100 Menschen ertrinken im Mittelmeer binnen nur einer Woche!

Sea Watch berichtet am 12.04.2022: Seit Anfang April patroullierte die Sea-Watch 3 als einziges ziviles Rettungsschiff im Einsatzgebiet vor der Küste Libyens. Im Laufe des vergangenen Samstags erreichte die Crew an Bord ein Notruf über ein Boot in Seenot. Über 50 Menschen waren bereits im Wasser. Als unsere Schnellboote eintrafen war ein Schiff der sogenannten libyschen Küstenwache vor Ort. Die Situation war chaotisch und außer Kontrolle. Das Schlauchboot war gesunken, dutzende Menschen kämpften im Wasser ums Überleben. Es gelang unserer Crew, 38 Personen zu retten. Die Überlebenden an Bord unseres Schiffes berichten, dass sie dabei zusehen mussten, wie Angehörige ertranken. Auch unsere Crew bezeugte, wie für einige Menschen jede Rettung zu spät kam.

Nur kurze Zeit später konnte bei einer weiteren Rettung ein anderes Boot vor einem ähnlichen Schicksal bewahrt werden. Dessen 87 Überlebende befinden sich nun ebenfalls an Bord. Nach mehreren notwendigen medizinischen Evakuierungen von Überlebenden des Schiffsunglücks sind aktuell 201 Personen von fünf Seenotfällen auf der Sea-Watch 3, darunter schwangere Frauen, Kinder und Babys. Die traumatischen Erfahrungen haben Spuren hinterlassen, psychisch wie physisch und unsere Crew tut alles in ihrer Macht stehende, um die Personen bestmöglich zu betreuen.

Wir sind in Gedanken bei den Überlebenden an Bord der Sea-Watch 3, die nun dringend und schnellstmöglich einen sicheren Hafen benötigen! Unsere Gedanken sind auch bei all jenen, die in den letzten, tödlichen Tagen auf dem Mittelmeer ertrunken sind. Neben dem Schiffsunglück, welches die Sea-Watch 3 am Wochenende bezeugte, erreichte uns einige Tage zuvor bereits eine erschütternde Nachricht: Bei einem Bootsunglück vor der libyschen Küste starben 90 Personen. In diesem Jahr allein sind bereits über 400 Menschen im zentralen Mittelmeer ertrunken. Wir fragen uns wie es sein kann, dass die EU Personen mutwillig im zentralen Mittelmeer ertrinken lässt, während sie im gleichen Atemzug zu Solidarität mit den Flüchtenden aus der Ukraine aufruft. Die Solidarität mit ihnen ist wichtig und richtig, aber dass es hier eine unterschiedliche Behandlung aufgrund der Herkunft und Hautfarbe gibt, lässt sich an dieser Stelle nicht bestreiten. Die Doppelmoral der europäischen Staaten ist unerträglich und zeigt, wie tief Rassismus im politischen Handeln der EU verankert, wie sehr der Wert eines Menschenlebens an die Hautfarbe gekoppelt ist. Für uns ist klar: Menschenrechte müssen für alle gelten!

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.