nostrum“ gezeigt, die 2013 und 2014 etwa 150.000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet habe.

„Die EU-Mitgliedsstaaten müssen Verantwortung übernehmen und Schiffe hinschicken“, forderte Starke. Die derzeitige Situation sei nicht haltbar. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in diesem Jahr bereits mehr als 1.000 Menschen im Mittelmeer ertrunken.

Marco Stricker, Palermo 2018

Es sei nachvollziehbar, dass Italien und Malta zur Solidarität anderer europäischer Länder aufriefen. „Das Geringe und Geschacher um die Geretteten ist aber nicht zu verstehen“, kritisierte Starke. Im September habe die neue italienische Regierung auf einmal mehrere Schiffe innerhalb von 24 Stunden in einen Hafen gelassen. „Die Hoffnung war groß, dass sich das fortsetzt, aber wir sind sehr schnell wieder auf den Boden der Tatsachen angekommen.“

Sea Watch 3 immer noch blockiert

Sea Watch berichtet am 30.10.2019 im Newsletter: Der Kampf gegen die Festsetzung der Sea-Watch 3 geht weiter: Unmittelbar vor dem Verlassen des Hafens von Licata am Montagnachmittag erklärten die zuständigen Behörden das Schiff für weiterhin beschlagnahmt. Eine formelle oder gar juristisch plausible Erklärung gibt es nicht.

Hintergrund: Seit mehr als 120 Tagen sitzt die Sea-Watch 3 inzwischen auf Sizilien fest. Vier lange Monate, in denen mindestens 350 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertranken und mehr als 4.400 Menschen von libyschen Milizen in das Bürgerkriegsland verschleppt wurden. Seit unsere Kapitänin Carola Rackete Anfang Juni aus humanitären Gründen in italienische Hoheitsgewässer eindringen musste, galt das Schiff als strafrechtlich und verwaltungsrechtlich beschlagnahmt. Die Ermittlungen wurden bereits im September abgeschlossen, die Sea-Watch 3 war danach strafrechtlich frei. Unser Antrag auf Aufhebung der administrativen Festsetzung wurde weder in der gesetzlich vorgeschriebenen 10-Tages-Frist noch in den beiden folgenden Wochen beantwortet. Es gibt demzufolge keinen juristischen Grund, dem Schiff das Auslaufen zu verweigern. Die de facto weiter bestehende Blockade ist unrechtmäßig, rein politisch motiviert und inakzeptabel.

Dass die Sea-Watch 3 in der Such- und Rettungszone dringend gebraucht wird, haben die letzten Tage überdeutlich gezeigt. Am Montag entdeckte die Crew unseres Moonbird-Flugzeugs das kleine graue Schlauchboot auf dem Bild unten. Mehrere Kontaktaufnahmen zu Handelsschiffen in unmittelbarer Nähe blieben erfolglos. Niemand zeigte sich bereit, eine Rettung der wenigen ausgezehrten Menschen auf dem Boot einzuleiten. Die sogenannte Libysche Küstenwache zog es vor, „auf Grund schlechten Wetters“ im Hafen zu bleiben. Glücklicherweise konnten wir unsere Freund*innen von Proactiva Open Arms in die Suche einbinden. Nach fast 24 Stunden retteten sie zwei Frauen, sechs Männer, fünf Kinder und zwei Säuglinge von dem Schlauchboot.