„Selbstverteidigung gegen tödliche Grenzpolitik ist keine Piraterie“

Das Migazin vom 29.03.2019 berichtet: Ein von Flüchtlingen vor der libyschen Küste gekapertes Handelsschiff hat am Donnerstag den Hafen von Malta erreicht. Der Tanker sei von der maltesischen Marine eskortiert worden, nachdem zuvor zeitweise gerettete Flüchtlinge die Kontrolle an Bord der „El Hiblu 1“ übernommen hatten, wie die maltesische Tageszeitung „Times of Malta“ berichtete. Die 108 Flüchtlinge, darunter 12 Kinder und 19 Frauen, durften den Angaben zufolge in der Hauptstadt Valletta von Bord gehen. Einige küssten beim Verlassen des Schiffs den Boden.

Vier der Männer wurden nach ihrer Ankunft in Malta festgenommen. Als Flüchtlinge die Kontrolle über das Schiff übernommen hatten, kamen laut der Zeitung keine Waffen zum Einsatz. Die Besatzung sei jedoch in der Minderheit gewesen. Sie habe daher den Eindruck gehabt, keine andere Wahl zu haben, als den Anweisungen der Flüchtlinge Folge zu leisten. Der italienische Innenminister Matteo Salvini schloss eine Aufnahme der Migranten aus. Er sprach von einem Fall organisierten Verbrechens und von einem „Akt der Piraterie“.

Mare Jonio beschlagnahmt

Sea Watch berichtet in ihrem Newsletter vom 26.03.2019: Die italienische Seenotrettungsorganisation Mediterranea und die Crew des Schiffs Mare Jonio. Nach der Rettung von 49 Schiffbrüchigen vor einer Woche wurde Kapitän Pietro vor Lampedusa gezwungen, das Schiff an die italienische Polizei zu übergeben.

Die Mare Jonio gilt nun als beschlagnahmt, Kapitän und Missionsleiter werden die Begünstigung illegaler Einwanderung sowie Befehlsver-weigerung gegenüber einem Militärschiff vorgeworfen. Diese Kriminali-sierung der Mare-Jonio-Aktivist*innen ist eine weitere Eskalation der italienischen Regierung in ihrem rassistisch motivierten Kampf gegen die zivile Seenotrettungsflotte.

45 Menschen vor Küste Marokkos ertrunken

Das Migazin vom 18.03.2019 berichtet: 45 Flüchtlinge aus dem südlichen Afrika sind im Mittelmeer auf dem Weg nach Spanien ertrunken. Die Zahl der Toten im Mittelmeer ist im laufenden Jahr damit auf über 230 angestiegen.

»Ich kann helfen, also werde ich helfen. So einfach ist es«

Pro Asyl Deutschland berichtet am 13.03.2019: »Sea-Eye« ist derzeit als einzige NGO mit einem Rettungsschiff im Mittelmeer unterwegs. Im Dezember 2018 retteten sie 17 Menschen in Seenot das Leben. Daniel Hempel war bei diesem Einsatz dabei.

Am 29. Dezember 2018 rettete die Organisation »Sea-Eye« 17 Menschen im Mittelmer und weigerte sich, sie der libyschen Küstenwache zu übergeben. In Malta wurde ihrem Schiff die Einfahrt verweigert, trotz aufziehenden Sturms. 18 Besatzungsmitglieder und 17 Gerettete harrten zwölf Tage vor der maltesischen Küste aus, bevor die Geflüchteten am 9. Januar 2019 an Land gehen durften.

Daniel Hempel (29) aus Detmold, jahrelang Mitglied bei PRO ASYL, war bei diesem Einsatz Crew-Mitglied. Im Interview schildert er seine Erlebnisse.


Die „Professor Albrecht Penck“, mittlerweile in „Alan Kurdi“ umgetauft. Foto: Alexander Draheim / sea-eye.org