Retten schadet nicht

Unter diesem etwas sonderbaren Titel erschien in der Zeit Online Nr 15/2017 ein Artikel, der nachzuweisen versucht, dass es nicht die Hilfsorganisationen sind, welche den Flüchtlingsstrom anschwellen lassen. Dieser Vorwurf wurde ja von verschiedenen Seiten erhoben, nicht zuletzt vom Frontex-Chef Fabrice Leggeri. Die Botschaft an die Flüchtlinge dahinter: Versucht erst gar nicht nach Europa zu kommen, denn es wird euch niemand retten. Oder anders gesagt: Wir lassen euch zur Abschreckung ertrinken.

Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass diese reichlich zynische Argumentation bereits zum Abbruch der Mare Nostrum-Aktion beigetragen hatte. Die beiden Autoren Rob Gruijters vom Institut für Soziologie der Uni Oxford und Elias Steinhilper von der Scuola Normale Superiore in Florenz haben – saisonbereinigt – die Ankunfts- und Todesraten vor und nach dem Ende von Mare Nostrum überprüft. Während des Programms belief sich die Zahl der Ankünfte auf ca 45’000. Dabei starb etwa ein Mensch aus 49  bei der Überfahrt. Nach Mare Nostrum stieg die Anzahl der Überfahrten und es kamen ca. 63’500 Menschen in Europa an. Dabei stieg die Todesrate auf 1 zu 36.

Die schlechter organisierte Seenotrettung führte also zu mehr Toten, aber nicht zu weniger Flüchtlingen. Der Artikel endet mit dem Fazit: „Die aktuelle Kritik, zivile Seenotrettung sei für die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer mitverantwortlich, verfehlt nicht nur den Kern des Problems, sie entbehrt auch jeglicher empirischer Grundlage.“ Da bleibt uns nur zu ergänzen: Ertrinken lassen ist keine Option!

Link zur Studie der Oxford University: https://www.law.ox.ac.uk/research-subject-groups/centre-criminology/centreborder-criminologies/blog/2017/03/border-deaths

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